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Lokales Das soll gegen volle Notaufnahmen in Leipzig helfen
Leipzig Lokales Das soll gegen volle Notaufnahmen in Leipzig helfen
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07:28 21.03.2019
Professor André Gries, Leiter der Notaufnahme der Universitätsklinik Leipzig. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die Leipziger Notaufnahmen betreuen immer mehr Menschen. Kamen 2012 pro Tag noch etwa 85 Menschen in die Notaufnahme des Uniklinikums, waren es im Vorjahr knapp hundert. Das soeben verabschiedete Termingesetz verspricht Entlastung. Es sieht vor, dass Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ab kommendem Jahr telefonisch rund um die Uhr, sieben Tage die Woche erreichbar sind. Patienten sollen binnen maximal vier Wochen Arzttermine vermittelt bekommen. Die bessere Erreichbarkeit könnte dazu führen, dass weniger Menschen in die Notaufnahmen kommen. Doch André Gries, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Uniklinikum Leipzig, hat Bedenken.

„Hinter der Telefonnummer muss ein Angebot stehen“, betont er. Es sei fraglich, dass die nötigen Ressourcen bereit stehen, nur weil jeder Arzt fünf Stunden mehr Sprechzeiten anbietet. „Die Leipziger Ärzte sind ja schon ordentlich ausgelastet“, so Gries. Der Mediziner befürchtet, dass am Ende sogar mehr Menschen in die Notaufnahmen kommen könnten. Ist der Anrufer unzufrieden mit dem von der Terminservicestelle vorgeschlagenen Termin, sei es denkbar, dass der Patient eigenständig ins Krankenhaus geht – das hätte er bisher vielleicht nicht in Erwägung gezogen.

Gries sitzt im medizinischen Beirat, der die Entwicklung der Software zur Strukturierten medizinische Ersteinschätzung in Deutschland (SmED) unterstützt. Die Software soll die Dringlichkeit der Hilfesuchenden, die bei 116117 anrufen, bewerten. SMeD sieht vor, dass der Patient im Zweifel in die Notaufnahme geschickt wird.

Parallelstruktur im Gesundheitssystem sorgt für Verwirrung

Die Parallelstruktur von Kassenärztlicher Vereinigung und Rettungsdienst führe zu Verwirrung bei Patienten. Um nachhaltig für das Patientenwohl zu arbeiten, sei es auch wichtig, „Zäune zwischen den Sektoren abzubauen“, sagt Gries. Grund für die Parallelstruktur seien politische und finanzielle Interessen der Verbände. „Die Player ziehen derweil an einem Tau“, beobachtet Gries. Anstatt dem Anrufer zwei Notfallnummern, nämlich die 112 und die 116117 anzubieten, müssten sie an einer Stelle zusammenlaufen, fordert der Leiter der Notaufnahme der Uniklinik.

Die zentrale Notrufstelle könnte dann entscheiden, wie vorgegangen wird: Wird der Notleidende mit einem Rettungswagen geholt? Soll ein Arzt zu ihm kommen? Ist ein Facharzttermin in zwei Tagen ausreichend? Oder hilft es schon, dass der Patient sich in der Apotheke Schmerzmittel besorgt? Die Disponenten des Notrufs sollten unbedingt die Möglichkeit zur Rücksprache mit einem Arzt haben, sagt Gries.

Chef der Notaufnahme des Leipziger Uniklinikums: Jeder Fünfte ist falsch bei uns

Knapp jeder Fünfte aller aufschlagenden Patienten ist nach Ansicht von Gries falsch in der Notaufnahme. In den vergangenen Jahren wurde immer etwa die Hälfte der Notaufnahme-Patienten des Uniklinikums mit dem Rettungswagen eingeliefert. Zahlreiche der übrigen Hilfesuchenden kommen vom Arzt mit einer Einweisung. Denn viele niedergelassene Mediziner haben keine Geräte zum Röntgen oder Kernspin zur Verfügung.

Statt eines Verweises auf die Notaufnahme wäre eine Vermittlung an die zuständige Abteilung sinnvoller. Die Patienten, die noch nicht beim Hausarzt waren, könnte die Terminservicestelle direkt an die richtige Adresse verweisen und so Ärzte entlasten – vorausgesetzt die nötigen Arztpraxen stehen zur Verfügung.

Von Theresa Held

Von 1999 bis 2005 war Norbert Krüger Medizinischer Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums. Doch davor und danach hat er als Arzt und Entwicklungshelfer in aller Welt gearbeitet. In der Autobiografie „Bimami“ erzählt Krüger von seinen Erlebnissen.

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