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Lokales Dieses Graffito ist eine Liebeserklärung an Leipzig
Leipzig Lokales Dieses Graffito ist eine Liebeserklärung an Leipzig
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11:47 17.09.2019
Sven und Sandra Gieschler mit den Künstlern Oliver Wettley und Patrick Butze (von lInks). Quelle: André Kempner
Leipzig

Am äußersten Stadtrand von Leipzig, dort wo Meusdorf zu Ende ist und ein weites Feld beginnt, verblüfft ein großes Leipzig-Bild. Es ist gesprayt an eine sechs Meter lange Garagenwand und erfreut die wenigen Fußgänger, die dort mit dem Hund spazieren gehen, joggen oder per Rad zum nahen Globus-Markt fahren. Gekonnt sind auf dem eindrucksvollen Graffiti die markanten Gebäude Leipzigs dargestellt: Das City-Hochhaus ragt in den Himmel, Altes und Neues Rathaus präsentieren sich prächtig, auch das Völkerschlachtdenkmal fehlt nicht. Die Gebäude sind so angeordnet, wie es der Künstler für richtig hielt und nicht wie es eine Postkarte abbilden würde. Über den Wahrzeichen der Großstadt thront fast theatralisch ein eindrucksvolles Wolkenmosaik. Darunter prangt unübersehbar: „Leipzig, das ist meine Stadt“.

Immer mehr Schaulustige am Feldrain

Gelesen wird die Liebeserklärung an die Messestadt hier am Feldrain inzwischen aber von immer mehr Schaulustigen. „Denn die Meusdorfer spazieren gern mit ihren Gästen an unserer Garagenwand lang, bleiben dann stehen und unterhalten sich über das Bild“, erzählt die junge Hausherrin Sandra Gieschler (31). Es ist ihr Elternhaus im Dochturowweg an der Ecke zum Osten-Sacken-Weg, in das die junge Familie 2015 zog. Ein Jahr später wurde dann die Garage fertig. „Damit die Wand nicht beschmiert wird, hatten wir die Idee, sie gestalten zu lassen. Denn Graffiti-Sprayer respektieren ja gegenseitig ihre Werke“, nennt sie die Beweggründe. Ihr Mann Sven Gieschler (32) fragte schließlich seinen Cousin Oliver Wettley, ob er ein Leipzig-Motiv an die Wand sprayen könnte.

Das ist die Bleistiftskizze, die Oliver Wettley für das Garagen-Graffiti in Meusdorf angefertigt hat. Quelle: Anita Kecke

Autolackierer mit künstlerischer Ader

Der 31-jährige Autolackierer war in der Familie bekannt für seine künstlerische Ader und machte sich dann 2017 akribisch ans Werk. „Der erste Entwurf war eine Bleistiftskizze, die an einem Abend fertig war“, erzählt der Künstler. Die markanten Leipziger Gebäude habe er sich vorher genau auf Bildern angesehen. Familie Gieschler fand den Vorschlag gut und gab ihr OK. Wettley, der schon in jungen Jahren viel malte, mit Bleistift und Aquarellfarben, legte also in Meusdorf mit den Spraydosen los. „Es ging ja immer nur nach der Arbeit, zum Glück war das nicht allzu weit von der BMW-Niederlassung in der Zwickauer Straße, wo ich arbeite, bis hierher“, erzählt er. Und er hatte Hilfe von seinem Sprayer-Kollegen Patrick Butze. Der 34-Jährige arbeitet als Koch in der Kantine der Oper und gibt nebenher Graffiti-Kurse für Schüler. „Das ist genau das Richtige für die Jungen und Mädchen. Sie sind mit Begeisterung bei der Sache“, schwärmt er. Zum Abschluss dürfen sie dann schon mal eine Turnhallenwand besprühen.

Schöpferische Gebäudeverschiebung

Beim Graffito in Meusdorf veränderten Wettley und Butze im laufenden Prozess kreativ die Skizze. „Immer wenn wir von der Arbeit nach Hause kamen, sah es anders aus, mal war das Völkerschlachtdenkmal rechts, dann war es weg, dann wieder links“, erinnert sich Sandra Gieschler. „Ja, ich musste doch am Objekt schauen, wie es am besten aussah“, begründet Wettley die schöpferische Gebäudeverschiebung. Eine Sisyphusarbeit waren die unzähligen Fenster im City-Hochhaus, im Wintergartenhochhaus, im Alten und Neuen Rathaus. „Da habe ich unheimlich viel abgeklebt, das kenne ich ja als Fahrzeuglackierer“, lacht Wettley. Bei den Turmspitzen und anderen Feinheiten haben sie dann auch zum Pinsel gegriffen.

Schriftzug als Band, das alles zusammenhält

Dann, erst ganz zum Schluss, haben die Graffiti-Künstler die Liebeserklärung an Leipzig darunter geschrieben. „Das sollte sein wie ein Band, das alles zusammenhält“, sagt Wettley. „Ja, wir sind Leipziger und wollten nicht einfach Goethes Leipzig-Spruch darunter schreiben, sondern etwas Eigenes“, ergänzt Patrick Butze. „Wir als geborene Leipziger stehen auch dazu, das ist unsere Stadt, und wir leben gern hier“, bekräftigen die Gieschlers, die mit ihren beiden Kindern in Meusdorf wohnen.

Auch den Kleinsten gefällt die neue Kunst

Selina, der vierjährigen Tochter, gefällt das Bild auch. Sie male selbst auch gern, berichtet sie. Aber die Gebäude auf dem Graffito, die kenne sie noch nicht alle. Stolz erzählt sie noch von ihrem kleinen Bruder Simon, der erst wenige Wochen alt ist. Dann verschwindet sie im Garten hinter den großen Sonnenblumen.

Kerstin Adler, die gerade mit ihrem Hund Georgie vorbeikommt, ist auch begeistert von dem so detailreich gestalteten Graffito. „Ich finde das grandios. Das sieht doch super aus. Schon die Entstehung habe ich verfolgt, den Künstlern zugesehen, wie sie auf der Leiter standen und am Bild arbeiteten“, sagt die Mutter des bekannten Torwarts René Adler, die mit ihrem Mann Jens auch in Meusdorf wohnt.

„Ganz Leipzig in eine Garage gepackt“

Einen Künstlernamen hat Oliver Wettley nicht. Angesprochen wurden die beiden Künstler nach dem Garagen-Gemälde mehrfach, ob sie nicht auch hier und da noch etwas Ähnliches gestalten könnten. Wettley hat alles abgesagt. Aus Zeitgründen. „Ich muss ja arbeiten gehen.“ Außerdem will er möglichst viel Zeit mit seiner achtjährigen Tochter Mathilda verbringen, die toll findet, wie ihr Papa „ganz Leipzig in eine Garage gepackt“ hat. Sein Freund Patrick hat einige Aufträge angenommen und sieht in der Graffiti-Malerei seine Berufung.

Von Anita Kecke

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