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Lokales In Leipzig gibt es die Geburtsurkunde ohne Gang zum Standesamt
Leipzig Lokales In Leipzig gibt es die Geburtsurkunde ohne Gang zum Standesamt
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22:00 16.11.2017
Dokumentenmappe für Geburtsurkunden.
Dokumentenmappe für Geburtsurkunden.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Rennereien wegen der Geburtsurkunde gehören in Leipzig der Vergangenheit an: Denn den Gang zum Standesamt können sich Eltern künftig ersparen. Die Geburtsurkunde lässt sich nun direkt am Wochenbett beantragen. „Mit diesem Service erweitert die Stadtverwaltung ihr Angebot für die Bürger“, freut sich Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD). Die Eltern bekommen zugleich eine Bearbeitungsgarantie. „Binnen 14 Tagen nach der Geburt ihres Kindes erhalten sie von uns die Geburtsurkunde“, verspricht Standesamtsleiter Uwe Bernhardt.

Bürgernähe ganz ohne Kontakt zur Behörde – so umschreibt er den neuen Service, dessen Dreh- und Angelpunkt eine gelbe Dokumententasche bildet. „Den Umschlag bekommt die werdende Mutter gleich bei ihrem ersten Termin in der Klinik“, erläutert Bernhardt das Prinzip. Darin befinden sich Informationen zu allen Papieren, die für die Ausstellung der Urkunde dem Standesamt vorliegen müssen. Diese Dokumente legen die Eltern dann zu Hause in aller Ruhe in den Umschlag und bringen diesen zum Geburtstermin ins Krankenhaus mit. Von dort werden die Unterlagen dann zusammen mit der Geburtsanzeige der Klinik per Kurier ans Standesamt weitergeleitet und dort bearbeitet.

Dokumente werden vor der Geburt gesammelt

Neben Kopien etwa vom Personalausweis der Eltern müssen auch Originaldokumente vorgelegt werden – zum Beispiel die Geburtsurkunden der Eltern, Eheurkunden oder ein rechtskräftiges Scheidungsurteil der Mutter. „Wir geben den Bürgern aber die Sicherheit, dass mit ihren Dokumenten ordentlich umgegangen wird“, betont Bernhardt. Die verschlossenen Umschläge würden erst im Standesamt geöffnet. Die Geburtsurkunden (drei sind kostenfrei) werden dann per Nachnahme (Gebühr zwischen 5,85 und 7 Euro) an die Eltern verschickt oder könnten auf Wunsch an sechs Tagen in der Woche im Bürgeramt in der Otto-Schill-Straße 2 abgeholt werden. Natürlich könne die Geburtsurkunde auch weiterhin im Standesamt beantragt werden. Diesen Weg müssen Eltern, bei denen mindestens ein Teil einen Migrationshintergrund hat, ohnehin gehen.

Mit ins Boot geholt hat das Standesamt für das neue Verfahren das Klinikum St. Georg, das St.-Elisabeth-Krankenhaus und das Universitätsklinikum. Seit Oktober bietet das St. Georg den Service bereits an, der mittlerweile von 77 Eltern genutzt wurde. Geschäftsführerin Iris Minde: „Es stellt für die Eltern eine enorme Erleichterung dar, noch unmittelbar im Krankenhaus alles Behördliche in die Wege leiten zu können. Dafür haben wir extra eine neue Stelle geschaffen, die den Eltern beim Ausfüllen der Unterlagen hilft und sicherstellt, dass alles vollständig ist.“ Mit dem Elisabeth-Krankenhaus hatte das Standesamt im Frühjahr ein Pilotprojekt gestartet. Zweimal in der Woche kam eine Standesbeamtin in die Klinik und stellte dort die Geburtsurkunden aus. „Das ist sehr gut angelaufen“, so Geschäftsführer Albrecht Graf Adelmann. Allerdings reichte der Service nur für 30 Kinder. Pro Woche kommen im Elisabeth aber im Schnitt 45 Kinder zur Welt.

Das neue System ist da deutlich flexibler und für das Standesamt personell besser zu verkraften. Denn für Vor-Ort-Besuche hätte das Standesamt pro Klinik eine halbe Personalstelle mehr gebraucht.

Von Klaus Staeubert