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Lokales Gute Chancen, schlechte Chancen – die unterschiedlichen Startbedingungen für Kinder
Leipzig Lokales Gute Chancen, schlechte Chancen – die unterschiedlichen Startbedingungen für Kinder
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00:21 20.01.2018
Der Lehrplan an den Grundschulen ist identisch, für den Wechsel aufs Gymnasium bringen Kinder aber unterschiedliche Startbedingungen mit. Das hat die Stadt anhand von Bildungsempfehlungen untersucht.  Quelle: dpa
Leipzig

Leipzig hat eine vielfältige Schullandschaft mit 66 kommunalen Grundschulen und weiteren elf in freier Trägerschaft. Die stellen am 28. Februar eine Empfehlung aus, wer aufs Gymnasium oder an die Oberschule kommt. Diese Empfehlung ist allerdings seit vergangenem Jahr nicht mehr verbindlich; die Eltern können selbst über den weiteren Schulweg entscheiden.

Dabei sind die Voraussetzungen in den einzelnen Stadtteilen recht unterschiedlich. So hat das Bildungsdezernat mit Blick auf die Jahre 2015 bis 2017 einen Mittelwert für alle kommunalen Grundschulen berechnet, wie viele Viertklässler auf ein Gymnasium wechseln können. Der städtische Durchschnitt für eine gymnasiale Bildungsempfehlung lag bei 52,4 Prozent. Je nach Grundschule reicht die dabei ermittelte Spanne von 16,2 bis 83,2 Prozent. Sieger wurde dabei die Schule 5 im Waldstraßenviertel, am Ende der Skala steht die Wilhelm-Wander-Grundschule in Neustadt-Neuschönefeld. „Die Übergangsquote in den einzelnen Stadtteilen ist ein Indikator für ungleich verteilte Bildungschancen“, erklärt Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD). „Nach wie vor gibt es einen Zusammenhang mit der Einkommenssituation der Eltern. Je höher der Anteil von Kindern ist, deren Eltern Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch empfangen, umso geringer ist die Übergangsquote auf das Gymnasium.“

Das ist kein Leipziger Phänomen – es lässt sich nun für die Stadt aber statistisch belegen. „Den Einzelfall kann man daraus allerdings nicht ableiten. Selbstverständlich gibt es Kinder aus ärmeren Familien, die erfolgreich ihr Abi machen“, sagt der Bürgermeister. Oder Kinder von Reichen, die die Schule nicht schaffen. Der Mittelwert ist übrigens nicht mit dem tatsächlichen Übergang aufs Gymnasium gleichzusetzen, der lag in Leipzig im Schuljahr 2016/17 bei 49,6 Prozent (Freistaat Sachsen: 40,7 Prozent im Durchschnitt).

Stadt will Entmischung von Stadtgebieten entgegentreten

„Die Spreizung ist nicht bedrohlich, auch nicht mit der Qualität einer Schule gleichzusetzen“, erklärt Roman Schulz, der Sprecher der Bildungsagentur. Die soziale Struktur sei in Leipzig sehr stadtteildifferenziert, was auch auf die Altersstruktur einzelner Gebiete zurückzuführen sei. Bei Stadtteilen ohne Gymnasium sei oft die Motivation für viele Kinder geringer. Ein Wechsel aufs Gymnasium hänge seiner Ansicht nach nicht ursächlich vom Geldbeutel ab, vielmehr vom Background und den Vorstellungen der Eltern. Das beobachte man bei Studenten, Akademikern, Leuten aus dem künstlerisch-kreativen Bereich. „Die Stadt hat in Schönefeld ein Gymnasium gebaut, das nun Strahlkraft auf den Stadtteil hat“, sagt Schulz und verweist auf boomende Stadtteile wie den Leipziger Osten, in den zunehmend junge Familien ziehen.

Die Stadt will der Entmischung von Stadtgebieten entgegentreten, aber auch an vielen Grundschulen die Arbeit mit Schulsozialarbeitern stärken. „Es gibt Stadtteile, in denen der Handlungsbedarf hoch ist. Deshalb bringen wir Stadtentwicklungskonzepte auf den Weg. Für Grünau wird gerade eins erarbeitet.“ Fabian verweist zudem auf die Teilhabepakete, mit deren Hilfe auch etliche Leistungen bis hin zur Nachhilfe gefördert werden können. Die werden noch nicht ausreichend genutzt, konstatiert er.

Natürlich spielt auch der Gebäudezustand vieler Schulen eine Rolle, die die Stadt Schritt für Schritt sanieren will. „Entscheidend sind aber die pädagogischen Rahmenbedingungen, das sagen weltweit alle Studien“, so Fabian. Die müssten durch den Freistaat Sachsen verbessert werden. „Natürlich ist die Arbeit in den Schulen wichtig. So unterschiedlich sind die Konditionen aber nicht, es gibt überall Ganztagsangebote und Förderunterricht“, sagt Schulz. „Schulen, die eine geringere Übergangsquote aufs Gymnasium haben, leisten doch keine schlechte Arbeit.“ Oft haben sie sogar die besseren pädagogischen Konzepte. Fakt sei aber, dass auch Oberschulen eine solide Ausbildung und Vorbereitung auf den künftigen Beruf anbieten. Motto: Nicht jeder muss studieren.

