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Lokales Geophysiker der Leipziger Uni gehen Alpen auf den Grund
Leipzig Lokales Geophysiker der Leipziger Uni gehen Alpen auf den Grund
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00:21 03.02.2018
Uni-Professor Michael Korn ist für den Leipziger Part beim großen internationalen Projekt „Alparray“ zuständig. Quelle: André Kempner
Leipzig.

Um zu verdeutlichen, welche Dimension das Projekt namens Alparray hat, zeigt Michael Korn auf seinem Computer eine Draufsicht von oben: Auf der Satellitenaufnahme sind die Alpen zu sehen und ein großes Gebiet rings um das Hochgebirge. Ein weißer Kreis, der bis ins Mittelmehr und die Adria reicht, grenzt das Areal ein, dicht besetzt ist es mit Markierungen – rund 600 sind es. „Das ist ein Netzwerk von Seismometer-Stationen, der Abstand zwischen ihnen beträgt jeweils maximal 50 Kilometer“, erklärt der Professor vom Leipziger Uni-Institut für Geophysik und Geologie. Ein Teil davon ist im Meeresgrund verankert, das Gros aber grenzüberschreitend auf dem Festland installiert. Forschungseinrichtungen aus elf europäischen Ländern haben sich für Alparray zusammengetan, um den Untergrund der Alpen zu durchleuchten.

Seit 2017 sind auch Experten der hiesigen Alma mater dabei. Damals hatte die Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) Geld und grünes Licht für den deutschen Part im Rahmen des internationalen Großvorhabens gegeben – insgesamt acht Institute sind involviert. Das kleine Team von Korn baute im Bayrischen Wald zehn Messstellen mit Seismometern auf und betreut sie. „Etwa alle vier Monate fahren die Kollegen zu den Standorten, schauen, ob alles in Ordnung ist und holen die Festplatten mit den gespeicherten Daten ab, die dann hier aufbereitet werden“, erzählt Korn. Abseits belebter Zonen sind die sensiblen Geräte aufgestellt und zeichnen Bebenwellen auf, die den Erdkörper durchlaufen. Auch online gelangen die Informationen von den Seismografen zu den Geophysikern in der Talstraße, „aber das klappt noch nicht immer reibungslos, deswegen gehen wir auf Nummer sicher und fahren die Stationen regelmäßig an.“

Voraussichtlich bis 2020 wird das Netzwerk-Observatorium mit seinen exakt 624 Messstellen rund um die Uhr aktiv sein. „Das sind unsere Antennen, um zu erkunden, was sich in bis zu 600 Kilometern Tiefe abspielt“, so Korn. Die aufgefangenen Bebenwellen sind dabei aussagekräftige Helfer, weil sich aus ihren Signaturen komplexe 3D-Bilder des Alpenuntergrundes generieren lassen, wenn genug Daten gesammelt sind. Korn: „Das ist ein riesiges Puzzle, in der Untersuchungsregion gibt es viele geodynamische Prozesse durch aufeinanderprallende Erdplatten wie die europäische und afrikanische.“ Ziel der Forschungskampagne ist es nicht nur, die Gebirgsbildungsvorgänge im Alpenraum räumlich-zeitlich besser zu verstehen und mit Hochleistungscomputern zu modellieren, auch für die Prognose von seismischen Risiken könnten die Daten von Nutzen sein.

Sie werden in ein zentrales virtuelles Archiv eingespeist, das zunächst nur von den beteiligten Institutionen genutzt werden kann, „später wird es aber für Wissenschaftler weltweit freigeschaltet“, erläutert Korn. „Das wird ein Datenschatz, der langfristig für großen Wissenszuwachs sorgen wird“. In diesem Jahr werden Korns Mitarbeiter nicht nur ausrücken, um die Festplatten zu tauschen. Die Seismometer selbst werden durch neue Geräte ersetzt. „Als wir bei dem Projekt eingestiegen sind, haben wir fünf Seismometer aus unserem Altbestand aktiviert und fünf angemietet, 2018 bekommen wir zehn moderne Seismometer im Rahmen des insgesamt hundert Neugeräte umfassenden DFG-Schwerpunktprogrammes.“

Von Mario Beck

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