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Lokales Großelterndienst entlastet Familien
Leipzig Lokales Großelterndienst entlastet Familien
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12:03 08.12.2018
Und jetzt nach Hause: Dieter Maus holt Erik Jost von der Schule in Böhlitz-Ehrenberg ab.
Und jetzt nach Hause: Dieter Maus holt Erik Jost von der Schule in Böhlitz-Ehrenberg ab. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Dieter Maus tritt mit dem kleinen Erik aus der Tür des Hortes. Zusammen laufen sie die Treppe hinunter und spazieren zur Haltestelle. Bevor sie die Straße überqueren, fordert Dieter seinen Schützling auf, Bescheid zu geben, wenn die Straße frei ist. Ein Deal, den die beiden schon vor vier Jahren geschlossen haben, als Maus den Neunjährigen kennengelernt hat. Zögernd geht Erik los, denn in der Ferne kommt das nächste Auto herangebraust.

Erik ist Autist. „Da war es am Anfang manchmal schwierig“, erzählt der 78-Jährige. Schwierig deshalb, weil der Junge durch seine Einschränkung ein anderes Denkschema habe und schüchtern sei, wie Maus berichtet. Es brauchte Zeit, bis sich beide miteinander vertraut gemacht hatten. Maus beobachtete ihn intensiv, um herauszukriegen, wie er an Erik herankommt. Längst ist ihm der Junge ans Herz gewachsen, als wäre er sein eigenes Enkelkind. „Nicht die Menschen mit Behinderung müssen sich integrieren, sondern Menschen müssen die Menschen integrieren“, stellt er klar.

Als wäre er der eigene Enkel

Der Wunschopa ist stolz auf seinen Schützling: „Letztens hat er eine 1 in Mathe bekommen“, sagt er. Ein anderes Mal bastelte Erik ein tolles Bild aus verschiedenen Materialien, wie Maus berichtet. Er hat selbst Enkelkinder: zwei Mädchen, die mit ihren Eltern in Weimar leben, deshalb sieht er die Familie nicht so oft.

Wenn er nicht gerade Erik von der Schule abholt und auf ihn aufpasst, bis seine Eltern wiederkommen, ist er zuhause, arbeitet am Computer, macht den Haushalt und liest. Früher hat Maus einem Chor angehört. Mittlerweile kann er nicht mehr mitmachen, da seine Ohren schlechter geworden sind und ihn zu große Geräuschkulissen verwirren. Auch in der Straßenbahn versteht er schlecht, was sein Gegenüber ihm erzählt, denn das Geratter ist zu laut. „Es war schmerzlich, dass ich aus diesem Grund mit dem Singen aufhören musste“, sagt er bedauernd.

Sefa-Dienst existiert seit 1995

Vor zehn Jahren hat ihm eine Bekannte vom Großelterndienst Sefa erzählt. Seitdem ist er ein Teil des Verbandes und wird an Familien vermittelt, die eine Betreuung für ihre Kinder suchen. Der Sefa-Dienst existiert seit 1995; Menschen im Ruhestand oder während einer Berufspause, die Freude an Unternehmungen mit Kindern haben, können sich dort melden. Nachdem die Mitarbeiter Wunschoma oder -opa kennengelernt haben und alle Fragen und Vorstellungen besprochen wurden, können Interessierte in den Großelterndienst einsteigen. Sefa sucht dann eine passende Familie aus. Wenn sich beide Seiten nach sechs Wochen Erfahrungszeit gut verstehen, werden die Omas und Opas eingesetzt, um Zeit mit den Wunschenkeln zu verbringen.

Erik ist das vierte Kind, um das sich Dieter Maus kümmert. Er hat bereits beantragt, die Betreuung für ein weiteres Kind zu übernehmen. Zwischen 80 und 120 Kinder stehen auf der Warteliste. „Mein Motto ist: Tun, was zu tun ist“, erzählt Maus. Er ist in einer kinderreichen Familie aufgewachsen, war in der Vergangenheit bei den Pfadfindern und später Jugendleiter. So hat er immer schon mit Kindern gearbeitet, was ihn auch als 78-Jährigen noch bereichert.

Lachen auf dem Nachhause-Weg

Als der Wunschopa mit Erik aus der Straßenbahn aussteigen möchte, versäumt es Maus, sich festzuhalten. „Nun beherzige ich das nicht, was ich Erik schon am Anfang beigebracht habe“, sagt er mit einem Schmunzeln. Während die beiden in Richtung von Eriks Zuhause laufen, machen sie Späße. Lachend biegen die beiden um die Ecke.

Mehr Infos zu diesem Ehrenamt bei der Senioren- und Familienselbsthilfe im Internet unter www.sefa-leipzig.de

Von Nicole Grziwa

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