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Lokales Wichtige Tage für den kleinen Elefanten im Leipziger Zoo
Leipzig Lokales Wichtige Tage für den kleinen Elefanten im Leipziger Zoo
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11:55 28.01.2019
Die nächsten Tage entscheiden über das Leben des kleinen Elefanten. Quelle: Zoo leipzig
Leipzig

Trotz riesiger Freude über die nahezu problemfreie Geburt bemühten sich alle Verantwortlichen im Zoo, vorsichtig zu bleiben. Schon zwei Mal – 2012 und 2015 – waren alle Hoffnungen auf Nachwuchs bei Hoa bitter enttäuscht worden. Die Elefantenkuh, die noch zu DDR-Zeiten (1987) als Jungtier aus Vietnam nach Leipzig gekommen war, verletzte ihren eigenen Nachwuchs jeweils tödlich. „Mit der gelungenen Geburt haben wir nur den ersten Schritt geschafft, die entscheidende Prägungsphase beginnt jetzt erst“, warnte denn auch Leipzigs Zoodirektor Jörg Junhold vor jeglicher Euphorie.

Am 25. Januar 2019 wurde im Leipziger Zoo ein Elefant geboren.

Gegenwärtig sehe es gut aus. „Das Kalb hat bereits bei Hoa getrunken“, teilte Junhold weiter mit. Doch für die meisten Neugeborenen im Zoo gelte eine Faustregel, laut der sich die Risiken in Zeitschritten verringern: nach drei Tagen, drei Wochen sowie drei Monaten. „Erst nach einem Vierteljahr kann man sagen, sie sind aus dem Gröbsten heraus“, bestätigte Seniorkurator Gerd Nötzold. „Wir werden nun alles tun, damit Hoa das Jungtier akzeptiert, es regelmäßig trinken lässt und sich eine gefestigte Mutter-Kind-Bindung entwickelt. Diese ist unabdingbare Voraussetzung für ein gesund aufwachsendes Elefantenkalb.“ Der Elefantentempel Ganesha Mandir bleibe deshalb vorläufig für Besucher gesperrt.

Seit sich im Januar 2018 herausgestellt hatte, dass Hoa im neunten Monat von Bulle Naing Thein (heute 38) trächtig war, begannen umfangreiche Vorbereitungen. So wurden bestimmte Bewegungsabläufe trainiert, um die Schmerzen bei der Geburt zu verringern, berichtete Nötzold.

Versuche ohne Ketten gescheitert

Beim ersten Versuch 2012 hatte der Zoo noch auf eine „stressfreie Geburt ohne Ketten und ohne andere Tiere“ gesetzt. Binnen Sekunden attackierte die Mutter dann mit ihren Hinterbeinen das Neugeborene, traf es unter anderem am Kopf. Das 130 Kilo schwere Bullenkälbchen war sofort tot. Beim zweiten Versuch 2015 war geplant, Hoa kurz vor den entscheidenden Momenten mit Ketten anzuleinen. Dies hatte so schon mal bei der erfolgreichen Geburt des Bullen Voi Nam (120 Kilo) im Jahr 2002 durch dessen Mutter Trinh funktioniert. Das Problem dabei: Der Zeitpunkt der Niederkunft lässt sich bei den Dickhäutern nur auf mehrere Wochen genau vorhersagen. „Hoas zweite Geburt verlief extrem schnell. Sie dauerte 20 Minuten – normal sind bis zu zwei Stunden“, berichtete Nötzold. Die Tierpfleger hätten deshalb keine Chance gehabt, die aufgeregte, sich hin und her wälzenden Kuh rechtzeitig anzubinden. Das weibliche, „sehr schmächtige Kälbchen“ erlitt Brüche am rechten Oberschenkel und Schädel, konnte nicht aufstehen und musste – trotz Notoperation – nach einer Woche eingeschläfert werden.