Unterschiedlich ist auch die Schulabbrecherquote – die lässt sich allerdings nicht auf einzelne Stadtteile beziehen, weil Oberschulen und Gymnasium keine Schulbezirke haben, die Einzugsgebiete weitläufiger sind. „Oberschulen geben sich besondere Mühe, ein besonderes Sorgenkind sehe ich da nicht“, so Fabian. Schaut man sich den Sozialreport 2017 an, gibt es großen Handlungsbedarf. Der Anteil der Schüler, der die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlässt, ist hoch, auch wenn der Wert kontinuierlich sinkt und 2016 mit 11,3 Prozent etwas niedriger ausfiel als in den Vorjahren.

Dreijahresmittel für Bildungsempfehlungen an kommunalen Leipziger Grundschulen für das Gymnasium (in Prozent)

Grundschule 5, Zentrum-West 83,2

Grundschule am Floßplatz, Zentrum-Süd 76,7

Lessingschule, Zentrum-West 76,2

Schule am Auwald, Schleußig 74,4

Anna-Magdalena-Bach-Schule, Zentrum-West 74,2

Schule Gundorf, Böhlitz-Ehrenberg 73,3

3. Schule, Südvorstadt 69,7

31. Schule, Probstheida 69,4

Schule Rückmarsdorf, Burghausen-Rückmarsdorf 68,6

Heinrich-Mann-Schule, Meusdorf 68,1

Erich-Kästner-Schule, Gohlis-Süd 66,6

8. Schule, Dölitz-Dösen 64,0

Franz-Mehring-Schule, Stötteritz 62,6

Schule Stahmeln, Lützschena-Stahmeln 62,3

Erich-Zeigner-Schule, Plagwitz 62,3

Karl-Liebknecht-Schule, Gohlis-Nord 61,1

Schule Mölkau, Mölkau 60,9

Adam-Friedrich-Oester-Schule, Eutritzsch 60,8

Schule Liebertwolkwitz, Liebertwolkwitz 60,2

Pablo-Neruda-Schule, Zentrum-Südost 59,6

Marienbrunner Schule, Marienbrunn 56,9

Geschwister-Scholl-Schule, Gohlis-Süd 56,6

Paul-Robeson-Schule, Wahren 56,5

Alfred-Kästner-Schule, Lindenthal 55,7

Carl-von-Linné-Schule, Eutritzsch 55,0

Schule Wiederitzsch, Wiederitzsch 54,7

Christoph-Arnold-Schule, Engelsdorf 54,6

Schule Connewitz, Connewitz 52,9

60. Schule, Knautkleeberg-Knauthain 52,6

Schule Holzhausen, Holzhausen 49,5

172. Schule, Altlindenau 49,5

Schule Portitz, Portitz 48,6

77. Schule, Reudnitz-Thonberg 48,2

Hans-Kroch-Schule, Gohlis-Nord 47,4

157. Schule, Leutzsch 47,0

Joachim-Ringelnatz-Schule, Grünau-Ost 46,3

Astrid-Lindgren-Schule, Schönefeld-Ost 46,0

Wilhelm-Busch-Schule, Reudnitz-Thonberg 46,0

120. Schule, Großzschocher 44,6

Friedrich-Fröbel-Schule, Grünau-Mitte 44,0

85. Schule, Grünau-Mitte 43,5

Schule Seehausen, Seehausen 43,3

33. Schule, Eutritzsch 42,9

39. Schule, Möckern 41,9

Schule Böhlitz-Ehrenberg, Böhlitz-Ehrenberg 41,8

Theodor-Körner-Schule, Paunsdorf 41,8

100. Schule, Lausen-Grünau 40,8

Brüder-Grimm-Schule, Paunsdorf 40,4

66. Schule, Mockau-Nord 40,0

46. Schule, Neulindenau 39,9

Schule Militz, Miltitz 39,6

Schule am Adler, Großzschocher 38,8

Wilhelm-Hauff-Schule, Möckern 37,0

Schule am Rabet, Neustadt-Neuschönefeld 34,4

9. Schule, Dölitz-Dösen 33,6

24. Schule, Paunsdorf 33,0

90. Schule, Schönau 32,8

Clara-Wieck-Schule, Schönefeld-Ost 32,7

Ernst-Pinkert-Schule, Anger-Crottendorf 31,7

78. Schule, Lausen-Grünau 31,6

August-Bebel-Grundschule, Neustadt-Neuschönefeld 30,8

91. Grundschule,Grünau-Nord 29,7

74. Grundschule, Anger-Crottendorf 22,5

Hans-Christian-Andersen-Schule, Sellerhausen-Stünz 21,6

Wilhelm-Wander-Schule, Neustadt-Neuschönefeld 16,2

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