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Lokales Keiler, Abholer, Logistiker: So zocken Betrüger in Leipzig Senioren ab
Leipzig Lokales Keiler, Abholer, Logistiker: So zocken Betrüger in Leipzig Senioren ab
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07:37 13.02.2020
Immer wieder gelingt es Trickbetrügern, per Telefon ältere Menschen zur Auszahlung großer Bargeldbeträge zu überreden. Nach einer Festnahme in Leipzig könnte nun eine ganze Bande von ihnen auffliegen. Quelle: dpa
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Leipzig

Nach dem jüngsten schockierenden Fall am Montag in Leipzig-Grünau ist klar: Die Fantasie von Trickbetrügern ist grenzenlos, wenn es darum geht, an die Ersparnisse gutgläubiger Senioren zu gelangen. Da hatte eine Unbekannte einer 72-Jährigen vorgegaukelt, deren Geld „heiligen“ zu wollen, und erbeutete eine fünfstellige Summe. Immerhin: Nach der Festnahme einer bundesweit gesuchten Tatverdächtigen wenige Tage zuvor haben Ermittler nun die Chance, Strukturen einer international agierenden Bande und deren Modus Operandi aufzuhellen.

Vier Beutezüge im Januar

Seit Ende Januar sitzt Dorota K. (24) wegen mehrfachen Betrugs in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Leipziger Polizei ging die Polin „offenbar deutschlandweit ihrem kriminellen Geschäft nach“. Bevor am 29. Januar in Leipzig-Lindenthal die Handschellen klickten, soll sie innerhalb von drei Wochen in vier Fällen Betrügereien angezettelt haben. Im bayerischen Rosenheim wollte sie nach LVZ-Informationen am 8. Januar bei einer 83-Jährigen als falsche Cousine 10 000 Euro ergaunern, was jedoch misslang. Zwei Wochen später zockte sie nach Angaben der Polizei in Dresden 18 000 Euro ab. Einen Tag bevor sie nach Leipzig kam, war sie Ermittlern zufolge in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen aktiv – wieder als angebliche Cousine. Weil das Opfer jedoch im letzten Moment Zweifel beschlichen, kam es nicht zur vereinbarten Übergabe von 20 000 Euro.

Observation und Festnahme

Auch der Betrugsversuch in Leipzig scheiterte, weil die 85-Jährige dann doch nicht wie vereinbart ihre 45 000 Euro einer fremden Frau übergeben wollte. Und das, obwohl die Betrügerbande sogar noch einen Anruf fingierte und der betagten Dame als vermeintliches Amtsgericht mit Strafe drohte, wenn sie die Geldempfängerin nicht reinlässt und die Polizei alarmiert. Zu dem Zeitpunkt waren jedoch Fahnder der verdächtigen Dorota K. längst auf den Fersen, observierten sie und nahmen sie schließlich fest.

Wie die LVZ jetzt erfuhr, gehen Ermittlungsbehörden mittlerweile davon aus, dass die Polin Mitglied einer Bande war, die in mehreren Ländern operiert. Und dies streng arbeitsteilig: Bandenmitglieder, die „Keiler“ genannt werden, rufen demnach bei älteren Menschen an und behaupten beispielsweise, der Verwandtschaft anzugehören. Haben sie das Vertrauen ihrer Opfer gewonnen, verlangen sie eine größere Summe Bargeld, etwa für die Finanzierung einer Immobilie oder ein neues Auto. „Abholer“ wie die unter Verdacht geratene Dorota K. sollen dann vor Ort die Beute einsacken. Die interne telefonische Kommunikation unter den Bandenmitgliedern läuft über sogenannte „Logistiker“, welche auch vor Ort recherchieren und Geldübergaben vorbereiten.

Im Jahr 2018 hat es 1820 Betrugsfälle in der Stadt Leipzig gegeben. Quelle: dpa

Über 1800 Betrugsfälle in Leipzig

Zu diesen Komplizen und Hintermännern laufen noch Ermittlungen. Bearbeitet wird das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Traunstein. Mithin wurde der Fall mittlerweile auch an das dortige Amtsgericht abgegeben, wie Verteidiger Andreas Meschkat auf Anfrage bestätigte. Voraussichtlich wird ein möglicher Prozess auch dort stattfinden. Zu den Tatvorwürfen wollte der Rechtsanwalt allerdings keinerlei Stellungnahme abgeben.

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Die Zahl aller Betrugsfälle in der Stadt Leipzig hatte 2018 bei 1820 gelegen, im Jahr davor waren es sogar 1968. Die Bandbreite der Delikte ist dabei enorm, zahlreiche Enkeltricks waren darunter. Vor Jahren war es der Leipziger Polizei und Justiz schon einmal gelungen, eine komplette Betrügerbande vor Gericht zu stellen. Die angeklagten Ganoven hatten mit betrügerischen Verträgen hantiert, in den Wohnungen ihrer Opfer Trickdiebstähle begangen und deren Konten mit ergaunerten EC-Karten geplündert. Der Schaden für die betroffenen Greise, Demenzkranken und Körperbehinderten: fast 100 000 Euro.

Von Frank Döring

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