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Leipzig Lokales Kleine Händler im Karstadt-Umfeld bangen um ihre Zukunft
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11:43 07.02.2019
Dass die Kunden auch weiterhin zu ihnen in die City kommen, hoffen Metin Öz und Detlef Hofmann („Feingoldhaus“), Heike Jahn („Lieblingsstücke“), Anett Buschmann („Kleider für Weiber“), Catina Jäkel (Parfümerie Catina), Michael Arndt („Palazzo La Moda“) und Eva Klein („Sanetta“, von links nach rechts).
Dass die Kunden auch weiterhin zu ihnen in die City kommen, hoffen Metin Öz und Detlef Hofmann („Feingoldhaus“), Heike Jahn („Lieblingsstücke“), Anett Buschmann („Kleider für Weiber“), Catina Jäkel (Parfümerie Catina), Michael Arndt („Palazzo La Moda“) und Eva Klein („Sanetta“, von links nach rechts). Quelle: Kempner
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Die Schließung von Karstadt dürfte über kurz oder lang erhebliche Auswirkungen auf die Händler in den umliegenden Straßen haben. Wenn der große Kundenmagnet wegfällt, werden sich die Laufwege in der City neu sortieren – zum Nachteil des südlichen Teils der Innenstadt zwischen Schillerstraße und Grimmaischer Straße. „Lasst uns nicht im Regen stehen“, appellieren die Ladeninhaber an die Leipziger. Allen schwant, dass es Monate oder Jahre dauern kann, bis die Immobilie umgebaut und neu belebt ist.

Schon der Ausverkauf hat seine Spuren hinterlassen. Im Weihnachtsgeschäft machten beispielsweise Uhren- und Schmuckhändler in der City Umsatz-Miese, weil es bei Karstadt zehn Prozent Rabatt gab. Im Januar wurde es dann richtig heftig, als Karstadt auf 30 bis 40 Prozent Rabatt hochging. „Meine Stammkunden haben sich dort eingedeckt und bei mir pausiert. Sie sind auch bereit, die Marke zu wechseln, wenn es solche Schnäppchen gibt“, konstatiert Catina Jäkel von der Parfümerie am Neumarkt. „Bis die Cremes aufgebraucht sind, dauert es jetzt.“

Verschiebung in Richtung Brühl

Rund 20 kleine Händler sind am Neumarkt, im Städtischen Kaufhaus und in den Gassen zur Universitätsstraße ansässig. Seit dem Umzug des Red-Bull-Fanshops vom Neumarkt in den Petersbogen ist es in ihrer Ecke schon ruhiger geworden. Ungewiss ist, ob das Karstadt-Parkhaus bald wieder öffnet. Dauermieter haben die Kündigung erhalten, laut Aushang bleibt die Tiefgarage ab 10. Februar geschlossen. „Das ist eine Katastrophe. Die Kunden haben bald keine Veranlassung mehr, zu uns zu kommen. Die Frequenz wird sich in Richtung Brühl verschieben“, befürchtet Anett Buschmann von der Boutique „Kleider für Weiber“ im Städtischen Kaufhaus.

Genauso sieht es Michael Arndt, der seit 2006 am Neumarkt den „Palazzo La Moda“ betreibt. „Wir haben ein Frequenzproblem. Unsere Kunden fahren bisher ins Karstadt-Parkhaus, gehen im Restaurant etwas essen, kaufen dort Lebensmittel ein und kommen dann zum Shoppen schöner Dinge zu uns rüber. Dieser Lauf fällt komplett weg.“ Wenn die Karstadt-Immobilie nicht schnell wieder an den Start geht, wird Arndt sich wohl nach etwas Neuem umschauen müssen.

Vor 100 Jahren zählte Leipzig mehr als ein Dutzend große Kaufhäuser. Doch mit Ausnahme von Karstadt in der Petersstraße sind sie alle längst zu.

Mehrere betroffene Geschäftsinhaber gehören der Citygemeinschaft der Händler an. Sie finden es jetzt an der Zeit, dass der City-Leipzig-Verein etwas für die kleinen Mitglieder tut und nicht nur die Interessen der Großen vertritt. Zum Beispiel könnte er Werbung machen und eine gemeinsame Rabattcoupon-Aktion organisieren. Helfen könnte auch die Stadtverwaltung, indem sie das Kurzzeitparken am Neumarkt wieder erlaubt – zumindest vorübergehend.

Hoffnung auf Stammkunden

Traurige Gesichter wollen die Unternehmer aber dennoch nicht machen. „Wir müssen unsere Arbeit gut machen, unsere Dienstleistungen in hoher Qualität anbieten – und dann schauen, wie es sich entwickelt“, findet Heike Jahn von der Boutique „Lieblingsstücke“. „An der Situation können wir nichts ändern“, sagt Eva Klein von der Sanetta-Kindermode. Sie zählt darauf, dass die Kunden dem Geschäft die Treue halten: „Wir haben Stammkunden aus Halle, Gera und Dresden. Sie haben damals hautnah den Karstadt-Umbau und die Wiedereröffnung miterlebt und uns trotzdem gefunden.“ Mittlerweile kämen schon die nächsten Generationen.

Catina Jäkel verteilt fleißig Gutscheine zum Kennenlernen ihres Salons und der Kosmetikerinnen – „in der Hoffnung, dass die Kunden ein Produkt kaufen und einen Termin vereinbaren“. Schließlich hat sie sechs Mitarbeiterinnen zu bezahlen. Vor zwei Jahren hat die Parfümerie-Inhaberin ihren Laden in der Messehof-Passage wegen der hohen Miete aufgegeben und ist an den Neumarkt gezogen, ins Umfeld von Karstadt und Red Bull. Dass beide nun nicht mehr vor Ort sind, hätte sie sich damals nicht träumen lassen.

Von Kerstin Decker

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