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Lokales Genossenschaft bedauert Vogel-Leid durch Arbeiten in Grünau
Leipzig Lokales Genossenschaft bedauert Vogel-Leid durch Arbeiten in Grünau
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16:18 04.06.2019
Mit einer Hubbühne von der Feuerwehr konnten die verschlossenen Nester an einem Genossenschaftshaus in Grünau wieder geöffnet werden – teilweise war es aber schon zu spät. Quelle: Nabu
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Leipzig

Nach der Rettungsaktion bei eingemauerten Brutvögeln in Grünau hat sich heute die Wohnungsgenossenschaft gemeldet, der das Gebäude gehört. Bei den Verschlussarbeiten seien Fehler unterlaufen, die nicht hätten passieren dürfen, bedauerte der Vorstand des Unternehmens. Zugleich wurde betont, dass die beauftragte Fachfirma vorab belehrt wurde, dass keine Tiere zu Schaden kommen dürfen. Mehrere genutzte Bruthöhlen in der Hauswand seien deshalb auch unberührt geblieben und nicht verschlossen worden.

Arbeiten ruhen bis zum Herbst

Warum es bei vier Löchern dennoch zum Einmauern von Nestern, Gelegen sowie eines brütenden Stars und Spatzen kam, sei kein böser Vorsatz gewesen. Offenbar hätten die Ausführenden nicht erkannt, dass die Höhlen belegt waren. Dies tue allen Beteiligten sehr leid. Die Arbeiten seien sofort nach der Intervention des Leipziger Naturschutzbundes (Nabu) gestoppt worden. Sie würden erst nach dem Ende der Brutsaison im Herbst fortgesetzt, wobei die Genossenschaft den Nabu um Unterstützung bitten wolle. So könnte er die Mitarbeiter der beauftragten Fachfirma noch mal gründlich einweisen.

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Eingemauerte Küken gestorben

Wie berichtet, hatte der durch eine Anwohnerin verständigte Nabu in der letzten Woche die Polizei und Feuerwehr an das Grünauer Wohnhaus gerufen. Per Hubbühne wurden dann acht frisch verschlossene Löcher wieder geöffnet, von denen vier leer waren. In den anderen wurden jedoch Vögel beim Brutgeschehen beeinträchtigt. Vier Küken eines eingemauerten Stars überlebten das nicht. Der Nabu stellte in dieser Woche Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutz- und Tierschutzgesetz. Den Namen der Genossenschaft wollten die Vogelschützer nicht veröffentlichen.

Löcher rufen Schimmel hervor

Der Vorstand dieses Unternehmens betonte nun, dass er alle größeren Bauvorhaben „ökologisch begleiten“ lasse. So seien allein in Grünau seit Anfang 2017 über 30 000 Euro für Artenschutzmaßnahmen ausgegeben worden. Immer wieder hakten Spechte Löcher in Hausfassaden, die dann als Bruthöhlen dienten. Die Löcher könnten aber zu Wärmeverlusten, Nässe und Schimmel führen. Sie stellten eine Gesundheitsgefährdung dar, die den Wohnungsnutzern nicht zuzumuten sei. Deshalb müssten sie naturschutz- und fachgerecht verschlossen werden, wobei keine verbotene Vogelabwehrpaste zum Einsatz komme. Das verwendete Material härte schon nach wenigen Stunden aus.

Von Jens Rometsch