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Lokales „Kippe“-Verkäufer Kalle Randt überraschend verstorben
Leipzig Lokales „Kippe“-Verkäufer Kalle Randt überraschend verstorben
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15:02 18.04.2018
Viele Jahre lang verkaufte Karl-Heinz Randt, genannt Kalle, in den Stadtteilen Gohlis und Zentrum-West das Straßenmagazin Kippe. Quelle: Markus Dörk / Straßenmagazin Kippe
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Leipzig

 Im Nordwesten der Messestadt war Karl-Heinz Randt viele Jahre lang eine Institution. Als Verkäufer des Straßenmagazins Kippe gehörte der gebürtige Ascherslebener vor allem in Gohlis und im Zentrum-West zum Straßenbild einfach dazu. Nun ist „Kalle“, wie er von Kollegen und Freunden genannt wurde, im Alter von 81 Jahren überraschend gestorben.

Kalles plötzlicher Tod hat uns sehr erschüttert. Er hatte ein sehr bewegtes Leben, war sogar mal obdachlos, dennoch hat er nie den Mut verloren und immer ein Scherz auf den Lippen. Seine Begeisterung für Schach und Fußball war ansteckend. Er wird uns sehr fehlen“, teilte die Kippe-Redaktion am Mittwoch gegenüber LVZ.de mit.

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Vom Schwermetaller zum Zeitungsverkäufer

Karl-Heinz Randt war 1936 im sachsen-anhaltischen Aschersleben geboren worden. Seine Großeltern arbeiteten im „Tor zum Harz“ als Schausteller, seine Mutter verdingte sich als Verkäuferin, der Vater kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück. Nach seiner Lehre im VEB Werkzeugmaschinenfabrik in Aschersleben bewarb sich Kalle zusammen mit Freunden im Rostocker Dieselmotorenwerk und wurde sofort genommen.

Psychische Probleme nach dem Freitod seiner Mutter brachten Kalle in therapeutische Behandlung und 1990 dann auch nach Leipzig. In der Messestadt arbeitete Randt in den wilden Nachwende-Jahren erst als Zeitungsverkäufer auf dem Lindenauer Markt, später auch als Betreiber eines kleinen Zeitungsstandes auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Nach Streit mit seinen damaligen Vermietern wurde Kalle erstmals obdachlos.

Großes Hobby: Schachspielen

Im Hilfesystem der Kommune kam er wieder allmählich auf die Beine, fand auch in seinem langjährigen Hobby neue Struktur: dem Schachspielen. Unter anderem war Kalle als Jugendtrainer in der Schachabteilung von Lokomotive Mitte aktiv. Durch Hinweise aus Tagestreffs und Übernachtungshäusern wurde Randt bereits 1995 auch Verkäufer des Straßenmagazins Kippe und blieb dies mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod.

Das Leipziger StraßenmagazinKippe“ wird seit mehr als 20 Jahren herausgegeben. Es ist ein Projekt des Suchtzentrums der Messestadt mit Unterstützung der Kommune. In den Ausgaben geht es vor allem um soziale, kulturelle, historische und persönliche Themen aus der Messestadt. Mit dem Verkauf der Zeitung sollen sich Menschen in schwierigen finanziellen Situationen selbst helfen können und dabei in Kontakt mit der Gesellschaft bleiben.

Von Matthias Puppe

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