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Lokales Gedenken an alle Weltkriegsopfer
Leipzig Lokales Gedenken an alle Weltkriegsopfer
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00:10 20.04.2019
Am Capa-Haus wurde – unter anderem durch US-Konsulin Emily Yasmin Norris (Mitte) – allen Weltkriegsopfern gedacht. US-Soldat Raymond J. Bowman starb am 18. April 1945 mit 21 Jahren auf einem Balkon im zweiten Stock dieses Gebäudes. Quelle: Fotos: Dirk Knofe
Leipzig

Eine extrem schlechte Akustik kann auch etwas Gutes haben. Am Donnerstag, dem 18. April 2019, dröhnten ständig laute Straßenbahnen und Laster am Capa-Haus in der Jahnallee 61 vorbei. Mehrfach kamen Kranken- oder Polizeiwagen mit ihren Sirenen dazu. So musste die Gruppe von vielleicht 40 Personen, die zunächst im weiten Rund um den Ort der Ansprachen stand, deutlich zusammenrücken, um deren Inhalt zu verstehen.

US-Konsulin Norris erzählt von ihrem Großvater

Kommunalpolitiker der Linken rutschten plötzlich zwischen Bundeswehr- und US-Soldaten. Aus anfänglicher Distanziertheit entstand eine gemeinschaftliche Runde. Als US-Konsulin Emily Yasmin Norris in die Mitte trat, war nur noch ihre Stimme zu hören. Seit November 2018 vertritt die Diplomatin aus Boston in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Management, Sicherheit die Vereinigten Staaten in den drei mitteldeutschen Bundesländern. Zuvor war sie in Afghanistan, Indonesien und Ägypten im Einsatz.

Bereits am Mittwoch hatte der Leipziger Kabarettist Meigl Hoffmann im Capa-Haus über die besondere Geschichte dieses Ortes gesprochen. Er zeigte auch das erste Heft des amerikanischen Magazins „Life“ nach der deutschen Kapitulation. Darin waren mehrere Fotos von Robert Capa aus Leipzig erschienen – darunter jenes vom Tod des US-Soldaten Raymond J. Bowman, der am 18. April 1945 auf einem Balkon des Gebäudes tödlich getroffen wurde. Quelle: Guido Schäfer

Vor dem Capa-Haus erzählte Norris nun, dass auch ihr Großvater im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte. „Unter den Opfern dieses Krieges waren Menschen verschiedener Nationen und Herkunft. Es gab keine Familie, die nicht betroffen war.“ Die Befreiung Leipzigs vor 74 Jahren durch US-Truppen sei „Teil der deutsch-amerikanischen Geschichte, die nicht immer einfach war“. Nationalismen und Antisemitismus hätten unfassbares Grauen befeuert. „Lassen Sie uns aus der Geschichte lernen. Wir müssen sicherstellen, dass so was nie wieder passiert.“

Trauriger Weltruhm durch Fotos von Robert Capa

Weil die Zeitzeugen immer weniger werden, sei es wichtig, dass an authentischen Orten über die Kriegsgeschehnisse informiert wird, pflichtete Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Die Linke) bei. Neun US-Soldaten der 2. Infanterie-Division „Indianheads“ seien am 18. April 1945 in Leipzig gefallen, um den Faschismus davonzujagen. „Einer von ihnen erlangte traurigen Weltruhm, auch wenn sein Name lange unbekannt blieb“, sagte sie über Raymond J. Bowman, einen 21-jährigen Maschinengewehrschützen, der an jenem Tag auf einem Balkon des heutigen Capa-Hauses tödlich getroffen wurde. Kriegsfotograf Robert Capa nahm das Bild des Sterbenden auf. Es ging als „Der letzte Tote des Krieges“ in die Geschichte ein.

Weitere Gedenkveranstaltung an der „Runden Ecke“

Bowman hatte als zweiter Schütze auf dem Balkon seinen Kameraden Lehman Riggs (damals 25) nur kurz vertreten wollen. Riggs übernahm dann sofort das MG. Er wird in Kürze 100 Jahre alt. Bürgermeisterin Jennicke schickte dazu vorab schon mal herzliche Glückwünsche an ihn nach Tennessee. Und sie lud alle für den Abend zu einer weiteren Gedenkveranstaltung an der „Runden Ecke“ ein, wo die Amerikaner während der kurzen Besatzungszeit ihr Leipziger Hauptquartier eingerichtet hatten – und heute eine Ausstellung auch dazu informiert.

Bundeswehr stellt Kontakt zu US-Militärmuseum her

Einen Kranz und eine Überraschung brachte das Leipziger Ausbildungskommando der Bundeswehr nach Lindenau mit. Kabarettist Meigl Hoffmann, der zur Bürgerinitiative für die Rettung des (schon mal kurz vor dem Abriss stehenden) Capa-Hauses gehörte, hatte im Januar 2019 Oberstleutnant Dirk Steinsiek von der Ausstellung im dortigen Café Eigler erzählt. Der Oberstleutnant schrieb dazu ans Militärmuseum der 2. Infanterie-Division in Fort Benning (Georgia) und überreichte nun die Antwort: eine Kooperationsurkunde der „Indianheads“. „Ein Paket mit einigen Original-Utensi­lien für die hiesige Ausstellung ist schon auf dem Weg über den Atlantik“, verriet Steinsiek der Runde.

Von Jens Rometsch

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