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Lokales Italienischer Coronapatient stirbt in Leipzig
Leipzig Lokales Italienischer Coronapatient stirbt in Leipzig
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16:54 01.04.2020
Corona-Patienten aus Italien landen am 24. März auf dem Flughafen in Leipzig/Halle. Quelle: Toni Meier
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Leipzig

Im Kampf um das Überleben der schwerkranken italienischen Corona-Patienten hat sich die Lage zugespitzt. Der medizinische Vorstand des Leipziger Uniklinikums (UKL), Professor Christoph Josten, teilte am Mittwoch auf einer Video-Pressekonferenz in Dresden mit, dass einer der beiden Patienten aus Italien, die von Bergamo nach Leipzig verlegt worden waren, den Mittwochmorgen nicht überstanden hat.

Der 57-Jährige war erst in der vergangenen Woche vom Leipziger Uniklinikum übernommen worden. Sein Zustand habe sich dann am Wochenende jedoch weiter verschlechtert. Der Professor ergänzte, mitbedingt sei dessen Tod „sicherlich auch durch eine andere wesentliche Vorerkrankung, die zuvor nicht bekannt war“. Demzufolge habe Corona möglicherweise nur eine Nebenrolle gespielt. Das UKL gab als Todesursache ein Multiorganversagen an.

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Josten sagte, man stehe nunmehr mit der Italienischen Botschaft in Deutschland in Verbindung, um die Modalitäten der Überführung in die Heimat zu klären. Die Angehörigen seien bereits informiert. Der zweite Patient am Uniklinikum sei in einem stabileren, aber ebenfalls ernsten Zustand.

Hindricks: „Der Einschlag wird kommen.“

Auch das Leipziger Herzzentrum (HZL) kämpft um die Leben zweier an Covid-19 erkrankter Italiener. Der Ärztlicher Leiter, Professor Gerhard Hindricks, sagte gegenüber LVZ: „Es ist tatsächlich so, dass einer der beiden Patienten in äußerst kritischem Zustand ist.“ Er sei jetzt mit einer künstlichen Lunge versorgt worden und habe ein hohes Risiko, die Krankheit nicht zu überstehen.

„Das ist die letzte Methode, die moderne Medizin heute einsetzen kann“, erinnerte Hindricks. Greife sie, sei Hoffnung. Tue sie das aber nicht, gebe es keine weiteren Möglichkeiten. „Das gesamte Team kämpft 24 Stunden – ähnlich wie die Kollegen an den Universitätskliniken in Leipzig und Dresden – um das Leben dieser Patienten.“ Hingegen habe sich der zweite Patient ein wenig stabilisiert, so der Ärztliche Leiter. Dennoch: „Beide ringen noch um ihr Leben, das steht außer Frage.“

Hindricks warnte, in vielen Bereichen Sachsens sei derzeit ein Anstieg schwerer Verläufe der Krankheit festzustellen. Man beobachte sehr aufmerksam und angespannt, wann sich daraus ein Behandlungsschub ergebe. „Ich rechne in den nächsten Wochen mit einer deutlichen Zunahme der Fälle“, sagte Hindricks. „Der Einschlag wird kommen. Die Größe des Kraters ist unklar.“ Man sei gut vorbereitet für einen heftigen Angriff von Covid-19. „Niemand muss sich in Sachsen Sorgen machen, dass wir vor zu knappen Ressourcen stehen – in absehbarer Zeit.“

Mehr Hoffnung für Chemnitzer und Dresdner Patienten

Laut Josten ist der Zustand der Patienten am Städtischen Klinikum Chemnitz beziehungsweise am Dresdner Uniklinikum hoffnungsvoller. Es zeige sich, dass die Behandlung der intensivmedizinischen Patienten mit Corona-Erkrankungen eine aufwendige und intensive, aber keine kurzfristige von zwei bis drei Tagen sei, so Josten. „Wir müssen einen Zeitkorridor von zehn bis 14 Tagen sicherlich einrechnen für die Intensivbehandlung von Corona-Patienten.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte in der vergangenen Woche im Vorfeld der Aktion von einem „ganz, ganz wichtigem Zeichen“ gesprochen, dass man anderen auch helfe, wenn man die Möglichkeit dazu habe.

Köpping: „Lassen Sie sich helfen“

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gab die Zahl der im Freistaat an Covid-19 verstorbenen Patienten am Mittwoch mit mittlerweile 18 an (Stand: 13 Uhr). „Das ist eine Entwicklung, die uns schon Sorgen macht“, sagte die Ministerin. Alle seien älter als 74 gewesen. Köpping kündigte an, dass 182.000 Mund- und Nasenschutzmasken vom Bund an in den drei kreisfreien Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz sowie in den Landkreisen an Beschäftigte der sozialen Dienste verteilt würden, darunter Pflegedienste, Hospize und Wohnheime.

Sie sagte, dass das eine geringe Menge sei. Aber es sei besonders wichtig, die Pflegekräfte zu schützen, die im engen Kontakt mit den von ihnen zu Betreuenden stünden. Köpping appellierte ausdrücklich auch an ältere Menschen: „Bleiben Sie zuhause. Lassen Sie sich helfen beim Einkauf oder bei Dingen, wo Sie eben Hilfe brauchen.“ Offiziell sind in Sachsen nun 2245 Patienten an Corona erkrankt, 161 mehr als am Vortag.

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Von Roland Herold