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Lokales Händler wollen Kurzzeitparkplätze in der Jahnallee behalten
Leipzig Lokales Händler wollen Kurzzeitparkplätze in der Jahnallee behalten
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11:10 14.11.2018
Protest der Händler gegen die geplanten Radwege in der Jahnallee in Leipzig Foto: Andre Kempner
Protest der Händler gegen die geplanten Radwege in der Jahnallee in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Kempner
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Leipzig

Die Entscheidung wurde als „toller Tag für Radfahrer“ bejubelt. Das Radfahren in der inneren Jahnallee soll nach mehreren Unfällen sicherer werden. Der Stadtrat hat im September auf Antrag der Grünen ein mehrstufiges Paket beschlossen. So soll die Verwaltung bis Mitte 2019 prüfen, inwieweit eine neue Aufteilung des Straßenraums die Sicherheit von Radlern und Fußgängern verbessern kann (die LVZ berichtete). Kurzfristig ist geplant, das Parken einzuschränken, weil die meisten Unfälle bislang durch ein- oder ausparkende Autos oder sich öffnende Autotüren passiert sind. Mittlerweile sind städtische Mitarbeiter gesichtet worden, die für das Aufstellen von festen Verkehrsschildern den Raum vermessen. Für Gewerbetreibende ein Indiz, dass nun vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen.

Händler wollen OBM Jung Unterschriftenliste übergeben

Sie machen mobil und sammeln Unterschriften, die sie dem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) auf der November-Tagung des Stadtrates übergeben werden. „Mit uns redet keiner“, sagt Robert Maihöfner, der Betreiber der Löwentanke. Er hat die Unterschriftensammlung initiiert, der sich in Windeseile alle Geschäfte angeschlossen haben.

„Wir fordern, dass bei der Umgestaltung Kurzzeitparkplätze in beiden Richtungen erhalten bleiben“, sagt er. Volker Holzendorf (Grüne), der mit einer Petition die Debatte anschob, hatte vor allem eine baulich geschützte Radfahrspur, eine sogenannte „protected Bikelane“ gefordert. „Entsteht die auf beiden Seiten, dann fallen alle Kurzzeitparkplätze auf beiden Seiten weg“, so Maihöfner.

Kaum freie Stellflächen im Waldstraßenviertel

Viele Geschäftsmodelle seien darauf ausgerichtet, dass Kunden auf dem Zubringer Richtung Innenstadt anhalten können. Das mache mindestens 60 Prozent seiner Gäste aus. „Viele Geschäfte leben davon, dass ein Kunde mal vor dem Blumenladen anhält, ein paar Blumen kauft, oder in der Apotheke ein Rezept einlöst“, meint auch Uwe Franz, Vorstand der Taxi-Genossenschaft Leipzig. „Ein Halteverbot wäre die Katastrophe“, sagt er und verweist darauf, dass ein Mal pro Monat mindestens 100 Taxi-Unternehmer zum Abrechnen in die Zentrale kommen, viele Kunden auch zum Bestellen von Kranken- oder Serienfahrten. Die Kundschaft solle auf nahe gelegene Parkplätze in den Seitenstraßen ausweichen, hatte die Verwaltung vorgeschlagen. Doch im Waldstraßenviertel gibt es kaum freie Stellflächen.

Probleme mit dem Lieferverkehr

Ein weiteres Problem: der Lieferverkehr. „Jeden Tag bekomme ich Brot geliefert, mehrmals in der Woche Fleisch, Gemüse und Getränke“, erzählt Yunus Yildirim, der den Aspendos-Grill betreibt. Wie viele andere Händler befürchtet er massive Einbußen, wenn keine Kunden mehr halten dürfen. Da seien auch Arbeitsplätze gefährdet, so Maihöfner. „Wir haben es ja erlebt, wie Lieferfahrzeuge in Seitenstraßen halten mussten, dort komplett alles dicht war. Dann musste mit dem Gabelstapler über den Fußweg geliefert werden.“ Auch im Konsum und in der Sparkasse schrillen schon die Alarmglocken.

Zu DDR-Zeiten gab es übrigens für den Autoverkehr eine Spur durch die Jahn­allee, eine weitere durch die Gustav-Adolf-Straße. „Das war eine optimale Lösung. Da muss es doch möglich sein, den Radverkehr komplett in die Gustav-Adolf-Straße umzulenken“, so Franz. Das hatte die Fraktion Freibeuter vorgeschlagen – nach einer hauchdünnen Mehrheit im Stadtrat muss die Verwaltung dies prüfen. „Dies würde nicht nur Radfahrer schützen, sondern auf beiden Seiten der Jahnallee Baumpflanzungen ermöglichen“, ist Maihöfner sicher. Die Straße würde dadurch attraktiver.

Händler sind für Tempo 30

„Auf der Gustav-Adolf-Straße könnte ein Superradweg entstehen.“ Mit einer Idee können die Händler sich übrigens anfreunden: mit Tempo 30. Das fordern sie in ihrer Unterschriftenliste sogar. Die Verwaltung hat auch angekündigt, Ampelschaltungen zu verändern – so sollen pro Tag etwa 3600 Fahrzeuge weniger durch das Nadelöhr innere Jahnallee geschleust werden. Derzeit sind es 16 800 Autos am Tag. Petitions-Initiator Holzendorf hat einen runden Tisch vorgeschlagen, an dem Anwohner, Händler, Radfahrer und Verkehrsbetriebe „die beste Lösung für alle“ finden.

Hier geht es zur Online-Petition: www.openpetition.de/!jahnallee

Von Mathias Orbeck