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Lokales Immer mehr Obdachlose schlafen in Leipzig in der City
Leipzig Lokales Immer mehr Obdachlose schlafen in Leipzig in der City
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15:05 05.12.2019
Schutz vor der Witterung unter den Arkaden: Obdachlose übernachten am Leipziger Gewandhaus. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Winter mit seinen niedrigen Temperaturen ist für Obdachlose die schwierigste Jahreszeit. Immer wieder erreichen die Leipziger Volkszeitung Anfragen von Lesern, die Menschen aus ihrer Situation helfen wollen, aber nicht weiterkommen. Leipzigs Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst erklärt, warum man an manchen Punkten machtlos ist und wie man sich am besten verhält.

Studien sprechen davon, dass es immer mehr Obdach- und Wohnungslose in Deutschland gibt. Können Sie das für Leipzig bestätigen?

Es gibt keine validen Statistiken zur Anzahl obdachloser Personen. Daten, die dazu veröffentlicht werden, basieren meist auf Teilerfassungen, zum Beispiel Stichtagserhebungen der Straßensozialarbeiter. Fest steht: In unserem Stadtbild hat die Zahl obdachloser Personen zugenommen, da deren bisherige Rückzugsorte wie leerstehende Häuser oder ehemalige ungenutzte Gewerbeflächen – beispielsweise an der Westseite des Hauptbahnhofes – schwinden.

Wie verhält sich jemand, der helfen will, am besten gegenüber Obdachlosen?

Das kommt ganz auf die Situation an. Trifft man auf Personen, die schutzlos sind und aus eigener Kraft keine Notschlafstelle erreichen können, sollte immer der Rettungsdienst hinzugezogen werden. Obdachlose Personen, die orientiert und ansprechbar sind, können über die Angebote der Wohnungslosenhilfe informiert werden, die auf unserer Internetseite veröffentlicht sind.

Angenommen, ein Obdachloser lehnt Hilfe ab – kann man trotzdem etwas tun?

Bei Gefahr für Leib und Leben sollte immer der Rettungsdienst informiert werden. Ansonsten hat natürlich jeder das Recht, Angebote zur Unterstützung auch abzulehnen.

Oft rufen Bürgerinnen oder Bürger die Polizei oder Rettungsdienste an und beschweren sich, dass sich an der Situation nichts ändert. Was können die ausrichten und wo sind sie machtlos?

Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung. Darunter fällt auch, selbst zu entscheiden, ob man Hilfe annimmt oder auch nicht. Das als Außenstehender zu akzeptieren, ist nicht immer leicht. Wichtig ist mir, dass alle Betroffenen über die Hilfsangebote informiert sind und nicht aus Unkenntnis in der Obdachlosigkeit verbleiben.

Haben Streetworker mehr Einfluss auf Obdachlose?

Die Streetworker der Diakonie und des Suchtzentrums, die in unserem Auftrag obdachlose Menschen aufsuchen und beraten, sind aufgrund ihrer Ausbildung geschult im Umgang mit solchen Situationen. Sie kennen die Möglichkeiten, wie man Obdachlose zu Veränderungen motivieren kann, auch wenn es dafür häufig wiederholter Kontakte zur Herstellung von Vertrauen bedarf.

Nun kommt die Kälte und der Tod durch Erfrieren droht. In welcher Situation macht man sich als Außenstehender strafbar, wenn man nicht eingreift?

Strafbar kann man sich bei unterlassener Hilfeleistung machen. Beim Auffinden oder Antreffen offensichtlich hilfloser Personen ist man verpflichtet, etwas zu unternehmen.

In den letzten Monaten übernachten viele unter dem Dach des Gewandhauses. Was sorgt dafür, dass sich die Standorte zur Übernachtung ändern?

Da andere oder bisherige Rückzugsmöglichkeiten im Zuge der Verdichtung in unserer Stadt nicht mehr vorhanden sind, suchen mehr Obdachlose in den Arkaden unter dem Gewandhaus Schutz vor der Witterung.

Angenommen, das Gewandhaus oder dessen Besucher fühlen sich durch die Obdachlosen gestört – darf man dagegen vorgehen?

Sollte sich jemand gestört fühlen, kann man sich ans Gewandhaus wenden. Das kann sein Hausrecht gegenüber allen Personen ausüben, die sich nicht an die Hausordnung halten. Sollten Passanten direkt angegriffen werden, können sie sich natürlich direkt an die Polizei wenden.

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Von Mark Daniel

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