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Lokales „Keiner weiß, was wir atmen“
Leipzig Lokales „Keiner weiß, was wir atmen“
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07:03 20.06.2019
Klein, aber voller Technik: Das Luftanalyse-System „air-Q“ von der Firma Corant, dessen Marktstart jetzt im SpinLab in der Baumwollspinnerei vorbereitet wird. Quelle: André Kempner
Leipzig

Im SpinLab, dem Technologie-Labor für Firmengründer in der Baumwollspinnerei, ist der Countdown für die Markteinführung eines neuartigen Luftmessgeräts angelaufen. Tüftler aus Chemnitz und Leipzig haben dort ein Gerät zur Serienreife entwickelt, das alle relevanten Raumluft-Werte analysiert und Alarm schlägt, wenn Gefahren für die Gesundheit oder die Leistungsfähigkeiten bestehen.

Crowdfunding-Kampagne startet

Weil das Gerät 14 Luft-Bestandteile mit der weltweit modernsten Sensortechnik aufspürt und mit Hilfe einer eigens entwickelten Software auswertet, sind die Kosten für den Produktionsstart nicht gering. Das Entwicklerteam startet deshalb jetzt eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne: Die ersten Besteller sollen einen Gutteil der Kosten des Produktionsanlaufs vorschießen und erhalten dafür Anfang Dezember die ersten Exemplare aus der Serienproduktion zum Vorzugspreis. Produziert wird in Leipzig.

„air-Q“ steht für „air-Quality“

Die Weltneuheit wurde auf den Namen „air-Q“ getauft, was für „air-Quality“ (zu Deutsch: Luftqualität) steht. Die kompakte Scheibe hat nur einen Durchmesser von 13,5 Zentimetern und steckt in einem strahlend-weißen Plastikgehäuse, an dem grüne und blaue LEDs leuchten – manchmal auch gelbe oder rote. „Blau bedeutet, dass die Raumluft optimale Bedingungen für die Leistungsfähigkeit bietet“, erläutert Mario Körösi von der Chemnitzer Firma Corant GmbH, die hinter der Entwicklung steht. „Rot signalisiert Handlungsbedarf, weil die Raumluft die Gesundheit beeinträchtigt.“ Im Extremrot-Bereich wird ein akustischer Alarm ausgelöst – beispielsweise bei Rauch- und Kohlenmonoxid-Belastung. Auch Schimmelbildung kann treffsicher vorhergesagt werden.

Das kleine Gerät misst nahezu alles

Wer auf seinem heimischen PC oder seinem Handy das dazugehörige Software-Programm startet, kann in die unsichtbare Wunderwelt eintauchen, die ihn täglich umgibt. Das kleine Gerät misst in Zimmern und Büros nicht nur den Sauerstoff- und Ozon-Gehalt der Luft, sondern auch Bestandteile wie Feinstaub, Kohlendioxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid sowie Luftfeuchte und Luftdruck. Alles Inhaltsstoffe, die in schädlichen Konzentrationen zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, zu Ermüdungen oder Kopfschmerzen führen können. „air-Q“ spürt Abweichungen von den zulässigen Grenzwerten auf und gibt Hinweise, wie es zurück in den blauen Bereich geht. Gleichzeitig werden die Daten der Zimmerluft über Jahre gespeichert und verglichen. „90 Prozent unserer täglich mehr als 20 000 Atemzüge passieren in Gebäuden, oft bei geschlossenen Fenstern und mit mehreren Menschen im selben Raum“, sagt Körösi, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens. „Trotzdem wissen wir bislang fast nichts über die Zusammensetzung dieses wichtigsten Lebensmittels. Wir wollen möglichst vielen das Atmen sauberer Raumluft ermöglichen.“

Daniel Lehmann hatte die Idee

Die Idee dafür – und ein Großteil des technischen Know-hows – kam von dem gebürtigen Meißener Daniel Lehmann. Der promovierte Physiker hatte vor etwa zweieinhalb Jahren im heimischen Chemnitz eine kleine Party ausgerichtet und entdeckt, wie sich mit der Zeit die immer stickiger werdende Raumluft auf das Wohlbefinden seiner Gäste auswirkte. „Natürlich können wir die Fenster aufmachen, aber in großen Städten ist halt nicht immer die beste Luft“, betont er.

Lehmann hat erkannt, dass er auf ein riesiges Problem gestoßen ist. „Keiner weiß, was wir atmen“, beschreibt der 38-Jährige die Situation. Dies könne in Büros über Innovationen entscheiden und in Wohnungen übers Wohlbefinden. Für Allergiker, Senioren und Kinder sei dies besonders wichtig. Denn die Raumluft wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Wandfarbe, Holzschutzmittel, Teppichböden und vieles mehr.

Die Sächsische Aufbaubank fördert

„air-Q“ hat noch mehr Väter. Denn die mehr als zweijährige Entwicklungszeit und der Bau von zwei Prototypen wäre nicht möglich gewesen, wenn das Projekt nicht seit 2018 von der Sächsischen Aufbaubank gefördert worden wäre. Seit Anfang 2019 ist auch der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) als weiterer Investor mit an Bord. „Zuerst haben wir ohne Einkommen an dem Gerät gearbeitet“, berichtet Familienvater Körösi. „Erst seit dem Einstieg des TGFS zahlen wir uns jeden Monat ein kleines Gehalt.“

Zum Entwicklerteam gehören inzwischen fünf festangestellte Mitarbeiter, hinzu kommen noch externe Dienstleister. „Weil wir für die Messungen die besten Komponenten in der ganzen Welt zusammenkaufen, ist alles relativ teuer“, so Körösi. „Diese Kosten werden aber deutlich sinken, sobald wir in die Serienproduktion einsteigen und große Mengen bestellen können.“ Allein könnten die Entwickler die Kosten des Serienstarts nicht stemmen. „Und unsere Risiko-Kapitalgeber verlangen einen Nachweis dafür, dass es einen ausreichend großen Markt für unseren Luftanalysator gibt.“

Leicht abgespeckte Variante kostet 299 Euro

In den vergangenen Monaten haben die Tüftler „air-Q“ vor allem über ihre Internetseite www.air-Q.de bekannt gemacht. 3000 Vormerkungen haben sie bereits für das 449 Euro teure Gerät erhalten. Auch eine leicht abgespeckte Variante für 299 Euro soll es beim Serienstart Ende des Jahres geben.

Mit Hilfe der Finanzierungsplattform Kickstarter können sich Interessenten seit dem gestrigen Mittwoch acht Wochen lang am Vorverkauf beteiligen – für ihren Beitrag bekommen sie ein oder mehrere der ersten 1000 produzierten Geräte zu einem Vorteilspreis ab 199 Euro – wenn alles wie geplant läuft, noch vor Weihnachten.

Von Andreas Tappert

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