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Lokales Gedenkstunden: Vor 51 Jahren wurde die Leipziger Universitätskirche gesprengt
Leipzig Lokales Gedenkstunden: Vor 51 Jahren wurde die Leipziger Universitätskirche gesprengt
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17:50 30.05.2019
Uni-Rektorin Beate Schücking bei der Feierstunde zum Gedenken an die Sprengung der Universitätskirche St. Pauli vor 51 Jahren. Die Gedenkfeier wurde umrahmt von einer kurzen Vorstellung der Schwalbennestorgel, die durch eine jüngst eingegangene Spende nun erweitert werden kann. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Premiere für einen geistig-geistlichen Diskurs im Paulinum: „Staat ohne Gott, Gesellschaft ohne Gott, Menschen ohne Gott“ – schlagwortartig erinnerte einleitend der Leipziger Theologieprofessor Rochus Leonhardt daran, was am 30. Mai 1968 in Leipzig geschah. Der SED-Staat hatte die Jahrhunderte alte Universitätskirche St. Pauli sprengen lassen und damit auch eins bewirken wollen: Leben ohne Glauben.

51 Jahre danach steht das erste Paulinerforum, gemeinsam von der Stiftung Universitätskirche, der Theologischen Fakultät und der Evangelischen Verlagsanstalt veranstaltet, unter dem Thema „Staat ohne Gott?“ Horst Dreier, einer der renommiertesten Rechtsphilosophen des Landes und erfolgreicher Buchautor, hielt ein „Plädoyer für einen säkularen Staat“. Staat ohne Gott heiße doch nicht Welt ohne Gott, auch nicht Gesellschaft ohne Gott, und schon gar nicht: Mensch ohne Gott.

Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit

Dreier über spezifisch deutsche Beiträge für die Religionsfreiheit: 1555 der Augsburger Religionsfrieden, 1648 der Westfälische Frieden, 1794 das Preußische Allgemeine Landrecht, 1848/49 die Paulskirchenverfassung, 1919 die Weimarer Verfassung und letztlich 1949 das Grundgesetz, dessen Inkrafttreten vor 70 Jahren gerade gefeiert werden konnte. Die einschlägigen Vorschriften daraus lieferte der Referent ausgedruckt und zum Nachlesen für jeden der zahlreich gekommenen Zuhörer gleich mit.

Fazit der Veranstaltung: Der Staat ohne Gott ist keinesfalls glaubensfeindlich, sondern stärkt mit seinem Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit die Vielfalt des Lebens. War freilich einst von Bi-Konfessionismus die Rede, so spricht man heute von Multireligiösität mit bekanntlich zahlreichen neuen Konflikten.

Multifunktional als Aula und Kirche nutzbar

Neu- und Nachdenken wird auch künftig beim Paulinerforum Thema sein. Jahr für Jahr ist der Tag der Sprengung der Universitätskirche aber vor allem immer einer des Innehaltens. Die Universität hatte in den Chorraum des Paulinums geladen. Dass zur Feierstunde nur ein handverlesenes Publikum erschien, war wohl vor allem dem Termin geschuldet – in der Himmelfahrtswoche ist man wenig ambitioniert, sich der Geschichte erinnern zu wollen.

Dabei hätten die einzelnen Programmpunkte durchaus mehr Zuspruch verdient. Universitätsprofessor und Architekt Burkhard Pahl legte dar, wie es zum Neubau der Alma Mater kommen konnte und wie beispielhaft die neue Architektur multifunktional als Aula und Kirche zu nutzen ist.

Auch blickte er wissend ums Geschaffene nach Paris, wo man derzeit streitet, wie Notre Dame wieder aufgebaut werden kann: „Wie soll es sein? Ein Dach aus Stahl, aus altem Eichenholz oder doch ein modernes Glasdach?“ Die Feierstunde unter den restaurierten Epitaphien wurde ergänzt von der Klang- und Wortvorstellung der Schwalbennestorgel durch Universitätsmusikdirektor David Timm und Universitätsorganist Daniel Beilschmidt. Dank der 150.000-Euro-Spende des Hamburger Bankiers Christian Olearius kann das Instrument weiter vervollständigt werden.

Trotz Sprengung: Gemeinde wurde nicht vernichtet

Der Gottesdienst der Universitätsgemeinde zu Himmelfahrt fiel diesmal zusammen mit dem Gedenktag an die Sprengung der alten Kirche. Universitätsprediger Peter Zimmerling erinnerte in seiner Predigt an den Himmelfahrtstag 1968. Sein Vorgänger Heinz Wagner hielt damals, wissend, was geschehen wird, die letzte Predigt in der Paulinerkirche: „Wir begreifen in dieser Stunde wie hart, wie bitter ein Auszug ist. Es ist keine leichte Sache, das zurückzulassen, was uns lieb und teuer ist. Möglich ist dieser Exodus nur unter der Verheißung Gottes: Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen.“

Zimmerling nannte es „ein Wunder der jüngeren Leipziger Kirchengeschichte“, dass die Universitätsgemeinde, die durch die Sprengung ihre alte Heimstatt verloren hatte, selbst nicht vernichtet wurde und seit dem 1. Advent 2017 ihre Gottesdienste in der neuen Kirche feiern kann.

Von Thomas Mayer

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