Erzeuger aller drei Kinder war Naing Thein, ein Zuchtbulle, der 2009 aus Prag nach Leipzig kam – übrigens im Tausch gegen Voi Nams nicht mehr ganz so aktiven Vater Mekong. Auf das Konto von Naing Thein gingen zuvor schon 15 kleine Rüsseltiere. In Leipzig schwängerte er zudem die aus Hamburg entliehene Elefantenkuh Salvana. Deren Kälbchen kam dann allerdings 2012 bei Hagenbeck tot zur Welt. 2017 gebar Salvana in Hamburg doch noch ein gesundes Mädchen – Vater war der Münchner Bulle Gajendra. Er hatte zwei Jahre in Leipzig gelebt, bevor er nach Hamburg zu Hagenbeck umzog.

Aktive Geburt dauerte zehn Minuten

Leipzigs neuer Minifant kam am vergangenen Freitag – exakt um 21.22 Uhr – zur Welt. „Die aktive Geburtsphase dauerte nur zehn Minuten. Es waren vier Tierpfleger dabei. Diese werden von den Elefanten als Mitglied ihrer Herde angesehen, tragen daher zur Beruhigung bei“, erläuterte Nötzold. Ein wichtiger Unterschied: Den Tierpflegern gelang es jetzt, Hoa vor der Niederkunft anzubinden. Sie habe sich auch nicht aggressiv gegenüber ihrem Sohn gezeigt. „Natürlich schaut man nicht in den Kopf eines solchen Tieres hinein, aber wahrscheinlich hatte sie weniger Schmerzen, weil der Geburtskanal beim dritten Mal schon besser geweitet war.“ Im sogenannten Laufstall habe sie diesmal in der entscheidenden Phase auch indirekten Kontakt zu zwei Artgenossinnen gehabt: Die erst neunjährige Elenfantekuh Rani sowie deren gutmütige Adoptivmutter Don Chung hielten sich – abgetrennt durch ein Gatter – in Sicht- und Hörweite auf. „Unsere Herde ist noch immer keine aus sich selbst gewachsene, sondern eine zusammengesetzte Herde“, so der 63-jährige Seniorkurator. Die Anwesenheit der beiden Gesellschaftsdamen habe Hoa mehr Sicherheit geben sollen. „Zugleich konnten Rani und Don Chung so etwas für die Zukunft lernen.“

108 Kilo wog das Jungtier. Laut Nötzold ist das ein mittleres, also Idealgewicht für ein Elefantenbaby. Die Pfleger hätten den kleinen Bullen vorsichtig an Hoa herangeführt, um die ersten Trinkversuche zu unterstützen. „Die Mutter hat das nicht abgewehrt, sondern toleriert. Dadurch konnte der Kleine die wertvolle Kolostralmilch bei der Mutter saugen. Die Milch ist gleich aus dem Euter gespritzt. Alles hat sich gut eingestellt.“ Auch die Nachgeburt sei noch in derselben Nacht bei Hoa komplikationsfrei abgegangen.

„Wir müssen uns aber der Schwere der nächsten Schritte bewusst sein“, betonte der Fachmann. Bisher kümmere sich Hoa kaum um ihren Sohn. Ob es gelingt, eine Bindung zwischen beiden aufzubauen, sei offen. Nur diese Bindung könne den Kleinen dauerhaft vor Attacken schützen.

Vorerst absolute Ruhe nötig

Zoo-Sprecherin Melanie Ginzel bat um Verständnis dafür, dass Mutter und Sohn nun erst mal absolute Ruhe benötigten. Insbesondere solle niemand versuchen, ohne Genehmigung Fotos oder Filmaufnahmen von den Rüsseltieren anzufertigen. Dies sei vorläufig verboten.

„Wie lange der Elefantentempel für Besucher geschlossen bleiben muss, können wir derzeit noch nicht sagen.“ Auch lasse sich nicht prognostizieren, wann Leipzigs jüngster Elefant der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. „Am Wichtigsten ist, dass beide im Moment wohlauf sind und gut umsorgt werden“, so Ginzel. „Und wie wir einen Namen für den kleinen Bullen finden, darüber haben wir uns wirklich noch keine Gedanken gemacht.“

Jens Rometsch

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