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Lokales Hand in Hand mit dem Kollegen Roboter
Leipzig Lokales Hand in Hand mit dem Kollegen Roboter
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22:01 19.04.2019
Knieprothesen-OP im St. Elisabeth-Krankenhaus: Am Tisch stehen Oberarzt Thomas Näser, Chefarzt Gotthard Knoll und OP-Pfleger Patrick Meinhardt (von links). Quelle: Dominic Welters
Leipzig

Früher Morgen in Connewitz, der Frühling bahnt sich allmählich seinen Weg. Bei den Unfallchirurgen und Orthopäden im St. Elisabeth-Krankenhaus in der Biedermannstraße bahnt sich derweil die erste Operation (OP) des Tages an. Chefarzt Dr. Gotthard Knoll und die assistierenden Oberärzte Dr. Thomas Düsing und Dr. Thomas Näser bereiten sich auf eine Knie-OP vor. Der von Arthrose geplagte Patient erhält eine Endoprothese, ein künstliches Kniegelenk. Knoll, Düsing und Näser setzen futuristisch anmutende Schutzhelme auf, als wollten sie gleich gen Weltraum abheben. Anästhesist Dr. Jörg Raumanns, der Ärztliche Direktor des akademischen Lehrkrankenhauses der Uni Leipzig, und OP-Pfleger Patrick Meinhardt belassen es bei den üblichen OP-Hauben. Als die Operateure den Saal betreten, steht ein weiterer Kollege längst am Tisch: ein kastenförmiges Gerät in den Farben Blau und Grau mit einem starken, überaus beweglichen Arm. Ein ganz besonderer Helfer aus dem Hause Stryker. Sein Name: Mako-Roboterarm. Er wird zu Diensten sein, wenn Chefarzt Knoll der Knochensubstanz zu Leibe rückt, die der Endoprothese weichen muss. Beim Sägen und Fräsen an Femur (Oberschenkelknochen) und Tibia (Schienbeinknochen) läuft der Kollege Roboter zur Höchstform auf. Das erklärt auch die Schutzhelme. Beim Implantieren eines Kunst-Knies wird gehobelt. Und dabei fallen bekanntlich Späne.

Knieprothesen-OP im Leipziger St. Elisabeth-Krankenhaus: Chefarzt Gotthard Knoll und seine Oberärzte Thomas Düsing und Thomas Näser werden bei der Präparation des Femur- und des Tibia-Knochens vom Moka-Roboterarm der Firma Stryker unterstützt.

Die Mako-Technologie ist hoch komplex

Das System hinter dem offiziell wird ge genannten Verfahren ist computergesteuert. Roman Krohn, Product Specialist bei Stryker, steht etwas abseits vom OP-Tisch an einem Monitor und kommuniziert mit den Chirurgen in einem fort. Die Herren gleichen Daten ab. Denn die Mako-Technologie ist hoch komplex. Vor der Operation hat es eine Computertomografie (CT) des Knies gegeben, die die Basis bildet für ein virtuelles 3D-Modell des erkrankten Gelenks. Dieses Modell wird in die Software des Systems geladen „und dient als Grundlage für den individuellen präoperativen Plan“, erläutert Oberarzt Düsing, während sein Chef hochkonzentriert das Skalpell führt. Der erste Schnitt ist gemacht.

