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Lokales Hitze-Stress in Leipzigs Bussen und Straßenbahnen
Leipzig Lokales Hitze-Stress in Leipzigs Bussen und Straßenbahnen
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17:23 25.06.2019
LVB-Busfahrer Pascal Ritzrow (23) fährt auf der Linie 72 und hat bei der Hitze immer ein Handtuch dabei. Quelle: Kempner
Leipzig

40 Grad plus – wer nicht unbedingt muss, meidet in der flirrenden Hitze Leipzigs Straßen und Plätze. Doch für die Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) gibt es kein Hitzefrei. Wer in ihre Busse und Straßenbahnen einsteigt, sollte aber bedenken: Nur etwa ein Drittel aller LVB-Fahrzeuge haben eine Klimaanlage. Von außen sind diese allerdings relativ gut zu erkennen.

Nur ein Drittel der LVB-Fahrzeuge mit Klimaanlage ausgestattet

Klimatisiert sind alle Straßenbahnen vom extra-langen Typ XXL, die vom Hersteller Bombardier bezogen wurden. Auch die vom polnischen Hersteller Solaris gekaufte neueste XL-Straßenbahngeneration hat nach Unternehmensangaben eine „Temperierungsanlage“ an Bord. Das ist ein kleines Technik-Wunder, das neben Heizung und Kühlung die Frischluftzufuhr steuert – natürlich abgestimmt mit der Luftfeuchte, der Lufttemperatur und der Zahl der Fahrgäste in den Bahnen. Bei vollen Bahnen soll im Sommer viel Frischluft zugeführt werden, die gekühlt und entfeuchtet wird; bei Bahnen mit weniger Fahrgästen liefert die Anlage wenig Frischluft.

Bei den LVB heißt es, man habe sich bewusst für dieses aufwendige System entschieden. Denn wenn es richtig eingestellt ist, spare es gegenüber einer herkömmlichen Klimaanlage 30 bis 40 Prozent Energie für das Kühlen sowie die damit entsprechende Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt.

LVB spendiert Fahrern Wasser an Endhaltestellen

Aber Achtung: Alle anderen Straßenbahnen haben keine Klima- oder Temperierungsanlage an Bord, auch die Busse des Unternehmen kühlen ihre Innentemperaturen nicht mit Anlagen herunter. „Dort kann aber jederzeit, auch durch Kunden selbst, das Fenster geöffnet werden“, sagt LVB-Sprecher Marc Backhaus. „Dies hat sich in den letzten Jahren bewährt. An Endstellen stellen wir für unser Fahrpersonal Wasser zur Verfügung.“ Das Wasser werde für das Fahrpersonal direkt an der Haltestelle oder bei Partnern – Friseure, Bäcker oder andere Partner – bereitgestellt. „Ein besonderer Dank an alle, die uns dabei unterstützen“, so der Sprecher.

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Während Straßenbahn-Haltestellen meist überdacht sind und so wenigstens etwas vor der heißen Sonne schützen, fehlen an vielen Bushaltestellen solche überdachten Unterstände. „Deshalb sollte sich jeder Fahrgast auf die besonders heißen Tage mit entsprechender Kleidung und kühlen Getränken vorbereiten“, rät Backhaus. „Sollte es durch die extreme Witterung zu gesundheitlichen Problemen kommen, gilt auch hier: 112 wählen!“

Unter Umständen kann es durch die aktuell hohen Temperaturen auch zu Schäden an der Infrastruktur der LVB kommen. Merken können das Autofahrer insbesondere bei Gleisabschnitten, die in Fahrspuren von Autos verlaufen. Dort kann sich zum Beispiel Asphalt erhitzen und durch den Autoverkehr verformen. „Wir führen deshalb im Netz regelmäßige Befahrungen durch“, so der Sprecher. „An Gleisen direkt erwarten wir jedoch keine Schäden.“

Warum Motoren an Endhaltestellen weiterlaufen

Auch für Fahrzeuge bedeuten die anstehenden hohen Temperaturen eine höhere Beanspruchung, da die Steuerungs- und Klimatechnik in Containern auf dem Dach montiert und dadurch der Hitze und der Sonneneinstrahlung besonders ausgesetzt sind. Um das Material insgesamt zu schonen, wurde das Fahrpersonal dazu aufgefordert, besonders materialschonend zu fahren – also zum Beispiel die Fahrzeuge ausrollen zu lassen oder die Busmotoren an der Endstelle laufen zu lassen, um die Motorkühlung nicht abbrechen zu lassen. Letzteres führt allerdings nicht selten zu Protesten von Passanten oder Autofahrern, die den Hintergrund des Laufenlassens nicht kennen und eine unnötige Umweltverschmutzung argwöhnen.

Für Fahrgäste lohnt es sich dennoch, in den heißen Tagen öfter zu den elektronischen Anzeigetafeln an den Haltestellen zu schauen. Denn sollte es zu Einschränkungen wegen Fahrzeugausfällen oder Infrastrukturschäden kommen, vermelden die LVB dies über ihre Leitstelle direkt den Fahrgästen der betroffenen Haltestellen über die Anzeigen vor Ort.

Schaden nimmt bei der Hitze allerdings der Rasen, den die LVB in einigen Streckenabschnitten zwischen den Straßenbahngleisen gesät haben. Aus Kostengründen würden diese grünen Bereiche von den LVB nicht gewässert, heißt es im Unternehmen. Man nehme in Kauf, dass der Rasen austrockne und erst im nächsten Jahr wieder nachwächst. Denn mit dem verdorren des Rasens seien keine Funktionseinschränkungen verbunden. Es sei ja auch nicht möglich, sämtliche Grünflächen und Parks in der Stadt zu wässern.

Alle S-Bahnen sind klimatisiert

Gut dran ist, wer für seine Fahrten die S-Bahn nutzen kann. Denn dort sind sämtliche Bahnen klimatisiert und auch alle Haltestellen überdacht. „In unseren vier Untergrundstationen herrschen sogar relativ angenehme Temperaturen“, hieß es auf LVZ-Anfrage beim zuständigen Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig. Einige Stationen hätten sich in der Hitze sogar zu beliebten „Zufluchtsorten“ entwickelt. Bislang seien keine Ausfälle bei den Klimaanlagen in den S-Bahnen gemeldet worden.

Von Andreas Tappert

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