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Lokales Job-Wunder geht weiter: Nordraum soll trotzdem grüner und wohnlicher werden
Leipzig Lokales Job-Wunder geht weiter: Nordraum soll trotzdem grüner und wohnlicher werden
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00:21 07.12.2017
Seit dem Jahr 2000 sind im Leipziger Nordraum rund 37 000 feste Arbeitsplätze neu entstanden – die meisten davon an diesen vier Stellen.  Quelle: Quelle: Stadt Leipzig/Grafik: Patrick Moye
Leipzig

 Zwei Besonderheiten weist der nördliche Leipziger Wirtschaftsgürtel rings um die Autobahn 14 auf. Das strich Jan Richert vom Stadtplanungsamt jetzt bei einem Bürgerforum in Wiederitzsch heraus, bei dem der fast fertige Entwurf für das neue „Nordraumkonzept 2025+“ noch mal mit der Bürgerschaft diskutiert wurde. „Mit 110 Quadratkilometern ist das Gebiet besonders groß“, sagte Richert. „Und es sind hier seit der Jahrtausendwende fast 37 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden, also ungefähr ein Job pro Einwohner.“

Ob Fluglärm oder deutlich mehr Autoverkehr – für die fünf Leipziger Ortsteile habe das auch Nachteile gebracht, so Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU). „Ich kann nicht erwarten, dass die Bewohner vor Ort nur die Lasten des Aufschwungs tragen. Sie sollen auch etwas davon haben.“ Gemeinsam mit dem Kreis Nordsachsen sowie den Nachbarkommunen Schkeuditz, Rackwitz, Krostitz und Taucha habe die Messestadt deshalb seit 2015 ein altes Nordraumkonzept überarbeitet. Der neue Entwurf, der schon in allen Ortschaftsräten diskutiert wurde und 2018 in den Stadtrat komme, stecke die Ziele für die nächsten zehn Jahre ab.

„Der Konsens-Ansatz war uns dabei besonders wichtig. Sowohl der Konsens mit den Nachbargemeinden als auch mit den betroffenen Leipziger Ortsteilen“, betonte Albrecht. Nur gemeinsam könne der Nordraum weiter erfolgreich entwickelt werden. Das zeige sich schon daran, dass gut 15 000 der 37 000 neuen Jobs nicht auf Leipziger Fluren entstanden seien.

Das „Nordraumkonzept 2025+“ umfasse folgerichtig Gebiete von Nordsachsen und von Leipzig, fuhr Planer Richert fort. Auf dem Territorium der Messestadt herrsche mittlerweile ein Mangel an schnell verfügbaren Industrieflächen – vor allem an großen mit mehr als 100 Hektar oder nahe des längst ausgebuchten Güterverkehrszentrums (GVZ) mit dem Flaggschiff Porsche. Hingegen liefen im Schkeuditzer Flughafenumfeld gerade große Gewerbeflächen-Entwicklungen. „Insgesamt sind genügend Flächen für verschiedene Nutzungen frei.“

Die künftige Strategie ziele darauf ab, das Wachstum der Wirtschaft mit den Themen Lebensqualität, Verkehr, Grünflächen und Landwirtschaft zu versöhnen. So sollen deutlich mehr Wohnungen gebaut werden, alle ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für weitere Ansiedlungen direkt im Nordraum umgesetzt werden. Zum Beispiel habe die Stadt die frühere Schweinemastanlage Göbschelwitz gekauft, um sie nach dem Abriss als Ausgleichsfläche nutzen zu können. Potenziale in diesem Sinne hätten noch 40 weitere Areale, erklärte er. Die Landwirte müssten mehr Unterstützung und langfristige Planungssicherheit für die von ihnen gepachteten Felder erhalten. „Der Verlust von Landwirtschaftsflächen wird abnehmen, aber dennoch weitergehen.“

Weitere Gewerbeparks sollen nur noch im Umfeld vorhandener „Leitunternehmen“ erlaubt werden oder wenn sie mindestens 30 qualifizierte Jobs pro Hektar bringen. Bestes Beispiel dafür sei der neue VGP-Park nahe der Messe mit dem Schweizer Möbelhersteller USM Haller. „Wir haben aber auch schon Verteilzentren nicht erlaubt, wenn sie nur sehr wenige Jobs gebracht hätten“, sagte Richert.

Für mehr Lebensqualität sollen weitere Radwege (etwa zum Schladitzer See), Spielplätze, ein Landschaftsverbund von Lindenthal bis Wiederitzsch und eine grüne Nord-Süd-Achse entlang der Radefelder Allee sorgen. „Der Flughafen hat im letzten Jahr den neuen Dreieckswald bei Lützschena/Stahmeln auf 28 Hektar angepflanzt. Dieses grüne Band werden wir durch weitere Planungen fortführen.“

Bürgermeister Albrecht sagte, ein Vertrag mit den Leipziger Verkehrsbetrieben zur besseren Bus-Anbindung des Industrieparks Nord samt BMW-Werk stehe „kurz vor der Unterschrift“. Um den Auto-Schleichverkehr in den Ortschaften ringsum zu verringern, zudem auch am GVZ generell bessere Verkehrsbedingungen zu schaffen, habe sein Dezernat gemeinsam mit dem Freistaat zwei Untersuchungen für Verkehrskonzepte eingeleitet. „Mit Fertigstellung der Landsberger Brücke ergeben sich neue Möglichkeiten für die Buslinie 87“, so Wirtschaftsförderin Anja Hähle-Posselt. „Das betrifft die Erreichbarkeit des Sachsenparks, aber auch des Ex-Bundeswehrkrankenhauses, wo sicher bald hunderte Menschen arbeiten.“ Viel Beifall bei den 50 Besuchern fand ein Sondertopf der Stadt, mit dem seit 2015 kleine Projekte in den fünf nördlichen Ortsteilen finanziert werden. Pro Jahr sind da gut eine Million Euro abrufbar, was sich nicht ändern soll.

Von Jens Rometsch

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