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Lokales Gewitter und Hitze – Landwirte beklagen trockene Böden in Nordsachsen
Leipzig Lokales Gewitter und Hitze – Landwirte beklagen trockene Böden in Nordsachsen
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13:42 21.06.2019
Die sächsischen Landwirte hoffen, dass es vor der Getreideernte nicht noch einmal hagelt.
Die sächsischen Landwirte hoffen, dass es vor der Getreideernte nicht noch einmal hagelt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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In den ersten Juniwochen sind Gewitter und Starkregen über Sachsen hinweg gezogen. Hat das den Landwirten geholfen? „Nein“, sagt Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband ganz klar. „Bei den sandigen Böden läuft das Wasser sofort ab, anstatt im Boden zu versickern. Das nützt den Pflanzen leider nichts.“

Mai war verhältnismäßig kühl und nass

Das Frühjahr sei mit günstigen Bedingungen gestartet. Der Mai war verhältnismäßig kühl und es gab ausreichend Niederschläge. Jedoch hätten nur die oberen Bodenschichten davon profitiert. In den unteren Schichten herrsche immer noch Trockenheit vor, erklärt Jahnel. „Vor allem in Nordsachsen erholen sich die Böden nur langsam von der Dürre des Vorjahres.“ Die warmen Junitemperatur würden ihr Übriges zu dieser Entwicklung beitragen.

Das Getreide sei von dieser Entwicklung besonders stark betroffen und wachse nur langsam. „Jetzt ist es schon fast zu spät für Niederschläge. Wir sind in der Zeit angekommen, in der das Getreide ausreifen soll,“ sagt der Vertreter der sächsischen Landwirte. Sollte es jetzt noch regnen, so kurz vor der Erntezeit, würde das sogar eher schädlich sein, die Pflanzen könnten gammeln. „Eine echte Katastrophe wäre es aber, wenn es vor der Ernte noch einmal hageln würde. Dann würden die Landwirte große Erträge verlieren,“ so Jahnel.

Erdbeerpflanzen haben Hagelschäden erlitten

Der Hagel, der mit den vergangenen Gewittern einherging, habe schon Schäden angerichtet, erklärt Jan Kalbitz, Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG aus der Nähe von Grimma. „Sie können sich sicher vorstellen, was passiert, wenn dicke Hagelkörner auf Erdbeerpflanzen treffen,“ sagt er. Ein Teil der Ernte sei den Obstbauern verloren gegangen.

Auch für die anderen Obstpflanzen habe der Starkregen keine Vorteile gehabt. „Das Wasser ist sofort oberirdisch in die Mulde abgelaufen,“ erklärt Kalbitz. „Die sieht zur Zeit ganz braun aus, weil ein Teil des Bodens mit abgetragen wurde.“

Äpfel und anderes Baumobst würden sich hingegen trotz der warmen Temperaturen gut entwickeln. Die Pflanzen hätten bisher weder Sonnenbrand noch andere Schäden erlitten. „Soweit wachsen die Früchte ganz normal“, so Kalbitz. Auch Wintergerste und Raps würden in Dürrweitzschen gut gedeihen.

Mehr Borkenkäfer als jemals zuvor in Sachsen

Die sächsischen Wälder könnten mehr und besser verteilten Niederschlag gebrauchen, berichtet indes Renke Cordes, Sprecher des Staatsbetriebs Sachsenforst. Im Mai habe es zwar mehr geregnet als im gleichen Monat der Vorjahre, die Dürre vom vergangenen Jahr konnte das nicht ausgleichen. „Die Lage hat sich noch nicht vollkommen entspannt,“ so Cordes. Betroffen seien vor allem die Wälder in Nordsachsen sowie im Osten des Freistaats.

Durch den kühleren Start ins Frühjahr hätte sich jedoch die Entwicklung der Borkenkäfer um fast zwei Wochen verzögert. Eventuell verhindere dies, dass sich über den Sommer drei Generationen der Schädlinge entwickeln können. „Aber es gibt derzeit immer noch mehr Borkenkäfer, als in Sachsen jemals zuvor festgestellt wurden“, so der Sprecher. Die hochsommerlichen Junitemperaturen könnten der Entwicklung der Käfer wieder einen Schub verleihen.

Von Pia Siemer