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Lokales Hoffnung auf mehr Kinderärzte in Leipzig
Leipzig Lokales Hoffnung auf mehr Kinderärzte in Leipzig
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10:00 07.08.2019
Blick auf die Untersuchungsliege in einer Kinderarztpraxis. Nach Änderungen der Planungsgrundlagen können auch Leipziger Eltern auf mehr Fachärzte in der Stadt hoffen. Noch ist aber unklar, wie genau sich die Neuberechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen auswirken. Quelle: dpa
Leipzig

Brigitte Bunzel weiß schon gar nicht mehr so genau, wie oft sie versucht hat, für ihren Ur-Enkel Kamui (4) einen Termin bei einem Leipziger Kinderarzt zu bekommen. Bestimmt 20 E-Mails oder Telefonate mögen es gewesen sein, sagt sie. Vielleicht auch mehr. Persönliche Besuche in Praxen gab es auch. Aber die Antwort war überall die selbe: Es werden keine Termine mehr vergeben, oft gar keine neuen Patienten mehr aufgenommen.

Brigitte Bunzel hatte ihrer Enkeltochter unter die Arme greifen wollen. Und nachdem es mit direkten Anfragen in den Praxen nicht weiterging, wandte sie sich an die Kassenärztliche Vereinigung. Dort habe sie eine Liste mit den Kinderärzten der Stadt Leipzig erhalten. „Die hatten wir schon.“

Probleme wegen fehlender Impfungen

Die Probleme, die sich aus einer solchen Situation ergeben, sind vielfältig, schildert Brigitte Bunzel. Zwischenzeitig waren zwei Impfungen überfällig. Und dann drückte der Kindergarten wegen der fehlenden Immunisierung. „Da kommt eins zum anderen“, erzählt Brigitte Bunzel. Wenn ein Rezept benötigt wird, etwa für eine Ergotherapie, gibt es auch ein Problem, denn der Kinderarzt müsste die Überweisung schreiben. „Man läuft immer wieder gegen die Wand, das frustriert die jungen Mütter“, sagt Bunzel, selbst gelernte Erzieherin und Sozialpädagogin.

„Wir haben Terminmangel“, konstatiert Claudia Beck. Sie ist Kinderärztin im Medizinischen Versorgungszentrum des Uniklinikums in der Connewitzer Wiedebachpassage. Man versuche alles, um neue Patienten aufzunehmen, nutze jedes Fenster. Vor allem, wenn es um die U 3 geht – das ist meistens die erste Neugeborenenuntersuchung nach dem Klinikaufenthalt. In allen Fällen ist aber auch hier keine Terminvergabe möglich.

401 zusätzliche Kinderärzte für die ganze Bundesrepublik

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) teilt mit, dass Ende April dieses Jahres auf 90 846 Kinder in Leipzig 57,75 Kinderarztstellen kamen. Das entspreche einem Versorgungsgrad von 110,6 Prozent. „Bei einem Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent ist Überversorgung anzunehmen“, erklärt die KVS in einer Stellungnahme auf Anfrage der LVZ. Laut Statistik gibt es also gar keinen Bedarf für zusätzliche Kinderarzt-Stellen. Ein Befund, der mit dem erlebten Mangel nicht zusammengeht.

Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen (G-BA) gerade die Grundlagen der Planung geändert. Damit könne „insbesondere die haus- und kinderärztliche Versorgung“ gestärkt werden, heißt es beim G-BA. In diesem Bereich sei ein grundsätzlicher Mehrbedarf an Ärzten festgestellt worden. Nach Umsetzung des Beschlusses könnten bundesweit 3470 neue Niederlassungsmöglichkeiten entstehen, 401 davon entfallen auf Kinder-​ und Jugendärzte. Der G-BA lässt nach eigenen Angaben neben der grundsätzlichen Neuausrichtung künftig auch mehr Flexibilität und regionale Abweichungen zu. Das Problem des Ärztemangels oder fehlender Bewerber auf freie Arztsitze könne man aber nicht lösen, so der G-BA.

Zahlen werden für Jahresende erwartet

Nach den Änderungen ist auch die KVS tätig geworden. In der Landesgeschäftsstelle in Dresden wird derzeit berechnet, wo in Sachsen wie viele zusätzliche Praxen entstehen können. Ende des Jahres soll es Zahlen geben – auch für Leipzig. „Dies kann dazu führen, dass Möglichkeiten von Neuzulassungen von Kinderärzten entstehen und somit die KV Sachsen an Orten, wo Kinderärzte benötigt werden, aktiv für die Niederlassung werben kann.“

Marcus Langhammer ist noch Vorsitzender des Leipziger Kinderärzte-Netzes. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder auf die Diskrepanz zwischen statistischer Überversorgung und Praxisalltag hingewiesen. Auch der Pädiater mit Praxis in Schönefeld-Ost muss wie viele seiner Kollegen neue Patienten nach wie vor ablehnen. Langhammer regte schon im vergangenen Jahr Ausnahmeregelungen wie in Berlin an. Dort hatten die Krankenkassen für 2018 Geld für bis zu zehn zusätzliche Kinder- und Jugendärzte sowie Kinder- und Jugendpsychiater zur Verfügung gestellt.

