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Lokales Gegen den Willen des Vaters: Wie Clara und Robert Schumann heirateten
Leipzig Lokales Gegen den Willen des Vaters: Wie Clara und Robert Schumann heirateten
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15:06 11.06.2019
Die Akte des Appellationsgerichtes Nr. 765 zur Eheeinwilligung von Robert Schumann und Clara Wieck lagert im Staatsarchiv Leipzig. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Es ist wohl der berühmteste Streit in der Musikgeschichte: Friedrich Wieck stellte sich quer, als Robert Schumann um die Hand seiner Tochter Clara anhielt, die er von frühester Kindheit an zur gefeierten Konzertpianistin herangebildet hatte.

Das Ergebnis ist bekannt: Um dennoch heiraten zu können, musste das heimlich verlobte Paar eine Entscheidung beim Leipziger Appellationsgericht erwirken. Zu dessen Aufgaben gehörte „die Gerichtsbarkeit in Verlöbnis- und Ehesachen“ in erster Instanz. Die Hochzeit des berühmten Paares fand am 12. September 1840 statt, einen Tag vor Claras 21. Geburtstag, in der Dorfkirche von Schönefeld.

Bis dahin waren aber einige Hürden zu überwinden. Welche, darüber gibt auch das Staatsarchiv Leipzig in der Schongauer Straße Auskunft. Zu den bekanntesten Gerichtsakten des Archivs zählt die Eheeinwilligungssache „Robert Schumann und Clara Wieck gegen Friedrich Wieck, Vater der Mitklägerin“. Die Akte wird am Mittwoch (12. Juni) bei einer Führung durch Referatsleiterin Thekla Kluttig vorgestellt, die um 16 Uhr beginnt.

Sächsisches Staatsarchiv ließ Akte restaurieren

Das Sächsische Staatsarchiv hat die Akte Nr. 765 im Jahr 2010 umfangreich restaurieren lassen. Sie umfasst mehr als 100 Blatt, darunter eigenhändige Briefe Wiecks, Schumann-Autographe und einige interessante Beilagen wie die Urkunde der Universität Jena zur Ehrenpromotion Schumanns.

Aus der Akte Nr. 765 des Appellationsgerichts Leipzig in der Eheeinwilligungssache gegen Friedrich Wieck. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv

Ausgangspunkt ist die Bitte des jungen Paares an das Appellationsgericht um Vermittlung bei Friedrich Wieck (im Juli 1839). Enthalten ist aber auch die verzweifelt anmutende Schilderung der Beweggründe Wiecks für seine Ablehnung der Heirat: Auf 25 Seiten beklagte er nicht nur die schlechte wirtschaftliche Situation Schumanns. Er fährt schwere Geschütze auf und verweist auf Schumanns Neigung zur Trunksucht und Eitelkeit, zu Unbesonnenheit, Egoismus und Undankbarkeit. Er beklagte beispielsweise, dass der Komponist sich nächtelang in Wirtshäusern herumtriebe, Verhältnisse zu anderen Frauen unterhalte und seine Tochter „gar nicht wahrhaft“ liebe.

Archiv hat auch Musikalien gesammelt

Schumann hingegen legte ausführlich seine wirtschaftlichen Verhältnisse offen, erbrachte Beweise seines anerkannten Rufes in der Musikwelt, sogar von französischen Musikzeitschriften. Das Gericht erteilte, nachdem es beide Parteien mehrfach gehört hatte, den „Eheconsens“, der auch vom Oberappellationsgericht Dresden bestätigt wurde.

Das Staatsarchiv Leipzig hat aber noch mehr Material zu Clara Schumann gesammelt. Ihr künstlerisches Werk spiegelt sich in zahlreichen Musikalien wider. „Vor allem die Verbindungen mit den Musikverlagen C. F. Peters und Breitkopf & Härtel sind eindrucksvoll durch Korrespondenz und Notenmaterial belegt“, sagt Birgit Richter, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Materialien seien sehr aufschlussreich. Schließlich musste Clara Schumann nach dem Tode ihres Mannes die Familie ernähren.

Das Staatsarchiv Leipzig ist mit mehr als 23 Kilometern Material aus acht Jahrhunderten das größte Leipziger Archiv. Es verwahrt die bedeutendste Überlieferung von Musikverlagen im deutschsprachigen Raum.

Eine weitere Führung wird am 26. August 2019, 17 Uhr, angeboten. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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