Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Goerdeler-Chor trifft sich erstmals nach 20 Jahren wieder in Leipzig
Leipzig Lokales Goerdeler-Chor trifft sich erstmals nach 20 Jahren wieder in Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:16 09.09.2019
Wiedersehen nach rund 20 Jahren: Der Chor des einstigen Carl-Goerdeler-Gymnasiums trifft sich mit Chorleiterin Christine Artmann (vordere Reihe, 3.v.l.) zu einem Revival in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Anne Hippold sagt’s spontan: „So entspannt und so happy war ich schon lange nicht mehr.“ Nach rund 20 Jahren hat sich am Wochenende der Chor des einstigen Carl-Goerdeler-Gymnasiums in Leipzig erstmals zu einem Sing-Wochenende getroffen. Die Personalerin (37) reiste extra aus Heilbronn an. Für sie war der Chor so etwas wie „der Kitt“, der damals alles zusammenhielt.

„Eine tolle Schule“

„Wir hatten eine tolle Schule mit so vielen Angeboten: Chor, Band, Theatergruppe. Und ich war überall dabei“, erzählt Ulrike Sieler (38) über die 1990er-Jahre. Die Musik habe sie weiterhin begleitet. Heute lebt die Projektleiterin von der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim. Die wohl kürzeste Anreise für dieses besondere „Yes, wie sing!“-Wochenende hatte Katrin Palme, 38, Referatsleiterin in Leipzig; die wohl längste Benjamin Cristina (38). Der Komponist ist zurzeit in Spanien zu Hause. „Ohne ihre musikalische Erziehung, ohne den Chor wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt er über Christine Artmann (zuvor Tiepelmann). Die heute 67-Jährige leitete am Goerdeler-Gymnasium*, das es in der Leipziger Könneritzstraße nur zehn Jahre gab, den Chor, war Musiklehrerin. Zudem trat die Künstlerin auch selbst mit Chanson- und Liederprogrammen auf. Für das aktuelle Treffen ihrer einstigen Schützlinge in Leipzig zog sie nun im Hintergrund die Fäden. Ihre früheren Referendarinnen Susan Kästner, Pia Schöler und Steffi Pleschka studierten das Programm mit den 35 Sängern, darunter nur sieben Männer, ein. Und ein vierköpfiges Orga-Team – Lidia Perico, Theresa Pfeifer, Kathrin Kläber und Luzie Worg – hatte den Hut für alles auf, suchte einstige Chormitglieder auch via LVZ.

„Wie eine Familie“

Schon während der Proben (ganztägig am Samstag im Kant-Gymnasium) schwärmt Christine Artmann: „Ach, das klingt fantastisch.“ Von Spirituals über Volkslieder und Klassik wie Bach bis zu internationaler Folklore ist das Repertoire bunt. „Der Chor war wie eine Familie“, schwelgt sie in Erinnerungen. „Auch ein bisschen wie eine Partnerbörse.“ Unglaublich viel sei auf die Beine gestellt worden: Weihnachtskonzerte in Kirchen, Oldie-Open-End-Veranstaltungen, Auftritte in Leipzig und andernorts, Musical-Aufführungen mit der Theatergruppe von Deutschlehrerin Petra Stollberg. Auch Lehrer John Morgenstern war mit von der Partie. „Es gab Chorfahrten. Da haben wir sämtliche Jugendherbergen in Sachsen unsicher gemacht“, erzählt Artmann lachend.

Probe der einstigen Mitstreiter vom Goerdeler-Chor am Samstag im Leipziger Kant-Gymnasium. Quelle: André Kempner

Ein ganz besonderes Highlight war die Uraufführung der Kantate „Leipziger Legende“ von Andreas Reimann (Text) und Walter Thomas Heyn (Musik) 1999 im Gewandhaus, die sich zum 10. Jahrestag thematisch mit Mauerfall und Wende auseinandersetzte. „Das war ein deutsch-deutsches Projekt von unserem Chor und dem Orchester unserer Partnerschule, dem Pankok-Gymnasium in Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen“, so Artmann. Über diese „Leipziger Legende“ hat Martin Müller (38) später seine Magisterarbeit an der hiesigen Universität geschrieben. Klar, dass das einstige Goerdeler-Chor-Mitglied auch am Wochenende – 30 Jahre nach dem historischen Herbst 1989 – mit dabei ist.

„Freude an der Musik teilen“

„Ich bin ganz glücklich, dass so viele gekommen sind“, sagt Kathrin Kläber (41) vom Orga-Team. Lidia Perico ist „von der positiven Stimmung“, die schon gleich beim ersten Wiedersehen am Freitagabend im Café Kowalski geherrscht hat, angetan. „Wir wollen die Freude an der Musik mit euch teilen“, sagt die 41-Jährige am Sonntag im Haus der Stadtmission in der Demmeringstraße. Dort krönt ein Auftritt vor etwa 140 Zuhörern – Familien und Freunden mit ihren Kindern – das Wochenende. „Hevenu Shalom“ (Wir wollen Frieden für alle) ist der erste Titel des gut einstündigen Programms.

Auftritt des Goerdeler-Chors am Sonntag bei der Diakonie, im Haus der Stadtmission in der Demmeringstraße in Leipzig. Quelle: André Kempner

Unter den Zuhörern auch: Marita und Andreas Kloppe aus Leipzig mit ihrer siebenjährigen Enkelin. Familie Kloppe, deren Tochter Sängerin im Chor war, bezeichnet das Revival als „fantastisch“. Beide singen auch selbst – im Leipziger Lehrerchor. „Es kommt auf die Idee an, auf die Freude an der Musik.“

Das Goerdeler-Gymnasium

Das Gymnasium wurde 1992 in der Könneritzstraße gegründet, erhielt kurz darauf den Namen „Carl Goerdeler“. Der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister war als maßgeblicher Vertreter des Widerstands gegen Hitler von den Nazis hingerichtet worden. 2003 wurde das Gymnasium mangels Schülern geschlossen. Heute ist dort die Internationale Schule zu Hause.

Von Sabine Kreuz

Von den Pittlerwerken im Norden bis zur St. Bonifatiuskirche im Süden: Tausende Leipziger haben den Tag des offenen Denkmals für besondere Exkursionen genutzt. Passend zum Bauhausjahr stand die Architekturepoche der Moderne im Mittelpunkt.

08.09.2019

Das Fest der 25 000 Lichter im Agra-Park begeht sein 10-jähriges Jubiläum – und Tausende feiern mit

08.09.2019

Ganz schön abgefahren: Alles, was blitzt, blinkt und fährt, gab es am Sonnabend und Sonntag auf dem Agra-Gelände zu sehen. Nicht nur 1500 Fahrzeuge von US-Oldtimern, Harleys bis US-Bikes konnten Besucher bestaunen, sondern auch einige ganz besondere Einzelstücke.

08.09.2019