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Leipzig Lokales So wenige Wohnungen sind in Leipzig gebaut worden
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16:54 22.07.2019
Baukräne über dem neu entstehenden Wohngebiet am Lindenauer Hafen in Leipzig. (Symbolbild) Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa
Leipzig

In den Städten zu wenig, auf dem Land zu viel: In einem Großteil der sächsischen Kommunen wird am Bedarf vorbeigebaut. Am größten ist das Bedürfnis laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Leipzig. Allerdings entstanden hier zwischen 2016 und 2018 im Verhältnis die wenigsten der benötigten Wohnungen.

Dem ermittelten Bedarf von 4201 Wohnungen standen laut Studie 1901 neu errichtete Wohnungen gegenüber – jeweils pro Kalenderjahr. Nur 45 Prozent der benötigten Neubauwohnungen seien auch entstanden. Damit zählt die Messestadt neben Köln, Kiel oder Braunschweig deutschlandweit zu den 30 Landkreisen oder kreisfreien Städten, in denen weniger als die Hälfte des Bedarfs gedeckt worden sind.

Diese Entwicklung kritisierte auch die Leipziger Linksfraktion. „Ja, es ist richtig – in Leipzig reichen vor allem die preiswerten Wohnungen nicht“, teilte der wohnungspolitische Sprecher Mathias Weber am Montag mit. „Jetzt wird es auch bei Zwei-Raum-Wohnungen knapp.“

Am zweitschlechtesten in Sachsen sieht es den Ergebnissen des IW-Wohnungsbedarfsmodells nach im Landkreis Görlitz (55 Prozent) aus, gefolgt von der Stadt Dresden (62 Prozent). In der Landeshauptstadt seien pro Jahr 4221 Wohnungen benötigt, aber nur 2612 gebaut worden.

Zu viele Neubauten in Nordsachsen

Ganz anders sieht es in den Kreisen Bautzen, Erzgebirge, Zwickau oder Mittelsachsen aus. Statt zu wenig sei dort zu viel gebaut worden, so die IW-Studie. Besonders stark war diese Entwicklung in Nordsachsen. Dort liege das Verhältnis zwischen Baufertigstellungen und Wohnungsbedarf bei 182 Prozent – insgesamt wurden hier jährlich 497 Wohnungen gebaut. Benötigt wurden den Angaben nach aber nur 273. In solchen Gegenden sollten Investitionen statt in Neubauten besser in bereits bestehende Gebäude fließen, so die Schlussfolgerung der Macher der Studie.

Relativ ausgewogen ist das Verhältnis in den Landkreisen Meißen, Vogtland und Leipzig. In letzterem wurde der Bedarf zu 94 Prozent erfüllt. Auch Chemnitz schneidet laut Studie halbwegs gut ab: 387 Wohnungen seien gebaut, 321 benötigt worden – ein Wert von 120 Prozent.

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Bedarf teils nicht mal zu einem Drittel gedeckt

In Sachsens Nachbarländern sieht es ähnlich aus wie Freistaat. Im thüringischen Eisenach wurde der Bedarf nur zu 27 Prozent gedeckt, in Gera zu 39 Prozent. Im Altenburger Land liegen Bedarf und Fertigstellung mit 108 benötigten und 134 neuen Wohnungen einigermaßen gleich auf.

Im Jerichower Land nordöstlich von Magdeburg wurde mit 187 Wohnungen mehr als die doppelte Menge der 88 benötigten Wohnungen gebaut. Auch in den Großstädten Halle und Magdeburg ist der Bedarf übererfüllt, der größte Mangel in Sachsen-Anhalt besteht laut Studie in Dessau-Roßlau. Dort seien 70 neue Wohnungen gebaut worden.

Einwohnerzuwachs macht sich bemerkbar

Berücksichtigt wurden bei der Auswertung unter anderem Daten zum aktuellen Leerstand und dem prognostizierten demografischen Wandel. Bei den Städten Dresden und Leipzig spielt dabei vor allem das vorausgesagte Wachstum eine Rolle – bis zum Oktober sollen 600.000 Einwohner in der Messestadt leben, sind sich Statistiker sicher.

Außerdem sei der Faktor „altersabhängiger Wohnkonsum“ einbezogen worden. Dazu gehöre die wachsende Pro-Kopf-Wohnfläche und der Trend zu kleineren Haushalten. Daraus ergibt sich ein Bedarf, den die Autoren mit der Zahl der in den vergangenen drei Jahren fertiggestellten Wohnungen verglichen.

Von Josephine Heinze

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