Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Badewarnung! Gefährliche Blaualgen in beliebtem Leipziger See bestätigt
Leipzig Lokales

Giftige Blaualgen: Diese Seen in Leipzig und Umgebung sind betroffen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:59 13.08.2020
In der Kiesgrube Großzschocher, auch bekannt als Naturbad Südwest, wurden Blaualgen festgestellt. In den vergangenen Tagen suchten hier viele Leipziger Abkühlung. Quelle: Robert Nößler
Anzeige
Leipzig

Die Hitzewelle in Sachsen zieht viele Menschen ans Wasser. Wer Abkühlung im Badesee sucht, sollte sich das Gewässer allerdings vorher genau anschauen. Denn Hitze und starke Sonneneinstrahlung begünstigen die Vermehrung von sogenannten Blaualgen, die bei massenhafter Ausbreitung für Mensch und Tier gefährlich sind. Sächsische Behörden warnen, dass einige Gewässer in der Region deshalb gemieden werden sollten. Dazu gehören auch mehrere Seen in Leipzig und Umgebung.

Blaualgen im Leipziger Naturbad Südwest offiziell bestätigt

Am Donnerstag bestätigte die Stadt Leipzig, dass neben dem Auensee nun auch die Kiesgrube in Leipzig-Großzschocher (Naturbad Südwest) betroffen ist. Zunächst war bei einer Sichtprobe im Rahmen der monatlichen Prüfung durch das Gesundheitsamt ein bedenklicher Algenteppich festgestellt worden. Durch die mikrobiologischen Untersuchungen sei nun ein „massenhafter Befall“ mit Blaualgen im Labor bestätigt worden, sagte eine Sprecherin der Stadt auf LVZ-Anfrage. Es werde aus gesundheitlichen Gründen dringend vom Baden in dem beliebten See abgeraten. Die Kiesgrube gilt zwar offiziell nicht als Badegewässer, wird aber dennoch oft zur Abkühlung oder zum Stand-up-Paddeln genutzt.

Anzeige

Mehr zum Thema: Ostseestrand wegen Blaualgen gesperrt – Zwei Hunde tot

Eine Warnung gilt auch für den „Bagger“ in Leipzig-Thekla (Naturbad Nordost), bei dem – ebenso wie der Kiesgrube in Großzschocher – in den letzten Jahren immer wieder eine bedenkliche Bakterienkonzentration festgestellt wurde. „Nachdem bereits im Sommer 2018 und 2019 in den Gewässern massenhaft Blaualgen nachgewiesen wurden, muss davon ausgegangen werden, dass es auch 2020 – bei anhaltend hohen Temperaturen – zu einer massenhaften Ausprägung kommen kann“, heißt es von der Stadt.

Das Naturbad Südwest in Großzschocher. Quelle: Robert Nößler

Magen- und Darmbeschwerden, Fieber und Atemnot

Blaualgen – sind eigentlich gar keine Algen, sondern Bakterien. Die Fachbezeichnung Cyanobakterien trägt das griechische Blau im Namen, weil einige der Unterarten tatsächlich bläuliche Pigmente haben. Andere schimmern dagegen rötlich oder schwarz. Cyanobakterien kommen in allen Gewässern vor und sind in normaler Konzentration kein Problem. Bei starker Vermehrung, begünstigt durch starke Sonneneinstrahlung und durch gute Nährstofflage, ändert sich das ins Gegenteil. Phosphor- und Stickstoffrückstände aus der Waschmittelproduktion haben das Phänomen „Blaualgenplage“ in heimischen Gewässern zuletzt erheblich verstärkt. Nicht nur Fische sterben aufgrund von Sauerstoffknappheit, angesichts der toxischen Eigenschaften der Ein- bis Vierzeller sind auch Menschen und Haustiere bedroht.

Hitzesommer in Leipzig: Meteorologe sagt, wann die Gewitter kommen

„Die Giftstoffe, sogenannte Cyanotoxine, stellen beim Baden, Schwimmen und Spielen im Wasser, aber auch beim Surfen und Segeln eine Gesundheitsgefahr dar“, heißt es in einer aktuellen Warnung aus dem Leipziger Gesundheitsamt. Magen- und Darmbeschwerden, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Fieber und Atemnot seien bei Kontakt die Folge. Vor allem Kinder, aber auch ältere Menschen, Personen mit angeschlagenem Immunsystem und Haustiere zeigten nach Kontakt mit den Bakterien Beschwerden. Nicht zuletzt sind auch Haustiere in Gefahr.

Bisher Bade-Warnungen für vier Seen in Leipzig

Sachsens Behörden sind deshalb in Habachtstellung. Die Landestalsperrenverwaltung warnte bereits vergangene Woche, dass im Horstsee, Göttwitzsee und Döllnitzsee (bei Wermsdorf), im Schadebach (Zschepplin), im großen Teich in Torgau, in den Talsperren in Schömbach und Baderitz, im Stausee in Rötha, in den Speicherbecken in Witznitz und Lobstädt sowie im Teich in Großhartmannsdorf bereits die sogenannte „Blaualgenblüte“ eingesetzt habe. Für die Talsperren Koberbach (Landkreis Zwickau) und Bautzen lägen Badewarnungen vor.

Impressionen vom Auensee in Leipzig. Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner

In Leipzig wird die Qualität der zahlreichen Seen in den Sommermonaten engmaschig vom Gesundheitsamt der Messestadt überwacht. Neben der Warnung für die Naturbäder Südwest und Nordost warnt die Behörde aktuell akut vor Blaualgen im Auensee und im Bogensee in Paunsdorf. In beiden Seen wurden Blaualgen bereits nachgewiesen. Baden ist dort zwar generell nicht möglich, wer ein Haustier hat, sollte trotzdem achtsam sein.

Indizien vor dem Baden prüfen

Um sicher zu gehen, sollte jeder Badende vor dem Sprung in die Fluten die Sichtweite prüfen. Wer als Erwachsener knietief im Wasser stehend seine Füße nicht mehr sehen kann, sollte auf Schwimmen und andere Wassersportarten verzichten. Auch Grünfärbung des Wassers, Schlieren- und Flockenbildung könnten Anzeichen für sich ausbreitende Cyanobakterien sein.

Zumindest bei den anderen Leipziger Seen scheint vor der sich anbahnenden Hitzewelle noch alles in Ordnung zu sein. Das Gesundheitsamt empfiehlt derzeit noch ausdrücklich, Cospudener See, Kulkwitzer See, Zwenkauer See, Störmthaler See, Markkleeberger See, Schladitzer See und die Freibäder der Messestadt zu benutzen. Auch diese werden vom Gesundheitsamt regelmäßig untersucht – bislang ist dort alles im grünen Bereich.

Im Überblick: Das sind alle Seen und Freibäder in Leipzig und Umgebung

Von Matthias Puppe und Robert Nößler