Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Großer Andrang zur Wiedereröffnung der Mensa auf dem Medizincampus
Leipzig Lokales Großer Andrang zur Wiedereröffnung der Mensa auf dem Medizincampus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:29 20.05.2019
Sättigungsbeilagen in Selbstbedienung: Die Vorfreude aufs Mittagessen spricht aus den Gesichtern.
Sättigungsbeilagen in Selbstbedienung: Die Vorfreude aufs Mittagessen spricht aus den Gesichtern. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Kurze Reden waren gefragt am Montag auf dem Leipziger Medizincampus. Eine der Rednerinnen, Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, wusste, warum: „Man hört die knurrenden Mägen bis hierher“, begrüßte die SPD-Politikerin mehrere hundert offensichtlich hungrige Studenten. Nach drei Jahren Sanierung hat das Studentenwerk Leipzig die Mensa in der Liebigstraße wiedereröffnet. „Danke für das lange Warten und die Treue“, rief Studentenwerkschefin Andrea Diekhof in die Menge. Auch dem Freistaat Sachsen dankte sie, „der die Sanierung komplett aus Steuermitteln finanziert hat“. Und den eigenen Leuten: „Wir haben einen echten Vorbereitungsmarathon hinter uns, um heute Spitz auf Knopf alles fertig zu haben.“

Der Andrang war groß: Am Montag, punkt zwölf Uhr, eröffnete das Leipziger Studentenwerk nach dreijähriger Bauzeit die neue Mensa auf dem Medizincampus.

Tomatensoße zum Beispiel. Aber deren Zubereitung dürfte zu den kleineren Herausforderungen gehört haben. „Tomatensoße geht immer“, sagt Stefan Schiller und meint damit, dass sie sich im Verbund mit Nudeln stets einer großen Nachfrage erfreut. Der Koch leitet die neue Mensa. Auf 1400 Portionen pro Tag ist die Infrastruktur in Küche und Service-Bereich ausgelegt. In zwei Speisesälen stehen 400 Plätze und auf dem Freisitz 84 weitere zur Verfügung, gedacht für rund 7000 Studierende und Hochschulbedienstete im Einzugsbereich. Martin Geh, Medizinstudent im sechsten Semester, gehörte am Montag zu den Ersten, die sich am Pasta-Buffet bedienten: mit einem Berg Nudeln und selbstredend mit Tomatensoße. „1,90 Euro, da kann man nicht meckern“, findet der 22-Jährige und lässt sich auf dem Freisitz nieder.

Mensaleiter Schiller hat hingegen „das Gefühl, dass fast alle den Lachs nehmen“. Schwitzend steht er hinter der Ausgabetheke. Lachsfilet mit Pestohaube, Studentenpreis 3,15 Euro. „Wir achten auf gesunde Ernährung“, sagt Schiller. „Und darauf, dass wir unsere Produkte möglichst aus der Region beziehen.“ Zum Beispiel Kartoffelpuffer nach Gärtnerinart für 1,65 Euro. „Komplett hausgemacht“, sagt der Küchenchef stolz. „Sehr gut“, findet Luisa Pfeiffer. Die 18-Jährige hat sich den Pestohauben-Lachs geangelt. Sie studiert Pharmazie im zweiten Semester.

Fächerübergreifendes Mittagessen

„Wir brauchen kluge Köpfe“, erklärt Ministerin Stange, warum die Staatsregierung momentan viel Geld in die sächsischen Hochschulen investiere. „Und zu klugen Köpfen gehören auch gut gefüllte Mägen.“ In den vergangenen Wochen war sie bereits in Dresden und Freiberg an der Wiedereröffnung sanierter Mensen beteiligt. Auf dem Leipziger Medizincampus in der Liebigstraße hatte der Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) zwischen 2015 und 2018 für 25,3 Millionen Euro aus dem maroden einstigen „Speiseversorgungszentrum“ – volkstümlich „Fresswürfel“ genannt – ein neues Haus D gezimmert. Bibliothek und Lernklinik im selben Gebäude sind bereits seit Jahresbeginn in Betrieb. „Hier werden sich Naturwissenschaftler mit Medizinern und anderen Gesundheitsberufen an den Mensa-Tischen treffen“, freut sich Beate Schücking, Rektorin der Uni Leipzig. „Aus einer solchen Interdisziplinarität erwächst Mehrwert“, ist sie sicher.

Vor allem wegen der Küchentechnik und der Lüftung beanspruchte die Fertigstellung der Mensa im sogenanntem „Gartengeschoss“ etwas mehr Zeit als Bibliothek und Lernklinik: Anfang April erhielt das Studentenwerk vom SIB die Schlüssel, zog nach und nach mit seinen Gerätschaften ein und feilte bis zuletzt an den Abläufen. 850 Zusagen zur Eröffnung allein bei Facebook hatte man vorab registriert. Mindestens so viele warteten denn auch pünktlich zwölf Uhr bei Gratis-Smoothies auf die erste Essensausgabe – gleich zu Beginn eine logistische Mammutaufgabe.

Auf einem von 484 Plätzen

Jacken hängen kurz darauf über noch leeren Stühlen, während die Menschentraube Richtung Ausgabetheken, Salat-, Nudel- und Vitaminbar schleicht. Julian Emonds, Medizin-Student im achten Semester, erspart sich das Gedränge und reserviert lieber Plätze für seine Freunde und sich. „Großartig, dass die Mensa nun endlich in Betrieb geht“, sagt er. Die provisorische „Mensaria“, mit der das Studentenwerk die Bauzeit überbrückt hatte, „war eher zum Abgewöhnen“, urteilt der 23-Jährige. Was er heute isst? „Ich lass mich von meinen Freunden überraschen“, antwortet er. Couscous-Gemüse-Törtchen vielleicht (1,65 Euro)? Schweinerückensteak neapolitanischer Art (1,65 Euro)? Acht-Gemüsepfanne aus dem Wok (2,40 Euro)? „Ach, egal“, sagt Emonds. „Am Eröffnungstag schmeckt bestimmt alles lecker.“

Öffnungszeiten: montags bis freitags von 11 bis 14 Uhr, Cafeteria von 9 bis 16 Uhr

Von Mathias Wöbking