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Lokales Hochschulen und Unternehmen gründen Netzwerk für Künstliche Intelligenz
Leipzig Lokales Hochschulen und Unternehmen gründen Netzwerk für Künstliche Intelligenz
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15:22 04.04.2019
Künstliche Intelligenz zum Anfassen: Gerhard Heyer, Bogdan Franczyk, Andreas Heinecke, Thomas Lenk, HTWK-Rektorin Gesine Grande und Stephan Stubner (von links) am Dienstag im „Logistics Living Lab“ in der Mädler-Passage. Quelle: André Kempner
Leipzig

Künstliche Intelligenz gilt als künftige Schlüsseltechnologie und vor allem als Goldgrube. Genau jetzt ist die Zeit, in der Unternehmer und Wissenschaftler offenbar die Weichen stellen müssen, damit die Gleise zu diesem Schatz führen. „Wer KI verschläft, kann schnell vom Markt verschwinden“, sagt Andreas Heinecke, Geschäftsführer des Instituts für Angewandte Informatik (InfAI) an der Universität Leipzig. Die Liste einst großer Unternehmen, die die Digitalisierung verpassten und bald weg waren, ist bekannt: Nixdorf, Kodak, Kaufhof-Quelle stehen darauf.

Damit so etwas sächsischen Firmen nicht passiert, initiiert das InfAI den „KI-Hub Sachsen“ und hat dafür bereits beeindruckend viele Akteure ins Boot geholt – oder, um beim Sprachbild zu bleiben, ins gemeinsame Zugabteil. „KI“ steht für Künstliche Intelligenz, „Hub“, bedeutet wörtlich „Nabe“, bezeichnet in der Luftfahrtbranche ein Drehkreuz und ist momentan auch darüber hinaus in Mode, wenn der Netzwerkgedanke betonen werden soll.

16 Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft haben am Dienstag im „Logistics Living Lab“ in der Leipziger Mädler-Passage eine „Gemeinsame Absichtserklärung“ unterschrieben, den „KI-Hub Sachsen“ aufzubauen und unter Federführung des InfAI im Sommer in Betrieb zu nehmen. Sie wollen damit erklärtermaßen „Künstliche Intelligenz in Anwendung“ bringen. Zu den Unterzeichnern gehören Uni-Rektorin Beate Schücking, ihre Amtskollegin Gesine Grande von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK), Stephan Stubner, Rektor der Handelshochschule (HHL), Georg Teutsch, Chef des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, sowie Vorstandsmitglieder von AOK Plus, der Mitteldeutschen Flughafen AG, des Staatsbetriebs „Sächsische Informatik Dienste“ und mehrerer IT-Betriebe.

Nationale und internationale Sichtbarkeit

„Forschung, Lehre und insbesondere Transfer von Innovationen“, so heißt es in dem Papier, wolle man „so verzahnen, dass ein aktiver Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung im Freistaat Sachsen geleistet wird“. Für Thomas Popp, Beauftragter für Informationstechnologie der sächsischen Staatskanzlei, soll der KI-Hub vor allem für die Halbleiterindustrie, Automobilhersteller, Maschinenbauer, die Software- und Logistikbranche sowie für die chemische Industrie des Bundeslands zum Ansprechpartner werden. „Und zudem die sächsische Forschung national und international sichtbar machen.“

„Die Universität kann eine Menge Know-how einbringen“, verspricht Schücking, „und selbst zur Adresse für die Anwendung werden“. Grande wiederum verortet die HTWK insbesondere „an der Schnittstelle zwischen KI und den verschiedenen Ingenieurdisziplinen“. Die meisten HTWK-Studenten stehen über Praktika ohnehin bereits im Kontakt zu konkreten Unternehmen.

Flughafen Leipzig/Halle – ein „spannendes Testfeld“

Eines davon ist der Flughafen Leipzig/Halle, dessen Chef Johannes Jähn ein „spannendes Testfeld“ zur Verfügung stellen will. Nicht ganz uneigennützig: Vom autonomen Fahren bis hin zu selbsterkennender Maschinenwartung reichen dort mögliche Anwendungen. Bei der AOK Plus verteilt Künstliche Intelligenz bereits die gesamte Eingangspost. Mehr als 90 Prozent landeten auf dem richtigen Schreibtisch, sagt Stefan Knupfer, stellvertretender Vorstand der Krankenkasse. „Die Quote ist höher als zuvor bei unseren Mitarbeitern“.

An der HHL forsche man nach weiteren Geschäftsmodellen und Märkten, kündigt Stubner an. Einige davon werden im „Spin Lab“ entwickelt. Nach Eric Weber, Geschäftsführer dieser HHL-Ausgründung, muss sich der „KI-Hub Sachsen“ aber in erster Linie auf „Nischen der Anwendung konzentrieren“. Mit groß angelegten Projekten aus China, Israel und den USA sei dagegen kaum mehr mitzuhalten. Die ersten Weichen Richtung Goldgrube sind also bereits anderswo gestellt.

Von Mathias Wöbking

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