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Hausbesetzung in Leipzig: „Wir verbarrikadieren uns jetzt“

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12:30 26.08.2020
Das besetzte Haus in der Ludwigstraße 71 in Leipzig. Quelle: Kempner
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Leipzig

Im Fall des seit Tagen besetzten leerstehenden Wohnhauses im Leipziger Osten scheint eine friedliche Einigung in weite Ferne gerückt zu sein. „Der Besitzer hat sein Gesprächsangebot zurückgezogen“, sagte ein Aktivist der Gruppe „Leipzig besetzen“ am Mittwoch. Zugleich bereitet sich die Gruppe, deren Größe nicht genau bekannt ist, auf eine Räumung des Gebäudes in der Ludwigstraße 71 durch die Polizei vor.

„Wir haben ein entsprechendes Gerücht gehört und verbarrikadieren uns jetzt. Wir hoffen, dass es keine Gewalt vonseiten der Polizei gibt“, betonte der Aktivist. Diese bestätigte zwar, dass ein für diesen Mittwoch geplantes Gespräch zwischen dem Besitzer und den Besetzern geplatzt sei, über eine bevorstehende Räumung wurden aber keine Angaben gemacht. „Rechtlich ist die Besetzung ein Hausfriedensbruch. Der Besitzer könnte eine Räumung fordern. Bekannt ist davon aber nichts“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Leipzig.

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Nachbarn versorgen Hausbesetzer mit Lebensmitteln

Seit Freitag halten die Aktivisten das Haus in Neustadt-Neuschönefeld besetzt. Sympathisanten und Nachbarn versorgen die Gruppe mit Lebensmitteln. „Unser Ziel ist, das Haus kostenfrei zu übernehmen. Der Besitzer scheint ja kein Interesse an dem Gebäude zu haben, schließlich steht es seit etwa 20 Jahren leer“, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Die Hausbesetzung hatte die Debatte um bezahlbares Wohnen in der Messestadt befeuert. Der Pressesprecher der CDU Leipzig, Eric Buchmann, hatte das Vorgehen der Besetzer als inakzeptabel bezeichnet und eine Räumung des Gebäudes gefordert. In den vergangen Tagen hatte sich die Polizei aber ruhig verhalten und lediglich die Polizeistreifen vor dem Haus verstärkt.

Kritik an explodierenden Immobilienpreisen

Linke und Grüne hatten Verständnis für die Aktivisten gezeigt. „Mit der Besetzung wird aufgezeigt, dass es in Leipzig drängende Probleme gibt: Immobilienpreise explodieren, Freiräume für nichtkommerzielle Nutzungen gibt es faktisch nicht mehr“, hatte die Leipziger Linke-Stadträtin und Landtagsabgeordnete Juliane Nagel gesagt.

Transparente hängen an dem besetzten Haus in der Ludwigstraße. Quelle: Kempner

Eigentum verpflichte und jahrelanger Leerstand von Wohnraum sei in der wachsenden Stadt nicht zu vermitteln, hatte der Vorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Matthias Jobke unterstrichen. „Das von den Aktivist*innen vorgelegte Nutzungskonzept, bestehend aus selbstorganisierten Wohnformen für alle Generationen, Gemeinschaftsräumen und -gärten und Räumen für Bildungsarbeit begrüßen wir sehr.“ In der Gesellschaft müsse immer Platz für politische Aktionen sein, die uns auf Missstände hinweisen.

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Von LVZ