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Lokales Hier fällt der Jahrhundertsommer ins Wasser
Leipzig Lokales Hier fällt der Jahrhundertsommer ins Wasser
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22:00 03.08.2018
Bernd Kleinhempel ist einer der ehrenamtlichen Helfer, die das Wackerbad betreuen. In dieser Saison ist es jedoch nur für angemeldete Gruppen geöffnet. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Es ist paradox: Der Jahrhundertsommer hat Leipzig fest im Griff. Alle lechzen nach Erfrischung. Freibäder und Seen erleben einen Ansturm wie nie. Doch während dort die Menschen wie die Heringe am Wasser liegen, herrscht an einem Ort gähnende Leere: im Wackerbad in Gohlis.

Seit mehr als zwei Jahren ist das bald 100 Jahre alte Sommerbad in der Max-Liebermann-Straße 83, Leipzigs einziges Freibad mit 50-Meter-Becken, nun schon dicht. Jetzt befindet sich zwar wieder Wasser im Bassin. Das Thermometer zeigt auch knapp 24 Grad Celsius an. Doch die meisten Gohliser kann das nur wenig trösten.

Zu wenig Zeit für Saisonvorbereitung

„Leider können wir nur nach vorheriger Absprache für Schulen, Kindergärten und Vereine, also größere Gruppen, öffnen“, sagt der Vorstand des Vereins SV Wacker, Holger Drendel. Der Grund: Die Zeit, um die Anlage nach der langen Pause mit den ehrenamtlichen Kräften wieder auf Vordermann zu bringen und einen ordnungsgemäßen Betrieb zu organisieren, sei zu kurz gewesen. „Somit ist die Absicherung eines Badebetriebes für die Allgemeinheit nicht möglich, da uns Rettungsschwimmer und weiteres Personal fehlen“, sagt der Pächter. Normalerweise hätten die Vorbereitungen im November beginnen müssen. Doch dies sei nicht möglich gewesen.

Stadt zahlt wieder Zuschüsse

„Wir sind im Streit, haben jedoch im April durch Unterschriftsleistung der Gegenseite einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen – auch als Chance für den Pächter, sein Angebot wieder so bereitzustellen wie vor seiner Entscheidung, das Bad zum Sommer 2016 zu schließen“, erklärt Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes. Die Stadt hatte das Wackerbad 2012 mit einer Laufzeit von 30 Jahren an den SV Wacker verpachtet, der auch eine Sportanlage im Mariannenpark betreibt. Sie liegt mit dem Pächter jedoch seit längerer Zeit im Clinch. Versuche, ihn auf juristischem Wege aus den Pachtverträgen zu drängen, scheiterten. „Unser Interesse – und das hat der Pächter ja auch als sein Ziel immer wieder öffentlich postuliert – ist die Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Schließung zugunsten der Bevölkerung“, so Amtsleiterin Kirmes. Wie berichtet, hatte der Pächter damals den Badebetrieb eingestellt, nachdem vereinbarte Pflegekostenzuschüsse der Stadt von jährlich 8000 Euro zur Bewirtschaftung der Anlage ausgeblieben waren. Die Kommune begründete den Zahlungsstopp seinerzeit mit „Vertragskonflikten“ und „unklaren Verwendungsnachweisen in der anteiligen Kostenerstattung aus öffentlichen Mitteln“, bis zu deren Klärung die Überweisungen ausgesetzt würden. Zum nun geschlossenen außergerichtlichen Vergleich sagt Kirmes: „Wir als Stadt haben unseren Teil der Vereinbarung erfüllt, einschließlich der Zahlung der vereinbarten Gelder.“ Sie sieht allerdings auf Seiten des Pächters noch einen „kritischen Erfüllungsstand“.

Schäden durch Vandalismus

Die Kommune hatte erwartet, dass der Pächter in diesem Sommer das Bad wieder regulär öffnet. Kirmes: „Das hätte sich bei diesem Super-Sommer für den Pächter auch rentiert und die Bevölkerung gefreut.“ Das Interesse an einer Wiedereröffnung ist in der Tat groß. „Immer wieder stehen Leute am Tor und fragen, wann es endlich losgeht“, berichtet Bernd Kleinhempel. Der 59-Jährige kennt das Wackerbad seit Kindheitstagen. Er ist einer von einem halben Dutzend ehrenamtlichen Helfern, die sich um das in die Jahre gekommene Sommerbad kümmern, es am Laufen halten. Zwar hat das Gesundheitsamt erst in der vergangenen Woche dem Pächter Badewasserqualität bescheinigt. Aber, so Kleinhempel, vor allem im vergangenen Winter sei der Vandalismus besonders schlimm gewesen. Einbrüche ins Kassenhäuschen und in die Toiletten haben Schäden hinterlassen, die der Verein nicht so ohne Weiteres und schon gar nicht ohne finanzielle Mittel beheben kann. So wurde Inventar wie Liegestühle und Sonnenschirme geklaut, am Toilettenhäuschen die Dachrinne. Der Beachvolleyballplatz müsste erneuert werden, ebenso das Spielgerät auf dem Kinderspielplatz. „Es muss ja nicht alles auf einmal sein“, sagt Kleinhempel, „aber ohne Unterstützung der Stadt können wir das nicht finanzieren.“ So gut es geht haben die Ehrenamtler das Bad zumindest betriebsbereit gemacht. Das Gelände ist aufgeräumt, Stühle und Sonnenschirme stehen bereit. Die Toilette ist wieder nutzbar. „Sollten nicht wieder durch die Stadt zweifelhafte Versuche der Verhinderung kommen oder die Bezuschussung nicht fließen“, verspricht Pächter Drendel, „planen wir 2019 wieder mit einer Super- Mannschaft für die Bürger da zu sein.“

Anmeldungen für Schulen, Kindergärten und Vereinen unter Telefon 0173 7341745

Von Klaus Staeubert

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