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Lokales "Ich tanze mit Kopf und Körper" - die polnische Tänzerin Aleksandra Wójcik
Leipzig Lokales "Ich tanze mit Kopf und Körper" - die polnische Tänzerin Aleksandra Wójcik
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23:59 02.03.2014
Von Cornelia Lachmann
Aleksandra Wójcik Quelle: André Kempner

Im Vorfeld der Gesprächsrunden stellt die Leipziger Volkszeitung die Protagonisten vor. Heute: die Tänzerin Aleksandra Wójcik.

Sie ist keine dieser kleinen, zerbrechlich anmutenden Ballerinen, die mit einem Hauch von Tutu über die Bühne schweben. Mit ihren 1,70 Metern überragt sie manche ihrer Kolleginnen. "In modernen Companys spielt die Größe nicht die Rolle. Je klassischer aber das Repertoire, desto strenger ist das mit dem Aussehen", erklärt Aleksandra Wójcik, die es nach wie vor mag, ihre Spitzentanzschuhe zu schnüren. "Auch wenn ich immer etwas kräftiger war, liebe ich die klassische Technik und will sie mit zeitgenössischem Ausdruck verbinden."

Die 31-Jährige absolvierte in Danzig die Staatliche Ballettschule und bewegt ihren Körper zu Musik "seit ich mich erinnern kann". Inzwischen stand sie nicht nur in Polen, sondern auch in Deutschland und Großbritannien sowohl mit klassischem als auch modernem Repertoire auf der Bühne.

"Aber irgendwann wollte ich meinen Horizont noch erweitern, etwas Neues kennenlernen", sagt sie in nahezu akzentfreiem Deutsch. Dabei kannte sie kaum eine Vokabel, als sie sich 2001 erstmals in Richtung Hof aufmachte. Am dortigen Theater hatte sie ein Engagement bekommen. "In der Company gab es zum Glück viele Polen. Aber beim Tanz bedarf es ohnehin nur wenig Worte. Wenn sich solch ein internationales Ensemble verständigt, dann in Englisch." Dennoch besuchte sie die Volkshochschule, nahm Privatunterricht und setzt sich seither intensiv mit der deutschen Sprache auseinander.

So sehr, dass sie letztlich vor viereinhalb Jahren mit ihrem Freund nach Leipzig kam, um hier zu studieren. Mittlerweile sitzt sie in zwei Masterstudiengängen, die sie in Ostslawistik sowie in Deutsch als Fremdsprache parallel belegt, große Teile ihres Tages über den Büchern. "Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich als Ausländerin das Fach Deutsch als Fremdsprache am Herderinstitut belegen darf. Und ich bin richtig begeistert", schwärmt sie. Eine kleine Gruppe Mathematik-Studenten dürfe sie auch bereits unterrichten. "Diese Arbeit macht mir riesigen Spaß. Neulich haben wir noch lange nach dem Seminar diskutiert und Verbindungen zwischen der Mathematik und Ästhetik hergestellt. Ich hätte gar nicht geglaubt, dass es so etwas gibt!" Nach ihrer Kopfarbeit im Campus, daheim oder in der Bibliotheca Albertina ("Dort lerne ich besonders gern, die Campus-Bibliothek ist mir dagegen zu modern."), schwingt sie sich abends aufs Rad und strampelt von Schleußig nach Plagwitz. Dort hält sie dann ihren Körper fit. Im Internationalen Choreographischen Zentrum Leipzig (ICZ) arbeitet sie als Tänzerin, Dozentin und Assistentin der Direktorin Montserrat León. "In erster Linie werde ich immer Tänzerin bleiben. Ich tanze mit dem Körper und dem Kopf, liebe es zu improvisieren, möchte mit Bewegung etwas ausdrücken." Was das Publikum darin sehe, sei dann eine andere Sache.

"Sprachen studiere ich nicht zuerst, um einen zweiten Job zu haben, sondern um das Studium zu erleben", betont die aufgeschlossene junge Frau. Und dafür sei Leipzig der ideale Ort. "Hier finden wir einen guten Mix von Großstadt und Überschaubarkeit. Die Architektur der Innenstadt gefällt mir ebenso wie das Flair von Plagwitz - Das hat was! Ich genieße die Natur im Clara-Zetkin-Park und dass man überall mit dem Rad hinkommt. Das kulturelle Angebot hier ist so groß, dass man es gar nicht ausschöpfen kann." Wenn dann doch mal etwas freie Zeit bleibt, fährt Aleksandra gern mit ihrem Freund in den Harz, wo sie auf ihrem Lieblingsweg wandernd ausspannen und Kraft schöpfen. "Und wenn ich mal zu meinen Eltern nach Stettin möchte, bringt mich der Zug in nur dreieinhalb Stunden hin. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich hier in Leipzig leben darf."

iAleksandra Wójcik ist am Donnerstag, 6. März, Gast der 10. Folge der Reihe "Polen von hier", die 19 Uhr, im Polnischen Institut, Markt 10, beginnt. Der Eintritt wie stets frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.03.2014

Cornelia Lachmann

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