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Lokales Karstadt war Leipzigs letztes historisches Warenhaus
Leipzig Lokales Karstadt war Leipzigs letztes historisches Warenhaus
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22:52 06.02.2019
Ein großes Treppenhaus bildete um 1920 den Blickfang im damaligen Althoff-Warenhaus in der Leipziger Petersstraße. Das Gebäude hatte drei Lichthöfe, reichte bis zum Neumarkt. Quelle: Arcandor
Leipzig

Im Jahr zuvor wurde das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht, im Jahr danach der Hauptbahnhof. Als Theodor Althoff 1914 zur Eröffnung seines Kaufhauses in der Petersstraße einlud, schrieb er dazu Folgendes: „Mein neues Haus gehört zu den Sehenswürdigkeiten Leipzigs.“ Und das war nicht übertrieben.

Zwar gab es zu dem Zeitpunkt schon mehrere große Warenhäuser in der Messestadt. Beispielsweise schloss jener Siebengeschosser am Brühl, der zu DDR-Zeiten zur Blechbüchse wurde, bereits 1907 seine Türen auf – und erlebte 1912 die erste Erweiterung. Dennoch konnte Althoff mit seinem Neubau zwei Jahre später Maßstäbe setzen. Ein Kaufhaus mit drei riesigen Lichthöfen, dessen Sandsteinfassade die gerade moderne Pfeilerarchitektur zur höchsten Blüte trieb, ließ nicht nur die Leipziger Kundschaft erstaunen.

Vor 100 Jahren zählte Leipzig mehr als ein Dutzend große Kaufhäuser. Doch mit Ausnahme von Karstadt in der Petersstraße sind sie alle längst zu.

Die Geschichte der Leipziger Einkaufstempel begann am 24. März 1896 – mit dem Warenhaus der jüdischen Brüder Moritz und Julius Ury am Königsplatz 15 (heute Leuschnerplatz). Mit großer Auswahl bei kleinen Preisen, Sonderangeboten und zuvorkommender Bedienung führten sie ihr Unternehmen zum Erfolg. Mehr als ein Dutzend Kaufhäuser folgten bis in die Zwanzigerjahre. So gab es gleich zwei von der Firma Hollenkamp: am Brühl und in der Lützner Straße. Wer im Wettbewerb bestehen wollte, musste sich was einfallen lassen. So führte das Kaufhaus Held in Lindenau ein günstiges Mittagessen für Arbeiter ein. Die erste Rolltreppe Deutschlands wurde 1898 bei Polich in der Markgrafenstraße installiert. Von Karstadt/Althoff stammte die Idee der Festpreise – zuvor wurde um viele Preise noch gehandelt.

„Weiße Wochen“ waren in Leipzig legendär

Allen gemeinsam war die Absicht, den oftmals zwölf Stunden arbeitenden Großstädtern an nur einem Ort ihre Einkäufe zu ermöglichen – und dabei auch Mode oder Bücher anzubieten. Die kleinen Läden in den bis dahin vorherrschenden Geschäftshäusern kamen bald ins Hintertreffen. Legendär wurden die „Weißen Wochen“. Dann wurden Ury, Althoff und andere komplett in weißes Licht getaucht – dazu gab es Handtücher, Stoffe, Bett- und Unterwäsche zum Mini-Preis. Diese Idee hatte der Hertie-Namensgeber Hermann Tietz aus den USA mitgebracht.

Chronik – die 105 Jahre des Althoff-Baus in der Petersstraße

1914: Eröffnung als Warenhaus Theodor Althoff in der Petersstraße am 14. Dezember um 16 Uhr. In zwei Jahren Bauzeit war Leipzigs größtes Kaufhaus entstanden, das über drei Lichthöfe verfügte. Stoffe und Parfüm gab es im Erdgeschoss, Konfektionskleidung im ersten, Schuhe und Teppiche im zweiten, Spielwaren und Möbel im dritten Stock. Der vierte Stock enthielt eine große Lebensmittelhalle, das Dachgeschoss ein Lager. Für den Bau der Architekten Philipp Schäfer und Gustav Pflaume mussten das damals größte Leipziger Hotel „Hotel de Bavière“ sowie der historische Gasthof „Drei Rosen“ weichen.

1920: Die Firmen Theodor Althoff (gegründet 1885 in Westfalen) und Rudolph Karstadt (gegründet 1881 in Wismar) fusionieren. Die Rudolph Karstadt AG verfügt fortan über den gemeinsamen Besitz von 46 Warenhäusern. Der Name Althoff besteht an dessen Häusern fort – auch in Leipzig.

1943: Nach einem Bombenangriff im Dezember brennt das Haus – mit Ausnahme der Außenmauern – nieder.

1948: Nach der Enteignung eröffnet OBM Erich Zeigner am 18. November das erste HO-Geschäft Leipzigs. Es heißt „Freies Kaufhaus“, befindet sich nur im Erdgeschoss der Brandruine.

