Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Herzklopfen kostenlos
Leipzig Lokales Herzklopfen kostenlos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 15.10.2018
Peter Degner im Alter von 14 Jahren. Damals gewann er beim Casting in der DDR-Unterhaltungsshow „Herzklopfen kostenlos“. Quelle: privat
Leipzig

1967 hatte ich mich bei „Herzklopfen kostenlos“ angemeldet, einer Talentshow mit dem DDR-Showstar Heinz Quermann. Das war die erste Castingshow im deutschen Fernsehen, eine Premiere Made in GDR. Ich bewarb mich mit einer Spejbl-&-Hurvínek-Nummer. Spejbl und Hurvínek sind zwei Marionetten des bekannten tschechischen Puppenspielers Josef Skupa, die es schon seit den zwanziger Jahren gibt und die zu echten Berühmtheiten avancierten. Auch in der DDR wurden sie zum Unterhaltungs-Evergreen. Die Gespräche von Vater Spejbl und Sohn Hurvínek, immer mit charmantem tschechischen Akzent, gab es im Fernsehen, zu Gastspielen, auf Schallplatte. Man liebte ihre lustigen Schlagabtausche über die Fragen des Lebens, über die Liebe, den Weihnachtskarpfen oder die alten Römer. Sie waren von volkstümlicher Pfiffigkeit, von unschuldiger Lebensklugheit. Den solistischen Vater-Sohn-Dialog trug ich im typischen Tonfall und Gestus von Spejbl und Hurvínek vor.

Unter 200 Bewerbern durchgesetzt

Aus circa 200 Bewerbern wurden zwölf für „Herzklopfen kostenlos“ ausgewählt. Einer davon war ich. Zu Hause fielen alle aus den Wolken: Jetzt hat der Peter das wirklich gemacht, jetzt ist der tatsächlich im Fernsehen gelandet! Dass ich den Show-Wettbewerb mit meiner Nummer auch noch gewann, machte mich fast zum unangreifbaren Wunderkind. Wenigstens für ein paar Tage. Man sah mich plötzlich mit anderen Augen, war stolz auf mich. Und ich war stolz auf mich. Ein großartiges Gefühl war es gewesen, auf einer Bühne zu stehen, im Rampenlicht, vor Zuschauern. Mein Auftritt war optimal verlaufen ... Die Show hatte am 20. Januar 1967 im Leipziger „Jugendclub Nord“ stattgefunden. Dort war auch ein üppiges Buffet errichtet gewesen. Allerdings nicht für die Teilnehmer, sondern nur für die Musiker des Simon-Franz-Quintetts, die feste Showband, die bei jedem „Herzklopfen kostenlos“ dabei war ...

Salami vom Buffet mitgenommen

Fraglos eine gute Kapelle, aber dass nur für die die leckere ungarische Salami bestimmt sein sollte, mit der das Buffet reichlich eingedeckt war, sah ich beim besten Willen nicht ein. Schon weil derlei Delikatesse im normalen Lebensmittelhandel kaum zu bekommen war. Ich hatte an dem Abend einen Blumenstrauß für den Showmaster Heinz Quermann dabei. Was nicht nur brav und höflich war, sondern sich auch als praktisch erwies. In das Blumenpapier wickelte ich nämlich im Trubel kurz vor der Show unbeobachtet flugs die Salami ein. Schnell huschte ich mit meinem Paket vor die Tür, um es dort im Gebüsch zu verstecken. Dann lief ich wieder rein, bestritt mein Programm, genoss den Applaus. Und danach holte ich die Wurst aus den Büschen und lief nach Hause. Wie ich zu dem Schatz gekommen war, verriet ich zu Hause allerdings nicht. Wie die Leute im Jugendklub auf das geplünderte Buffet reagiert haben, weiß ich nicht ...

Bis zum Stimmbruch gab er „Spejbl und Hurvínek“

Dank dessen hatte ich von da an zig sogenannte Muggen zu absolvieren, Auftritte auf verschiedenen Bühnen, für die ich jeweils 30 Ostmark Gage einsteckte. Für Sonderveranstaltungen wie Silvestershows erhielt ich 50 Mark. Das war eine Menge Holz für einen Rotzjungen wie mich. Hin und wieder wurde ich als Conférencier gebucht. Einmal für eine Show, in der die Sängerin Dagmar Gumpert und der Sänger Peter Wieland, zu der Zeit echte Größen im Geschäft, als Stargäste auftraten. Eigentlich aber sollte ich immer wieder Spejbl und Hurvínek parodieren, das kam bei den Leuten einfach an. Bis zum Stimmbruch ging das so, danach verlegte ich mich auf die Stars des Kinderfernsehens Herr Fuchs und Frau Elster. Krächzen und keifen, wie es die zwei Figuren gern taten, ging auch mit Stimmbruch. Später kamen noch Gustav und Erich hinzu, ein damals berühmtes Sketch-Duo aus der Dresdner „Herkuleskeule“. Mit all diesen Auftritten folgte ich meinem Künstlertraum und sammelte Erfahrungen, die mir noch viel nützen sollten in dem Narrenstück meines Lebens ...

Am 25. Oktober um 19 Uhr ist Peter Degner mit seinem Buch zu Gast in der LVZ-Kuppel (Peterssteinweg 19) und plaudert mit LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer. Karten gibt es in allen LVZ-Geschäftsstellen, bei ticketgalerie.de und über die Hotline: 0800 2181-050 (kostenfrei).

Peter Degner „... und ich dreh mich noch mal um“; Vom Grabredner zum Impresario; 272 Seiten; Verlag neues leben; ISBN 978-3-355-01872-2; 17,99 Euro. Das Buch kann vorbestellt werden unter www.lvz-shop.de.

Von Peter Degner

Der goldene Oktober sorgt in Leipzig und der Region für fantastische Fotomotive. Viele Leser haben uns ihre schönsten Herbstbilder geschickt. Wir zeigen die besten Aufnahmen jetzt auf LVZ.de.

15.10.2018

Die Alte Nikolaischule will künftig mehr Wagner anbieten. Betrieben wird sie von der Kulturstiftung Leipzig, die nun erstmals seit ihrer Gründung 1990 eine Förderung von der Stadt benötigt.

18.10.2018

Die Gilde der Nachtwächter hat sich am Wochenende in Markkleeberg getroffen. Dabei konnte sie dem Leipziger und Markkleeberger Nachtwächter Thomas Reininger zum zehnjährigen Dienstjubiläum gratulieren.

15.10.2018