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Lokales Kanalbau für neue Seen im Leipziger Süden stockt
Leipzig Lokales Kanalbau für neue Seen im Leipziger Süden stockt
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06:59 22.01.2020
Die Baustelle des Harthkanals zwischen Cospudener See und Zwenkauer See ruht – es gibt Fragen zum Hochwasserschutz und zur Sicherheit. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Flutung der ehemaligen Tagebaue im Süden Leipzigs und die Anbindung der neuen Gewässer mit Kanälen an die Stadt Leipzig waren Kernprojekte der Braunkohlesanierung. Die Seen sind da – bei den Kanälen stockt es. Aber es gibt Hoffnung.

Staubauwerk oder See?

Vergangene Woche berieten die Experten aus Ministerium, Landestalsperrenverwaltung (LTV), Oberbergamt und vom Tagebausanierer LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft), wie sie den Harthkanal zwischen Zwenkauer und Cospudener See doch noch umsetzen können. Das Schlüsselprojekt des Gewässerverbundes war im Vorjahr ins Stocken gekommen, nachdem in Auswertung des Jahrhunderthochwassers von 2013 Änderungen auch bei dem geplanten Kanal und seinen Bauwerken gefordert wurden. Bekanntlich waren im Zwenkauer See – wie übrigens schon bei der Sanierung geplant – 20 Millionen Kubikmeter Hochwasser der Weißen Elster eingestaut und Leipzig damit vor einer Katastrophe bewahrt worden. Wichtigste Schlussfolgerung der Talsperrenverwaltung daher: Der See müsse wie ein Staubauwerk betrachtet, der neue Kanal zum Cospudener See entsprechend normgerecht gebaut werden – auch für extremste Hochwasserlagen, wie sie die DIN-Norm 19700 vorsieht.

So sehen Pläne einen möglichen Harthkanal zwischen Cospudener See (links) und Zwenkauer See (rechts). Quelle: LMBV

Kosten explodieren

Die Tagebausanierer protestierten, verwiesen auf bisherige Planungen, mussten aber nach einem Machtwort aus Dresden umplanen. Folge: Die Kosten drohen seitdem zu explodieren. Die LMBV sprach bei der Beratung vergangene Woche von einer Verdoppelung auf nunmehr 100 MiIlionen Euro, gab für die Fertigstellung als möglichen Termin 2030 an.

Projektsteuerer wechselt

Keine guten Neuigkeiten für die Runde. „Alle sächsischen Beteiligten halten dennoch am Harthkanal fest“ – das ist für Andreas Berkner von der Regionalen Planungsstelle Westsachsen denn auch die wichtigste Botschaft dieser Tage. Wie die LVZ erfuhr, soll jedoch die Landestalsperrenverwaltung künftig als Projektsteuerer den Kanalbau betreuen, damit die LMBV ablösen. Berkner: „Die LTV hat viel Erfahrung. Diese Kompetenz sollte man auch nutzen.“ Wie die Baunorm letztlich angewendet wird, müsse am Ende zwischen der Landesdirektion und der Landestalsperrenverwaltung geklärt werden. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, dass bis Mitte 2020 geklärt werden soll, wie es weitergeht.

Das ehemalige Riverboat des MDR und ein Ausflugsschiff: Leipzigs Kanalnetz bietet schon jetzt einige Reize für Touristen. Quelle: Volkmar Heinz

Die Welt berät über Kanäle in Leipzig

Das wäre dann gerade noch rechtzeitig zur World Canals Conference, die Mitte September erstmals in Leipzig stattfindet. Die neuen Gewässerverbindungen im Nachgang zur Braunkohlesanierung waren ausschlaggebend für die Bewerbung Leipzigs für die Konferenz, stehen auch obenan bei den Themen der Experten.

Eine Wasserschlange: So sahen einmal die Pläne für die Verbindung vom Markkleebeger See zur Pleiße aus. Quelle: LVZ

Die können dann gleich auch über den zweiten Problemfall reden: Die sogenannte Wasserschlange als kanalartige Verbindung des Markkleeberger Sees mit der Pleiße. Für die Landesdirektion waren die bisherigen Pläne nicht genehmigungsfähig, seitdem trifft sich regelmäßig ein Fachbeirat, um andere Lösungen zu prüfen. Aktuell stehen nach LVZ-Informationen grundsätzlich zwei Varianten zur Prüfung: Ein leichter Ausbau der Kleinen Pleiße, der nur Kanufahren zum See ermöglicht, dafür jedoch relativ schnell und preiswert umzusetzen ist. Variante zwei: Für Ausflugsschiffe wie das Leipzig-Boot ein veränderter Verlauf der Wasserschlange vom See zur Pleiße, der deutlich teurer und langwieriger umzusetzen wäre. Für Variante eins spricht zudem, dass die Tagebausanierer ohnehin das Überschusswasser aus Markkleeberger und Störmthaler See ableiten müssen, dafür sowieso die Kleine Pleiße ausbauen wollen.

Für Bootstouristen geeignet? Die Kleine Pleiße schlängelt sich idyllisch durch die Aue in Markkleeberg-Ost. Quelle: Kempner

Es geht um 1400 Meter

Am Ende geht es bei dem Kanal um 1400 Meter Distanz zwischen Agra-Wehr und dem See. Möglich wäre dafür auch ein Transport von Ausflugsbooten auf Schienen oder einem Fahrzeug zum See. Man müsse bei dem Thema „gedanklich offen“ bleiben, auch „unkonventionelle Lösungen“ denken wollen, hieß es aus Teilnehmerkreisen der jüngsten Beratung. Im März soll eine Vorentscheidung fallen.

Von Jörg ter Vehn

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