1950 — 1956: In Etappen erfolgt der komplette Neuaufbau des Hauses. Dabei entstehen an der Petersstraße und im Preußergässchen Arkaden.

1965: Das Haus wird Mitglied der volkseigenen Centrum-Warenhäuser.

1975: Die vier Verkaufsetagen werden auf einer Verkaufsfläche von 9600 Quadratmetern modernisiert.

1984: Exquisit-Boutique eröffnet.

1991: Übernahme der Centrum GmbH Leipzig (dazu gehörte auch das Kaufhaus Held in Lindenau) durch Karstadt, Erweiterung auf 11 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, Neueröffnung mitsamt zwei Containern in Baulücken am 9. Oktober.

2002: Karstadt verkauft das Haus an den Oppenheim-Esch-Fonds: Er finanziert den geplanten Neubau, der fast 200 Millionen Euro kosten wird.

2003: Wegen der Baupläne zieht Kartstadt in die Blechbüchse am Brühl um. Ein Jahr später beginnt der Abriss, nur die Außenmauern bleiben stehen.

2006: Am 29. September wird der Karstadt-Neubau in der Petersstraße eröffnet. Die Nutzfläche liegt nun bei 35 000 Quadratmetern — inklusive der neuen Tiefgarage mit 430 Stellplätzen.

2009: Der Karstadt-Konzern meldet Insolvenz an, wird mühevoll gerettet.

2017: Oppenheim-Esch verkauft die Immobilie an eine Luxemburger Firma.

Das goldene Zeitalter der Leipziger Warenhäuser erlitt in der Weltwirtschaftskrise Ende der Zwanzigerjahre die ersten Dellen. Dann kamen Nazis an die Macht, denen Warenhäuser als „jüdische Erfindung“ galten. Das Kaufhaus am Brühl wurde zwangsweise „arisiert“, auf Bamberger & Hertz am Augustusplatz ein Brandanschlag verübt. Das Ury demolierten Fanatiker soweit, dass es schließen musste. Viele Mitarbeiter kamen dann bei Althoff in der Petersstraße unter – bevor sich die Rudolph Karstadt AG „freiwillig arisierte“ und alle jüdischen Angestellten entließ. Das Kaufhaus Joske in Plagwitz wurde in der Kristallnacht zerstört. Bei Held in Lindenau verhinderten Hunderte Arbeiter dergleichen, indem sie tagelang vor dem Haus Wache hielten.

Kaufhaus Polich wich dem Merkurhaus

Das jüdische Textilkaufhaus August Polich in der City gab unter dem Druck der NS-Machthaber nach 1933 auf. Die katholisch geprägte Kette C&A Brenninkmeyer übernahm dieses Unternehmen, ließ das vom bedeutenden Architekten Arwed Roßbach erbaute Kaufhaus 1935 abreißen und an dessen Stelle das eher schlichte Merkurhaus errichten. Bei dem Vorgängerbau hatte auf der Spitze des Eckturms eine vergoldete Merkur-Figur gestanden – daher stammte der Name Merkurhaus.

Von 1914 bis heute: Karstadt kann in Leipzig auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das Kaufhaus Althoff in der Petersstraße wurde als erstes „Freies Kaufhaus“ eröffnet. Später wurde es HO, dann Centrum, heute Karstadt. Klicken Sie sich durch über 100 Jahre Kaufhaus in der Leipziger City.

Im Bombenhagel 1943 gingen dann fast alle großen Handelsstätten in Flammen auf. In der City gelang der Wiederaufbau nur für das Kaufhaus Ebert am Thomaskirchhof sowie für zwei Häuser, die sich auch zu DDR-Zeiten in mehreren Ausbaustufen einen Wettlauf lieferten, wer größer und besser ist: das „Konsument – Warenhaus am Brühl“ (Blechbüchse, gehörte zum genossenschaftlichen Konsum) oder das „Centrum-Warenhaus“ der staatlichen HO in der Petersstraße – also die ehemalige Althoff-Immobilie. Größtes Problem wurde nun der Waren-Mangel. Die Beschäftigten dort versuchten, durch direkte Beziehungen zu den Herstellerbetrieben und manchen halblegalen Tauschhandel auch sehr begehrte Dinge wie Bohrmaschinen oder Schlittschuhe anbieten zu können.

10 000 Quadratmeter für die Untermieter

Nach der Wende 1989 schien ein neuer Frühling auch für die alten Konsumtempel anzubrechen. 2001 öffnete mit Galeria Kaufhof sogar ein neues Warenhaus – fast neben dem Konkurrenten Karstadt. Hinter dessen denkmalgeschützter Althoff-Fassade wurde von 2004 bis 2006 ein komplett neues, wunderschönes Kaufhaus durch das Architekturbüro RKW erbaut – mit 16 000 Quadratmeter Verkaufsflächen für Karstadt, 10 000 Quadratmeter für Untermieter. Diesen Samstag schließt Leipzigs letzter historischer Konsumtempel. Alle anderen sind längst zu.

Von Jens Rometsch

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