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Lokales Kutten, Karneval, Kleingarten – neue Ausstellung in Leipzig zeigt „Vereinsmeierei“
Leipzig Lokales Kutten, Karneval, Kleingarten – neue Ausstellung in Leipzig zeigt „Vereinsmeierei“
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17:32 28.02.2019
Fußballfans – wie hier vom FC Schalke 04 – haben eine emotionsgeladene Beziehung zu ihrem Klub. Viele mit der „Vereinsmeierei“ verbundenen Phänomene thematisiert das Zeitgeschichtliche Forum in einer Sonderschau. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig.

Von Aktiven Senioren bis zur Zahnfee – allein in Leipzig gibt es 3200 Vereine. Die sind säuberlich auf einer Wand im Zeitgeschichtlichen Forum aufgelistet. „Das ist ein Trick, um alle in die Ausstellung zu locken“, sagt Jürgen Reiche, der Direktor des Forums. Das nähert sich unter dem Titel „Mein Verein“ einem gesellschaftlichen Phänomen und spielt auch ein wenig mit Klischees. „Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein“ – heißt ein Bonmot. Das ist aber nicht exakt, weil zur Gründung mindestens sieben Mitglieder notwendig sind. Mit mehr als 600 000 Vereinen bundesweit sind die Deutschen aber keineswegs die größten „Vereinsmeier“ in Europa. Skandinavische Länder sowie die Niederlande haben da die Nase vor.

Der Hingucker zum Karneval

Mit gut 300 Exponaten und mehr als 20 Medienstationen wirft das Forum nun einen Blick auf die identitätsstiftende Rolle von Vereinen. So wird auf den Karneval und seine Rituale geschaut – in Köln ebenso wie in Wasungen. „Karneval ist Chaos und Anarchie. Aber wir leben in Deutschland, wo alles geregelt ist. Die Organisation übernehmen Vereine“, so Angela Stirken, die Projektleiterin der Schau. Ein Schellenbaum der Kölner Funken ist einer der Hingucker. Thematisiert wird auch, wie das fünftägige Karnevalsspektakel in Wasungen schon in den 1950-er Jahren „unter Beobachtung“ stand, damit die meist vorsichtig geäußerte Kritik am SED-Staat nicht ausuferte.

Das enge Verhältnis von Fans

Die Fans des FC Schalke 04 pflegen ein besonderes enges Verhältnis zu ihrem Verein. „Der Club hat sogar seinen eigenen Fan-Friedhof“, so Projektleiterin Stirken. Ob das RB Leipzig, der ebenfalls ein Wir-Gefühl beflügelt, auch schafft? Zumindest ein signierter Ball des ersten Spieles gegen Schalke vom 3. Dezember 2016 ist schon mal ausgestellt.

das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt in der neuen Ausstellung „Mein Verein“ Vereine als Orte von Geselligkeit und Gemeinschaft, Tradition und Heimatverbundenheit, die Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammenführen.

Interessant: Das Wirken der Neuen Bachgesellschaft, die das Werk des berühmtesten Thomaskantors aller Zeiten bekannt machen will. Die agierte auch in Zeiten der Mauer erfolgreich in beiden Teilen Deutschlands. Die Schau wirft einen Blick auf die Kleingärtner, die in der DDR als Vereinigung ein begrenztes Eigenleben führen konnten. Sie wurden ab den 1970er-Jahren gezielt gefördert, um mit ihrem Obst und Gemüse Versorgungsengpässe lindern zu helfen.

Das ehrenamtliche Engagement

Mittlerweile erleben projektbezogene Fördervereine einen wahren Boom. Als Beispiel steht die Dresdener Gesellschaft, die den Wiederaufbau der Frauenkirche stemmte. Aber auch die Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Ihr ehrenamtliches Engagement wird viel gelobt. Rund 60 000 Menschen sind da ehrenamtlich tätig. Gegner sehen in ihrem Erfolg jedoch ein Armutszeugnis für Staat und Gesellschaft. Die Schau will auch Podium sein für Diskussionen, „Das politische Gewicht von Bürgerinitiativen, die sich als Vereine organisieren, nimmt ebenfalls zu“, sagt Reiche.

Die Schau ist bis zum 25. August dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet; Eintritt: frei

Von Mathias Orbeck

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