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Lokales Grüße aus dem Leipzig der Jahrhundertwende
Leipzig Lokales Grüße aus dem Leipzig der Jahrhundertwende
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07:51 10.04.2019
Als auf dem heutigen Kleinmesse-Areal Radler um die Wette fuhren: Davon sollte um die Jahrhundertwende auch eine Lene erfahren.
Als auf dem heutigen Kleinmesse-Areal Radler um die Wette fuhren: Davon sollte um die Jahrhundertwende auch eine Lene erfahren. Quelle: IfL-Archiv
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Leipzig

Sie werden sich gefreut haben, die Lene und der Karl. Hoffentlich jedenfalls. Vor mehr als 100 Jahren erhielten beide jeweils eine Postkarte aus Leipzig. Grüße vom Zoo, datiert auf den 13. November 1904. Und vom Sportplatz in den Frankfurter Wiesen, wo heute die Kleinmesse ihr Domizil hat und RB Leipzig ein Trainingszentrum betreibt.

Beide Kunstkarten druckte der Verlag der Leipziger Papiergroßhandlung Winkler & Voigt zwischen 1898 und 1906 nach Aquarellen des gehörlosen Landschaftsmalers Erwin Spindler. Der Leipziger Sammler Frank Gaitzsch hat jetzt rund 600 dieser Farbsteindrucke dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) geschenkt. „Sie gelten nicht nur als besonders schön, wegen ihrer topographischen Genauigkeit sind sie überdies von historischem Wert“, erklärt Heinz Peter Brogiato, Leiter der Institutsbibliothek und des Archivs.

Spindler, geboren 1860 in Dresden, trat nach dem Studium der Landschaftsmalerei in seiner Heimatstadt sowie in München 1891 eine Stelle bei der Leipziger Notendruckerei C.G. Röder an. In der Freizeit wirkte der fünffache Vater nicht nur in einem Gehörlosen-Theater mit und engagierte sich im Leipziger Taubstummenverein und Sächsischen Taubstummenbund. Er zeichnete zudem weiter. In einem Atelier in Reudnitz gab er Malunterricht.

Herzliche Grüße im Namen der Mutter

So entstanden bis zu seinem Tod 1926 viele Leipziger Motive – etwa des damaligen Gewandhauses in der Beethovenstraße, von wo ein Bert Franke seinerzeit auch im Namen der Mutter herzliche Grüße ausrichtete. Die IfL-Schenkung umfasst darüber hinaus Ansichten anderer Orte in Mitteldeutschland und Böhmen und sogar aus dem Alpenraum.

Viele der Gemälde, die damals als Vorlagen dienten, sind heute verschollen. Umso mehr stellen die Chromolithographien begehrte Sammlerobjekte dar. Fast alle Karten signierte Spindler eigenhändig. 1999/2000 stellte die Universität Leipzig etwa 90 Werke aus. 2010 brachte die Samuel-Heinicke-Schule – die Sächsische Landesschule für Hörgeschädigte – die bisher umfangreichste Spindler-Schau aus 300 Postkarten zusammen. „Dies zeigt die Bedeutung der Sammlung, die Frank Gaitzsch nun dem IfL gestiftet hat“, betont Brogiato.

Wie berichtet, soll das IfL 2022 von Paunsdorf in einen Neubau in die Stadtmitte auf den Wilhelm-Leuschner-Platz umziehen. Eine eigene Spindler-Ausstellung sei erstmal nicht geplant, aber man wolle die kolorierten Karten digitalisieren und im Internet verfügbar machen, kündigt Brogiato an. Im Online-Katalog der IfL-Bibliothek kann man sich bereits jetzt etwa 7000 Ansichtskarten von Leipzig anschauen.

Von mwö

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