Tisch-Besatzung plant mit „Maschinist“

Von „Planung“ und „Abgleich“, von „Nachjustieren“ und „Ausbalancieren“ ist in der Konversation zwischen Tisch-Besatzung und Stryker-„Maschinist“ des Öfteren die Rede. Denn der individuelle präoperative Plan nach CT-Scan muss mit der anatomischen Wirklichkeit unter OP-Bedingungen in Einklang gebracht werden. Das System fordert Überprüfungspunkte ein, Chefarzt Knoll greift zum sogenannten Pointer und setzt sogenannte Landmarken. „Der Operateur nordet jetzt den Computer ein“, übersetzt Oberarzt Düsing. „Ist das Knie digital eingelesen, werden die Osteophyten entfernt, wird der knöcherne Wildwuchs weggemeißelt, der sich im Laufe der Jahre gebildet hat. Erst dann kann die eigentliche Prothesenplanung beginnen.“ Was unterm Strich heißt: Die natürliche Beinachse, die bestehende Spannung der Seitenbänder, der gewünschte Gelenkspalt bei Extension (Streckung) und Flexion (Beugung) – der gesamte Bewegungsumfang wird durchgemessen und dem Rechner angetragen. Woraufhin dieser exakt die Bereiche definiert, die bei der Präparation von Femur und Tibia beseitigt werden müssen, damit das künstliche Gelenk optimal sitzt. Diese Flächen leuchten auf den Monitoren am und neben dem OP-Tisch grün auf.

High-Tech-Eingriff dauert 90 Minuten

Wenn der Chirurg jetzt zum Mako-Roboterarm greift, um mit den Säge- und Fräseaufsätzen die beiden Knochen zu präparieren, bleibt er Herr der Lage, wird aber entscheidend unterstützt. „Das Gerät hilft uns bei der perfekten, millimetergenauen Umsetzung unseres Plans. Denn auch die beste Chirurgie ist nicht immer fehlerfrei. Würden wir die grün angezeigten Bereiche verlassen, schaltete sich das System automatisch ab“, erklärt Chefarzt Knoll nach getaner Arbeit. Insgesamt 90 Minuten benötigen er und seine beiden Oberärzte für den High-Tech-Eingriff. An dessen Ende wird das Implantat mit Knochenzement fixiert und die Gelenkkapsel mit einem lange wirkenden Betäubungsmittel infiltriert. „Das ermöglicht die Frühmobilisation“, hebt Knoll hervor. „So kann der Patient sein neues Knie schon am nächsten Tag voll belasten.“

Die Endoprothetik macht den nächsten Schritt

Das St. Elisabeth ist in den neuen Bundesländern das erste und bislang einzige Krankenhaus, das auf die Roboterarm-assistierte Chirurgie setzt. Im Westen Deutschlands nutzt sie ein knappes Dutzend Kliniken. Chefarzt Knoll, seine Kollegen Düsing und Näser sowie der Leiter des zertifizierten Endoprothesenzentrums im Hause, Oberarzt Jens Kohlschreiber, haben seit Januar rund 40 solcher Mako-Operationen durchgeführt. Im Vorfeld wurden die vier Mediziner intensivst geschult, hatten Lehrgänge zu absolvieren, bei denen an Leichen geübt wurde. „Anders geht das nicht. Jedes System birgt Tricks und Kniffe. Die erlernt der Mensch nur in Handarbeit. Und wir Chirurgen sind nun mal Handwerker“, sagt Knoll und lacht. Die Endoprothetik mache den nächsten Schritt.

„Eli“ investiert hohe sechsstellige Summe

Ein weiterer Schritt in Richtung Perfektion. Klinische Studien zeigten, dass Mako zwei- bis dreimal genauer arbeitet, als dies bei einer manuellen Implantation der Fall ist, gibt der Hersteller des Kollegen Roboter an. Patienten, die nach dem modernen Verfahren operiert wurden, hätten hinterher zudem deutlich weniger Schmerzen als solche, denen die Knieprothese auf konventionelle Art eingesetzt wurde. Auch sei die Funktionalität der künstlichen Gelenke im Mako-Fall besser.

Das St. Elisabeth-Krankenhaus hat in den Fortschritt eine hohe sechsstellige Summe investiert. Nur die Krankenkassen stehen noch auf der Bremse. Die anfallenden Mehrkosten zahlen nicht sie, sondern die übernimmt das „Eli“. „Das erhöhte Maß an Präzision und Sicherheit für unsere Patienten ist uns das Geld aber wert“, betont Chefarzt Knoll.

Von Dominic Welters

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