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Lokales Historische Ausstellungsstücke im Naturkundemuseum bekommen Ehrenplatz
Leipzig Lokales Historische Ausstellungsstücke im Naturkundemuseum bekommen Ehrenplatz
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00:50 30.04.2018
Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Behutsam zeigt Ronny Maik Leder eine Tiefseekrabbe. Die hat das ForschungsdampfschiffValdivia“ mitgebracht, mit der der Leipziger Meereskundler Carl Chun (1852–1914) vor fast 120 Jahren zur ersten deutschen Tiefsee-Expedition aufbrach. Über diese wegweisende Forschungsreise dreht der MDR gerade eine Dokumentation. Die „Valdivia“ hat aber auch viel mit dem Leipziger Naturkundemuseum zu tun, für dessen Neustart auf dem Spinnereigelände Leder gerade die Konzeption vorgelegt hat. Denn einige spannende Exponate der Reise schlummern im Fundus des Museums, sollen im neuen Haus einen Ehrenplatz erhalten.

Vor 120 Jahren brach das Forschungsschiff "Valdivia" zur ersten Deutschen Tiefsee-Expedition auf. Noch heute finden sich einige spannenden Exponate im Fundus des Naturkundemuseums. Für eine Dokumentation hat sich ein Filmteam des MDR die Ausstellungsstücke zeigen lassen.

Derzeit wird die Halle 7 für das Tanztheater und das Theater Lofft ausgebaut, das Museum soll frühestens 2020 das Gebäude an der Spinnereistraße in Lindenau komplettieren. „Das Thema Tiefsee ist von hoher Attraktivität für den Besucher. Ich war überrascht, dass dies in Leipzig bisher wenig präsent ist“, sagt Leder, der dies natürlich ändern will. Die Präparate sind von unschätzbaren Wert, wurden bislang aber nie dauerhaft ausgestellt. Deshalb soll die Expedition – als Teil der Wissenschaftsgeschichte Leipzigs – ein zentrales Element des neuen Museums werden. Viele vergessen: „Leipzig ist nicht nur Stadt der Musik und Künste, sondern über viele Jahrhunderte hinweg auch Hort und Wiege der Naturwissenschaft“, betont der Museumschef.

62 Prozent der Erdoberfläche – das sind gut 300 Millionen Quadratkilometer – gehören zu den Tiefseegebieten. Bis heute ist nur ein Bruchteil davon erforscht. Noch weit ins 19. Jahrhundert hinein verneinten Wissenschaftler, dass dort überhaupt Leben zu finden sei. 1858 wurde schließlich ein transatlantisches Kabel auf dem Meeresboden verlegt. Dieses riss jedoch und musste repariert werden. Bei der Bergung des Kabels merkte man, dass sich darin diverse Tiere angesiedelt hatten. Dieses Ereignis löste erste gezielte Tiefsee-Expeditionen aus – die wichtigste war die Challenger-Expedition, die 1877 nach fünf Jahren mit einer einzigartigen Ausbeute zurückkehrte.

Im Sommer 1898 verlässt das deutsche ForschungsdampfschiffValdivia“ den Hamburger Hafen, um die Weltmeere zu erkunden. Es wurde eigens mit Laboren ausgestattet. Sogar 8000 Liter 96-prozentiger Alkohol waren damals – streng behütet natürlich – an Bord. Daneben eine Vielzahl großer Glasbehälter und Aquarien sowie einfache Reagenzgläser, um die Funde zu sichern und zu konservieren.

Knapp 32 000 Seemeilen legt das Schiff zurück. Die Forscher um Carl Chun erreichen mit ihren Messungen Wassertiefen bis zu 6000 Metern und befördern bei ihren Fangzügen unbekannte Lebewesen zu Tage, die noch heute unsere Vorstellung von der Tiefsee bestimmen – etwa den Buckligen Anglerfisch. Die Teilnehmer spürten eine große Anzahl neuer Tierformen auf. Glasschwämme, Weich- sowie Nesseltiere gehören ebenso dazu wie Stachelhäuter und Fische. Die Auswertung der Ergebnisse der Valdivia-Expedition dauert allein 40 Jahre. „Wir sind in der glücklichen Lage, einige herausragende Exponate von damals in unserer Sammlung zu haben“, so Leder. Das Museum bewahrt die Sammlungen des früheren Zoologischen Institutes auf. Es besitzt übrigens auch ein Tiefenlot von der „Valdivia“.

Die Dokumentation wird am Sonntag, dem 17. Dezember, ab 22.20 Uhr im MDR-Fernsehen gesendet.

Von Mathias Orbeck

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