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Lokales Juristen-Neubau: Planung kann beginnen
Leipzig Lokales Juristen-Neubau: Planung kann beginnen
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07:51 24.01.2019
Keine Sorge, die Leipziger Juristenausbildung wird nicht von einem Discounter gesponsert. Es handelt sich nur um den Nachbarn. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Juristen waren zuerst da. Vor mehr als einem halben Jahrtausend. Dennoch wirkt ihre Fakultät in der Gegenwart irgendwie deplatziert im Petersbogen – zwischen Discounter, Drogerie und Kinotempel in einem Einkaufszentrum in der Leipziger Innenstadt. Im Cinestar finden sogar regelmäßig Jura-Vorlesungen statt. Mangels eigener Kapazitäten mietet sich die Uni ein.

Die Juristenfakultät stößt an ihre räumlichen Grenzen, und das ist politisch gewollt. Im „Hochschulentwicklungsplan 2025“ hat die Landesregierung vor drei Jahren beschlossen, das Studium der Rechtswissenschaft innerhalb Sachsens auf Leipzig zu konzentrieren. Das Jura-Angebot an der Technischen Uni Dresden läuft seither aus. Professoren wechseln nach Leipzig, wo die Zahl der Studienanfänger von derzeit rund 500 auf 750 pro Jahr steigen soll.

Für den Übergang haben die Rechtswissenschaftler bereits drei Etagen in der Nähe des Peterbogens übernommen: in der Burgstraße 21. Auch die Bibliothek verteilt sich auf beide Standorte. Für Fakultätsdekan Tim Drygala ist das aber nur eine Notlösung: „Die Zweiteilung ist sowohl aus Benutzersicht als auch betriebstechnisch nicht gut“, sagt er. „Der Fakultätsausbau ist im vollen Gange, und wir brauchen bald möglichst ein entsprechendes Gebäude. Je eher wir in die Planung einsteigen, desto besser.“

Am liebsten auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz

Im Doppelhaushalt für 2019 und 2020 schafft der Landtag jetzt die Voraussetzung. Ein sogenannter „Leertitel“ ermöglicht, mit der Planung zu beginnen, ohne schon zu wissen, welche konkreten Kosten anfallen. „Der Landtag bringt damit seinen politischen Willen zum Ausdruck, dass ein neues Fakultätsgebäude mit Mensa entstehen soll“, sagt der Leipziger SPD-Abgeordnete Holger Mann, stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses. Sein CDU-Kollege Oliver Fritzsche, Vorsitzender des Gremiums, mahnt zur Eile bei der Grundstücksuche: „Bereits 2019 müssen erste konkrete Planungsschritte für den Gebäudekomplex unternommen werden.“

Uni-Rektorin Beate Schücking brachte im Sommer in einem LVZ-Interview den Wilhelm-Leuschner-Platz als künftigen Standort ins Spiel. Der Jura-Dekan kann dieser Idee viel abgewinnen: „Leuschnerplatz, Ecke Grünewaldstraße wäre ideal, was die Anbindung an den Campus Augustusplatz angeht, und auch sonst von der Erreichbarkeit her erste Wahl“, sagt Drygala. Neben Bibliothek und Mensa müsse das Gebäude nach seiner Vorstellung einen weiteren großen Hörsaal enthalten, „damit die zeitweilige Kinonutzung nicht zur Dauerlösung wird.“

Der Ausbau soll nicht zu Lasten anderer Fächer gehen

Auf Dauer gestärkt hat der Landtag mit dem Doppelhaushalt auch die Personalsituation an der Juristenfakultät: Zwei Professuren und fünf Mitarbeiterstellen, die zunächst bis 2023 befristet waren, werden verstetigt. Zur Finanzierung dieser sieben und sechs weiterer neuer Stellen fließen 2019 zusätzlich 1,02 Millionen Euro und 2020 dann 1,04 Millionen Euro aus Landesmitteln an die Uni Leipzig. Seit mehr als einem Jahr habe man sich für die Entfristungen stark gemacht, sagt Drygala. „Seit dem Herbst kamen aus den Ministerien positive Signale, und auch der Ministerpräsident hatte im Oktober eine Andeutung gemacht“, verrät er. „Deshalb hatte ich so ein leichtes Gefühl, dass es etwas werden würde. Die Freude ist auf jeden Fall groß.“

Der Freistaat benötige mehr Juristen, „damit der bevorstehende Generationswechsel in der Verwaltung vollzogen werden kann“, erklärt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Die Ausbildung vor Ort ziele nicht zuletzt auf Arbeitsplätze in Leipzig: in Gerichten und Behörden wie etwa dem entstehenden Fernstraßenbundesamt. Nach wie vor muss sich die Uni Leipzig zwar an die Vorgabe des Freistaats halten, die Gesamtzahl der Studierenden mittelfristig zu verringern. Doch der Ausbau der Juristenfakultät soll „nicht zu Lasten anderer Fächer gehen“, betont SPD-Politiker Mann. Ohnehin wolle man die Reduzierung der Studierendenzahl nicht zum Stellenabbau nutzen, sondern vielmehr die Betreuungsrelation verbessern, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium.

Mit Blick auf die Rechtswissenschaft sei das Ziel, „Leipzig mittelfristig zu einer der besten juristischen Fakultäten in Deutschland machen“, sagt CDU-Politiker Fritzsche. Eine der ältesten ist sie ja bereits.

Von Mathias Wöbking

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