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Lokales Hobby-Meteorologe: Mai war einer der kühlsten in den letzten 30 Jahren
Leipzig Lokales Hobby-Meteorologe: Mai war einer der kühlsten in den letzten 30 Jahren
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12:04 07.06.2019
Hobby-Meteorologe Peter Noack hat Leipzigs Wetterdaten bis zum Jahr 1830 gesammelt und ausgewertet. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Der Mai war in diesem Jahr in Leipzig einer der kühlsten Mai-Monate der letzten 30 Jahre. Das hat Hobby-Meteorologe Peter Noack anhand seiner Aufzeichnungen ermittelt. „Insgesamt war er zwei Grad kälter als im sogenannten langjährigen Mittel“, sagt er – also kälter als die durchschnittlichen Temperaturen der Jahre von 1981 bis 2010, die Meteorologen aktuell als „30-jähriges Mittel“ bezeichnen. Für dieses Mittel werden alle Monatsmittel eingerechnet, die wiederum auf Tagesmitteln beruhen. Für diese wird die Temperatur stündlich gemessen und dann eine Durchschnittstemperatur gebildet.

Die Kälte war in den ersten 17 Tagen besonders stark

So wurde für den diesjährigen Mai eine Durchschnittstemperatur von 12,2 Grad Celsius ermittelt, nach dem langjährigen Mittel hätte die Durchschnittstemperatur aber 14,2 Grad betragen müssen. „In den ersten 17 Tagen des diesjährigen Mai war es sogar so kalt wie Leipzigs bislang kältester Mai-Monat von 1874, wo die Durchschnittstemperatur nur 9,5 Grad betrug“, so der 82-Jährige.

Im Jahr 2004 gab es zuletzt einen ähnlich kalten Mai. Damals lag die ermittelte Durchschnitttemperatur in Leipzig bei 12,5 Grad. Im Mai des Jahres 2010 wurde ein Durchschnitt von 12,1 Grad ermittelt, 2013 von 13,1 Grad. „Diese kalten Mai-Monate haben auch das Jahresmittel negativ beeinflusst“, so Noack. So wurde 2010 eine Jahresmitteltemperatur von 8,3 Grad ermittelt – nach dem 30-jährigen Mittel hätte sie 9,7 Grad betragen müssen. Auch 2013 hatte ein Jahresmittel von 9,3.

Eisheilige könnten für unbeständigen Sommer sorgen

Noack bringt den diesjährigen kalten Mai mit den Eisheiligen in Verbindung. „Im Zeitraum von 4. bis 9. Mai gab es in Leipzig vier Tage mit Bodenfrost, anschließend kam die sogenannte Kalte Sophie vom 14. bis 15. Mai nach Leipzig und brachte noch einmal zwei Tage Bodenfrost. Das spricht für einen unbeständigen Sommer, in dem es alle drei bis fünf Tage einen Wetterwechsel gibt – die sogenannten Kurzzeitwetterlagen“, so der Experte.

Im letzten heißen Sommer im vergangenen Jahr gab es Ende Mai schon zwölf sogenannte Sommertage, also Tage mit Temperaturen ab 25 Grad Celsius, davon zwei meteorologisch „heiße Tage“ mit Temperaturen ab 30 Grad. „In diesem Jahr gab es bis Ende Mai nur einen Sommertag im April und keinen heißen Tag.“ Laut dem 30-jährigen Mittel hätte es aber im Mai in Leipzig fünf Sommertage und zwei heiße Tage geben müssen.

„Hohe Juni-Temperaturen sind nicht ungewöhnlich“

Hat der bislang relativ heiße Juni das bisherige Jahresdefizit an heißen Tagen nachgeholt? Noack widerspricht. „Wir hatten vom 1. bis zum 5. Juni sechs Sommertage und davon drei heiße Tage“, so der Experte. Dies sei „normal“. „In Leipzig gibt es im Juni laut 30-jährigem Mittel neun Sommertage und drei heiße Tage“, erklärt er.

Auch der bisherige heißeste Tag des Jahres 2019 – der vergangenen Mittwoch mit 32,4 Grad Celsius – sei „nicht untypisch“. So habe es 1947 im Juni in Leipzig 15 Sommertage gegeben, 1964 waren es 16, 1983 14, 1992 16, im Jahr 2000 14, 2003 17, 2007 15 und 2018 ebenfalls 15. „Der wärmste Juni-Monat wurde in Leipzig 1917 mit 23 Sommertagen gemessen, von denen sieben heiße Tage waren. Damals fielen auch nur 17 Millimeter Niederschlag.“ Der Hobby-Meteorologe glaubt nicht, dass der diesjährige Juni so extrem heiß werden wird. „Es wird wohl wechselhaft werden“, schätzt er.

Auch in Leipzig steigen die Jahresmittelwerte

Doch die allgemeine Temperaturerhöhung geht auch an Leipzig nicht spurlos vorbei. „Die Jahresmittelwerte in Leipzig steigen“, so Noack. 1860 bis 1889 habe das 30-jährige Mittel 8 Grad Celsius betragen, 1890 bis 1919 stieg es auf 8,7 Grad, 1920 bis 1949 auf 8,9, von 1959 bis 1979 auf 9,9 und von 1980 bis 2010 auf 9,7. „Das entspricht insgesamt einer Steigerung von 1,7 Grad über 150 Jahre.“

Es gebe auch Experten, die meinen, dass wir jetzt einen Höhepunkt erreicht haben und die Temperaturen die nächsten Jahrzehnte wieder sinken könnten, erzählt der Hobby-Meteorologe. Diese würden häufig als „Beleg“ den März 2013 anführen, der mit einem Monatsmittel von minus 0,9 Grad Celsius der kälteste März in Leipzig seit 130 Jahren war.

„Heiße Tage und Unwetter sind im Sommer typisch“

Noack ärgert, dass in den Medien der diesjährige relativ kalte Mai so gut wie gar nicht erwähnt wurde. „Nur im Wetter-Videotext des MDR habe ich entdecken können, dass die Mai-Temperaturen mit einem 30-jährigen Mittel verglichen wurden“, berichtet er. „Stattdessen werden in vielen Medien nur heiße Tage und Unwetter thematisiert, obwohl die im Sommer für unsere Breiten typisch sind.“

Von Andreas Tappert

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