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Lokales In Leipzig ist jeder Fünfte ehrenamtlich aktiv
Leipzig Lokales In Leipzig ist jeder Fünfte ehrenamtlich aktiv
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22:47 20.04.2018
Ehrenamt boomt
Die Helfer Brigitte Schulz (67) und Gleice Rosendo (22) bei der Lebensmittelausgabe bei der Leipziger Tafel Quelle: Andre Kampner
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Leipzig

Ob in Kirchengemeinden, bei der Feuerwehr, im Verein oder in der Flüchtlingshilfe: Auch in Leipzig engagieren sich zehntausende Bürger ehrenamtlich. Allein im Sportbereich machen sich laut Stadtsportbund 98 710 Leipziger für 401 Vereine in 15 Verbänden stark, laut der letzten aktuellen Bürgerumfrage von 2015 ist knapp jeder fünfte Leipziger freiwillig aktiv. In der heute beginnenden LVZ-Serie „Die Ehrenamtlichen“ stellen wir Menschen vor, die sich auf unterschiedlichste Art für Andere einsetzen.

Ohne Ehrenämtler würde vieles nicht funktionieren

„Ohne das Ehrenamt würde der Sport nicht funktionieren“, betont Uwe Gasch, ehemaliger Weltklasse-Ruderer und seit 2004 ehrenamtlicher Präsident des Stadtsportbunds Leipzig. Nicht selten opfern beispielsweise Übungsleiter ihren Urlaub für Trainingslager mit Jugendlichen, auch im Seniorenbereich gibt es viele Helfer. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, steigt: „In der letzten Legislaturperiode gab es einen Zuwachs von 9.700 Mitgliedern, wir haben jetzt über 98.000 Mitglieder in den Vereinen“, so Gasch.

Auch im Rathaus ist man sich „sehr bewusst darüber, dass die Gesellschaft ohne Ehrenämter nicht funktionieren würde“, sagt Leipzigs Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst. Mehrfach im Jahr würdigt die Stadt Helfer aus allen Bereichen, zum Beispiel lädt Oberbürgermeister Burkhard Jung im Dezember 250 Ehrenamtliche zu einem Empfang in die Oper ein, am 14. Juni verleiht er die Goldene Ehrennadel an sieben Leipziger.

Ehrenamt und Aufgaben des Sozialstaates

So ehrenhaft die Arbeit ist – sie steht oft auch in Verbindung mit Bedenken, zumindest teilweise den Sozialstaat aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung zu entlassen. In den Klauseln von Kommunen gilt die Sportförderung als freiwillige Aufgabe, was Uwe Gasch für „Unfug“ hält. „Hier wird unterschätzt, dass der Sport eine soziale und politische Aufgabe erfüllt, zum Beispiel ermöglicht er das Miteinander unabhängig von Nationalitäten.“

Soziologie-Professor Stefan Selke sieht einen Aspekt bei den so genannten Tafeln kritisch, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. Aus seiner Sicht sollten sie keine dauerhafte Einrichtung sein, doch „scheint sich das System zu verfestigen, weil viele davon profitieren“, so der Wissenschaftler (Hochschule Furtwangen). Auch Werner Wehmer, Leiter der Leipziger Tafel, sieht die Politik in der Pflicht, sich stärker für Bedürftige einzusetzen. Kador-Probst verweist darauf, dass in den unterschiedlichen Sozialleistungen stets ein Anteil für Ernährung eingerechnet ist; „daher stiehlt sich die öffentliche Hand keineswegs aus der Verantwortung.“

Bundesweit sind es laut Bundesfamilienministerium mehr als 31 Millionen Menschen – 43,6 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren –, die ehrenamtlich tätig sind. Vor allem im Sport ist die Freiwilligenarbeit enorm, jeder Sechste wirkt in einem Verein mit.

Von Mark Daniel