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Lokales Hinter den Kulissen der Leipziger Markt Musik
Leipzig Lokales Hinter den Kulissen der Leipziger Markt Musik
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16:37 04.08.2019
Blick auf die Bühne vor dem Alten Rathaus: Bei der Leipziger Markt Musik gibt es Gratis-Konzerte unter freiem Himmel.
Blick auf die Bühne vor dem Alten Rathaus: Bei der Leipziger Markt Musik gibt es Gratis-Konzerte unter freiem Himmel. Quelle: Kempner
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Leipzig

Als Moderator Tim Thoelke bei der Leipziger Markt Musik am Samstagabend endlich den Auftritt der Leipziger Philharmonie und des Folk-Rock-Duos Graceland ankündigt, ist für Tontechniker Julian Glatz (23) kurz Zeit durchzuschnaufen. Sein Tag hat früh begonnen: „Heute Morgen haben wir schon einmal alles für den Soundcheck aufgebaut“, erzählt Glatz. Es ist ein Grundprinzip in der Welt hinter der Bühne: Der Soundcheck läuft in umgekehrter Reihenfolge zu den Auftritten. Der Headliner des Abends war also morgens als erster dran: „Bei dem Orchester sind das alles Berufsmusiker, da läuft der Soundcheck sehr professionell ab. Die wissen was sie tun“, sagt Veranstaltungsmeister Jens Grube (57) – und sicher würde das die Damen und Herren in ihren weißen Hemden freuen, die jetzt mit Instrumentenkoffern in der Hand den Backstagebereich betreten.

Kabeltunnel als Lebensader

Unter anderen Aspekten birgt ihr Auftritt aber Herausforderungen: „Es gibt es bei einem Orchester sehr viele Tonspuren, viele Kanäle und eine aufwendige Mikrofonierung“, erläuert Grube. Zum Glück bedeuten 30 verschiedene Mikrofone längst nicht mehr, dass auch 30 verschiedene Kabel über den Platz zum Ton-Zelt laufen müssen. „Inzwischen gibt es richtige Netzwerksysteme, die die Signale auf der Bühne zusammenfassen und an die Ton- und Kamera-Stände leiten“, sagt Grube und deutet auf einen Kabeltunnel mit einem dicken sonnengelben Streifen, der quer über den Markt läuft. Dieses Kabel ist gewissermaßen die Lebensader der Veranstaltung. Hier laufen Ton, Licht und Bild des Live-Auftritts in Echtzeit zusammen, um von den Kamera- und Tonleuten in dem kleinen weißen Zelten gegenüber optimiert zu werden. „Heute muss ich die Akustik eines Saales etwas nachahmen“, klärt Glatz auf. Sein Assistent Carl-Ludwig Morgner bleibt während des Auftritts auf der Bühne: „Wenn was ist, springen und Fehler finden“, beschreibt der 23-Jährige ganz pragmatisch seinen Job.

Der Meister der Leinwände

Michael Georg (31) bestückt vom Video-Regieraum aus die riesigen Leinwände neben der Bühne. Quelle: André Kempner

Auch Michael Georg im Video-Regie-Container neben der Bühne muss auf Zack sein: Was die rund 2000 Besucherinnen und Besucher der Open-Air-Veranstaltung links und rechts der Bühne auf den großen LED-Leinwänden sehen, das liegt in seiner Verantwortung. Eine kleine Liste auf einem der fünf Bildschirme in seinem Container zeigt an, dass nach dem Konzertmitschnitt von Manfred Krug die Programm-Übersicht eingeblendet wird und dann die DHL-Werbung erscheint.

Gerade noch ist die Pomade-Frisur von Moderator Thoelke in Nahaufnahme zu sehen, ehe Thomas Wecker und Thorsten Gary von Graceland mit dem großem Orchester auf dem Bildschirm erscheinen. Über ein Headset ist Georg mit den Kameraleuten auf der Bühne verbunden. „Da denke ich schon mit“, sagt der 31-Jährige. „Ich muss planen, welches Instrumenten-Solo als Nächstes dran ist, um die Nahaufnahme zu haben.“ Und dann gilt es noch, dass Publikum im Auge zu behalten und die Kamera zu schwenken, „wenn da gerade jemand tanzt oder mitsingt“.

Leipziger Markt Musik: Die nächsten Tage

Am Sonntag widmet sich die Leipziger Markt Musik dem Klezmer: Nach dem Nachmittagsauftritt des Ensembles Rohzinkes steht am Abend ab 20 Uhr das Caravan Orchestra mit Musikern aus Haifa und Weimar auf der Bühne.

Am Montag ist Ostrock-Tag auf der Bühne am Markt: Ab 20 Uhr spielt die Band P 70 die größten Hits des ostdeutschen Rock’n’Rolls. Zur Einstimmung ist ab 18.10 Uhr ein Konzert-Mitschnitt der Leipziger Rockband Karussell zu sehen.

Am Dienstag sind nach der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven (ab 15 Uhr) Jazz und Funk angesagt. Ab 20 Uhr spielt die Band Jamtonic und verspricht „groovy und funky dance classics“. Im Vorfeld steht ab 19.25 Uhr das Kabaret-Duo Meigl Hoffmann und Karsten Wolf auf der Bühne.

Freier Eintritt

Ein Getränk anstelle des Eintritts: Das Ehepaar Hormann kommt seit Jahren für die Live-Musik an den Markt. Quelle: André Kempner

Ganz so weit ist es beim Ehepaar Schrödter zwar noch nicht, aber ihre Laune ist dennoch gut: „Hier ist einfach eine sehr schöne Stimmung“, findet Brigitte Schrödter (60), „und man kommt hier immer wieder mit netten Leuten ins Gespräch.“ Sie ist mit ihrem Mann Harry auf den Markt gekommen. Dass die Pflastersteine vom letzten Regenschauer noch glänzen und der Himmel immer wieder bedrohlich graue Töne annimmt, schreckt die Schrödters nicht. Niederschlagsresistent wirken auch Petra und Hans-Dieter Hormann: „Wir haben doch unseren Regenschirm dabei“, sagen sie. Egal ob Classic Open oder Leipziger Markt Musik, die Hormanns sind treue Fans der musikalischen August-Veranstaltung im Herzen der Stadt. „Die Kellner kennen uns schon“, erzählt der 70-jährige Hans-Dieter Hormann und nickt einem von ihnen zu.

Auch die Mitarbeiter vom Catering sind an diesem Abend nicht zu unterschätzen. Wie Ton-Mann Glatz und Video-Spezialist Georg sind die Kellnerinnen und Kellner unabdingbares Personal für das Konzept der Veranstaltung. Offiziell ist der Eintritt zwar frei, wer aber einen guten Blick auf die Bühne erhaschen will, der muss in dem von hohen Gastronomie-Zelten umrahmten Areal konsumieren – oder aber hinter den Kulissen eine gute Freundin oder einen guten Freund haben.

Leipziger Markt Musik: Vor und hinter der Bühne

Von Anna Flora Schade