Besondere Umstände in der wachsenden Stadt

Solche Ausnahmeregelungen hielt Langhammer auch wegen des Geburtenbooms und des starken Zuzugs junger Familien schon im vergangenen Jahr für sinnvoll: Mehr Säuglinge und mehr Kleinkinder brauchen mehr Zeit, weil sie öfter krank werden und mehr Vorsorgen und Impfungen als Ältere erhalten. Hinzu komme, dass die Geburtenstatistik einen Aspekt gar nicht abbilde: Immer mehr Leipziger Eltern lassen ihre Kinder in Borna oder Schkeuditz entbinden, suchen dann aber für die Neugeborenen-Untersuchungen Termine in einer Leipziger Praxis. Und: Ein Teil der Fachärzte ist aufgrund einer Spezialisierung kaum oder gar nicht an der Grundversorgung beteiligt. Diese Spezialsprechstunden sind notwendig, da die Kliniken den Bedarf nicht decken können, andererseits werden die Praxen aber voll der Grundversorgung zugerechnet.

Marcus Langhammer hatte die Eltern auch dazu aufgefordert, bei KVS und Stadt Leipzig Druck zu machen, damit das Problem dort bewusst werde. Jetzt will er sich zum Thema nicht mehr äußern und erklärt, dass er sich über seine weitere Mitarbeit im Vorstand noch nicht im Klaren ist.

Offenbar interne Unstimmigkeiten beim Kinderärzte-Netzwerk

Offenbar herrscht Uneinigkeit unter Leipzigs Kinderärzten. Möglich, dass Langhammers konsequenter Einsatz manchem zu weit ging, dass mancher Praxisinhaber am Ende doch die Konkurrenz neuer Kollegen fürchtet. Was genau passiert ist, was los ist im Leipziger Kinderärzte-Netz, dazu sagt Kinder-Kardiologe Michael Wiener vom Vorstand des Vereins nichts.

Grundsätzlich teile der Vorstand aber die Auffassung, „dass die Versorgungssituation der kinderärztlichen Betreuung in der Stadt Leipzig seit vielen Jahren sehr angespannt ist“, sagt Wiener. Man habe sich in der Vergangenheit wiederholt und intensiv mit Vorschlägen um Lösungen bemüht, „die für die Eltern und ihre Kinder, aber auch für die teilweise an der Belastungsgrenze arbeitenden Kolleginnen und Kollegen zu Verbesserungen führen sollen“, erklärt der Mediziner. Durch das neue Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) und die Terminservicestelle der KVS erhofft man sich beim Kinderärzte-Netz schon bald eine Entlastung bei der ambulanten Versorgung.

KVS bietet Telefonservice an

Vor allem aber hofft man auf die neuen Berechnungsgrundlagen von der G-BA. Ob am Ende alle Leipziger Kinderärzte zusätzliche Kollegen tatsächlich begrüßen würden, bleibt derweil offen. Manche gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand und wollen ihre Praxis an einen Nachfolger übergeben. Wenn dann zugleich ganz neue Praxen öffnen, könnte das schwieriger werden.

Übrigens: Für Brigitte Bunzels Ur-Enkel Kamui gibt es nach der langen Suche jetzt endlich einen Praxis-Termin. Und die KVS hat sich nochmal bei ihr gemeldet. Vielleicht bewegt sich so langsam doch etwas.

Eltern, die einen Kinderarzt suchen, sollten sich an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen wenden (KVS): Telefon – 0341/23 49 37 33 (Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und sowie Mittwoch von 14 bis 17 Uhr).

Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz

Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) verpflichtet die Kassenärztlichen Vereinigungen spätestens ab 1. Januar 2020 zur Vermittlung von Terminen bei Haus- und Kinderärzten und zur Hilfe bei der Suche nach einem dauerhaft behandelnden Haus-, Kinder- und Jugendarzt. Die Wartezeit bis zu diesem Termin darf in der Regel nicht länger als vier Wochen betragen und die Vermittlung des Termins nicht länger als eine Woche dauern.

Niedergelassene Vertragsärzte werden verpflichtet, mehr Sprechstunden anzubieten – mindestens 25 statt wie bisher mindestens 20. Die Meinungen darüber, ob das Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) großen Nutzen bringt, gehen allerdings unter Medizinern auseinander. In Verbandszeitschriften fürchten manche zu harrsche Eingriffe in die Terminplanungen der Praxen. Vor allem aber werde das Problem des Ärztemangels durch eine zentrale Arzt- und Terminvermittlung nicht behoben.

Wie weit darf der Weg zum nächsten Kinderarzt sein?

Was ist zumutbar? Wie weit dürfen die Wege sein, die Eltern zurücklegen, wenn sie einen Kinderarzt aufsuchen müssen? Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) verweist mit Blick auf die „zumutbare Entfernung“ auf den Bundesmantelvertrag-Ärzte. Dort heißt es: „Bei Ärzten der allgemeinen fachärztlichen Versorgung ist dies die Entfernung zum nächsten Arzt der Fachgruppe (von Ihrem Wohnort ausgehend) plus einer Fahrzeit von 30 Minuten oder 30 Kilometer.“

Von Björn Meine

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