Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Gondwanaland-Architekten bauen auf dem Leuschnerplatz
Leipzig Lokales Gondwanaland-Architekten bauen auf dem Leuschnerplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:11 26.01.2019
So soll der Neubau des Leibniz-Instituts für Länderkunde (links) auf dem Leuschnerplatz aussehen. Rechts teilweise im Bild: die Leipziger Stadtbibliothek. Quelle: Henchion und Reuter
Anzeige
Leipzig

Endlich steht fest, wie der erste große Neubau auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig aussehen soll. Wie berichtet, plant das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) zwischen der verlängerten Brüder- und Windmühlenstraße seinen künftigen Sitz. Hierfür wurde ein offener, internationaler Architektenwettbewerb ausgelobt, dessen Ergebnisse die Jury am Freitag in der Alten Handelsbörse am Naschmarkt begutachtete.

58 Einsender bei internationalem Wettbewerb

Unter den 58 Einsendungen waren im ersten Schritt zwölf Beiträge zur Weiterarbeit ausgewählt worden. Am Abend traf die Jury unter Vorsitz des Berliner Architekten Arthur Numrich ihre Entscheidung – und vergab einstimmig den ersten Preis an das in Dublin und Berlin ansässige Büro Henchion und Reuter

Anzeige
Das Gebäude für das Leibniz-Institut nimmt nur einen Teil des südlichsten Baufeldes (weißes Modell vorn) auf dem Leuschnerplatz ein. Auf dem Rest dieses Baufeldes sind weitere Forschungseinrichtungen und Wohnungen geplant. Dahinter sollen eine Markthalle und andere Häuser (graue Modelle) entstehen. Quelle: Jens Rometsch

Die Architekten Martin Henchion und Klaus Reuter sind in Leipzig gut bekannt. 1994 begannen sie ihre Zusammenarbeit an der Pleiße. Zu den Ergebnissen gehören unter anderem die Tropenhalle Gondwanaland des Zoos, aber auch prominente Bauten in Irland (wie das Goethe-Institut in Dublin) und anderen europäischen Ländern. Der Jury gefiel an ihrem Entwurf besonders, dass die Forschungsbibliothek und der wertvolle Archivbestand des Instituts in einer herausgehobenen Figur an der Spitze des dreieckigen Grundstücks eingeordnet wurden. Diese Bereiche – ebenso wie ein Saal mit 250 Plätzen an der Brüderstraße – sind künftig öffentlich nutzbar.

Kleiner Trick für Spitzen-Optik

Durch einen kleinen Trick schufen die Architekten einen schöneren Anblick für alle Passanten, die vom Peterssteinweg beziehungsweise der Stadtbibliothek auf das Institutsgebäude zulaufen. Dessen Spitze wurde nämlich leicht (in Richtung Brüderstraße) angewinkelt. Dadurch ist vom Haus mehr zu sehen als nur die Spitze – zum Beispiel auch die beiden getrennten Eingänge für den öffentlichen und nichtöffentlichen Bereich. Sie liegen an der Windmühlenstraße unmittelbar nebeneinander.

„Trotz des starken Auftakts an der Spitze ordnet sich der Bau gut in das Umfeld mit der Stadtbibliothek ein“, lobte denn auch Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos), die in der vielköpfigen Jury mitgearbeitet hat.

Fertigstellung für 2022 geplant

Laut IfL-Direktor Sebastian Lentz soll das Gebäude mit rund 5600 Quadratmetern Nutzfläche ideale Arbeitsbedingungen für eines Tages über 150 Länderkundler bieten, den Austausch mit anderen Forschern sowie nicht zuletzt mit der Leipziger Bürgerschaft fördern. Der Umzug vom heutigen Standort in Paunsdorf an den Leuschnerplatz ist für das erste Halbjahr 2022 geplant. Dann soll also alles fertig sein – und unter anderem ein „blau-grünes Dach“ als Ausweis für einen möglichst ökologischen Neubau dienen. Die Baukosten von 34,5 Millionen Euro bezahlen der Freistaat Sachsen und der Bund.

Institut füllt nur Teil des Baufelds

Das Gebäude für das Leibniz-Institut nimmt nur einen Teil des südlichsten Baufeldes auf dem Leuschnerplatz ein. Diese 4000 Quadratmeter große Fläche hatte die Stadt Leipzig vor zwei Jahren zum Freundschaftspreis 1,7 Millionen Euro an den Freistaat Sachsen verkauft. Das Land plant auf dem Rest des Baufeldes noch weitere Forschungseinrichtungen, muss zudem 40 Prozent der Geschossflächen als Wohnraum zur Verfügung stellen.

Auf den anderen Baufeldern sollen eine Markthalle sowie weiter Gebäude entstehen, für die noch kein Architekturwettbewerb anberaumt wurde. Letzteres ist frühestens ab dem Jahr 2020 zu erwarten – dann soll der Bebauungsplan für die Ostseite des Leuschnerplatzes Rechtskraft erlangen. Wahrscheinlich wird er ab diesen Sommer öffentlich ausgelegt, teilte Heinrich Neu vom Stadtplanungsamt auf Anfrage mit.

Ausstellung aller Entwürfe im Rathaus

Alle eingereichten Architekten-Arbeiten für den Institutsneubau des IfL werden vom 19. Februar bis zum 1. März 2019 in der Unteren Wandelhalle des Leipziger Neuen Rathauses ausgestellt. Sie können dort montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 16 Uhr besichtigt werden. Die Ausstellungseröffnung findet am Dienstag, den 19. Februar 2019, um 10 Uhr statt.

Von Jens Rometsch