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Hausbesetzung in der Ludwigstraße im Leipziger Osten – Eigentümer will am Mittwoch ins Gespräch kommen

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17:01 22.08.2020
Im Mai hatte es eine „Scheinbesetzung“ des nun besetzen Nebengebäudes in der Ludwigstraße gegeben. (Archivbild) Quelle: André Kempner
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Leipzig

In der parallel zur Eisenbahnstraße gelegenen Ludwigstraße im Leipziger Osten haben Aktivisten am Freitag ein Haus besetzt. Betroffen ist die Immobilie mit der Nummer 71. Ziel der Aktion sei „die Rückeroberung des öffentlichen Raums und die Schaffung freier, nicht-kommerzieller Räume sowie das Aufzeigen von massivem Leerstand in unserer Stadt“, teilte das Bündnis „Leipzig besetzen“ mit, bei dem es sich nach eigenen Angaben um einen Zusammenschluss autonom agierender Gruppen handelt.

Die Aktivisten kritisieren, dass das Haus seit 20 Jahren leer stehe, während Mieten steigen würden, Wohnraum immer knapper werde und „die Kommerzialisierung des städtischen Raums“ voranschreite. „Verdrängungs- und Gentrifizierungseffekte, wie sie sich in anderen Stadtteilen Leipzigs, wie der Südvorstadt, Plagwitz und Connewitz gezeigt haben, sind auch im Leipziger Osten schon längst traurige Realität“, heißt es weiter.

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Objekt bleibt unter polizeilicher Beobachtung

Auf Twitter wurden am Freitag zahlreiche Nachrichten zu der Aktion unter den Hashtags #luwi71 und #le2108 geteilt. Dabei wurde sowohl von der Zusammenkunft vor und in dem Haus als auch von einer Vielzahl an Polizeikräften berichtet, die sich um das Haus und in der Straße versammelt hätten. Diese rückten am frühen Abend wieder ab. Wie Polizeisprecherin Sandra Freitag erklärte, wurde der private Hauseigentümer inzwischen ermittelt. Er lebe nicht in Leipzig, wolle am Mittwoch jedoch in die Messestadt kommen, um mit den Aktivisten ins Gespräch zu kommen. „Bis dahin bleibt das Objekt unter Beobachtung und wird polizeilich bestreift“, so die Sprecherin.

Die CDU Leipzig verlangte ein sofortiges Ende der Aktion. „Polizei sollte das Gebäude sofort räumen, wenn Hausbesetzer nicht Einsicht zeigen und die Besetzung abbrechen“, hieß es. Der Pressesprecher der Partei, Eric Buchmann, nannte das Vorgehen der Besetzer inakzeptabel und bemerkte: „Auch wenn diese Personen manche Probleme in unserer Stadt thematisieren. Ja, viele Menschen leiden unter steigenden Mieten und ja, es gibt Verdrängungsprozesse in manchen Stadtteilen. Aber die Antwort darauf kann nicht sein, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen und anderen einfach das Recht auf ihr Eigentum abzuerkennen.“

Nutzungskonzept präsentiert

Auf ihrer Webseite präsentierte „Leipzig besetzen“ noch am selben Tag ein ausführliches Nutzungskonzept für die Immobilie, das unter anderem Wohnflächen, einen Veranstaltungsraum, ein Café und einen Gemeinschaftsgarten vorsieht. „Wir von #leipzigbesetzen sind jederzeit bereit, mit der Stadt und Vermieter*innen in Verhandlungen zu treten und hoffen auf einen Umgang auf Augenhöhe ohne Gewaltausbrüche“, so die Aktivsten.

Im Mai hatte es zuvor in der Ludwigstraße eine sogenannte „Scheinbesetzung“ gegeben. Dabei wurden im Nachbarhaus der nun besetzten Immobilie Plakate entrollt. Die Aktion sollte aufgrund der Corona-Pandemie aber nur vorerst symbolisch bleiben, hieß es damals.

Von CN