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Lokales Konsum Leipzig wird 135 Jahre alt
Leipzig Lokales Konsum Leipzig wird 135 Jahre alt
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09:01 13.05.2019
135 Jahre Konsum Leipzig: Die Mitarbeiter und ihre Familien sorgten bei der Jubiläumsparty am Sonntag für 2250 zusätzliche Gäste im Zoo. Darüber freuten sich natürlich nicht nur die Konsum-Vorstände Dirk Thärichen (3.v.l.) und Michael Faupel (4.v.l.), sondern auch Zoo-Direktor Jörg Junhold (l.) und sein Maskottchen. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Die Konsumgenossenschaft Leipzig feiert in diesem Jahr ihren 135. Geburtstag. Als Dankeschön für die Mitarbeiter gab es am Sonntag ein großes Fest im Zoo. 750 Mitarbeiter kamen mit ihren Angehörigen; insgesamt sorgte der Konsum so für 2250 zusätzliche Gäste im Zoo.

Die Vorstände Dirk Thärichen und Michael Faupel wollen den seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2015 eingeschlagenen Kurs beibehalten. Jedes Jahr sollen vier neue Filialen öffnen und zwei alte geschlossen werden. Geplanter Stand für 2030: rund 80 Filialen. Das Jahr 2030 steht auch im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Ein Jahr lang wurde daran gearbeitet – im Team wie Thärichen und Faupel betonen. Es habe auch bei den Mitarbeitern das Bedürfnis gegeben, zentrale Fragen zu klären. Wofür steht der Konsum? Und wo soll die Reise hingehen? Das Genossenschaftsprinzip schlage auch mit Blick auf die Unternehmenskultur und den Umgang mit Mitarbeitern durch, betonen die Vorstände. „Wir holen unsere Leute mit ins Boot, wenn es um Zukunftsfragen geht“, sagt Faupel, „ihre Meinungen interessieren uns ganz ehrlich.“

Nahversorgung statt grüne Wiese

Grundsatz bei der Filialentwicklung: keine Bauten auf der grünen Wiese, sondern im Kiez. „Die Leute wollen sich um die Ecke versorgen“, sagt Michael Faupel. In der Stadt ist ein Ausbau des Netzes im Norden vorgesehen, etwa in Gohlis und Mockau. Weitere Standorte in Lindenau und Kleinzschocher sind geplant – immer mit einer individuellen Gestaltung, die ins Viertel passt, zum Beispiel durch den Einbezug lokaler Graffitikünstler wie im Westwerk. Dem ländlichen Raum widmet man sich mit einem speziellen Konzept, weil dort viele Filialen defizitär seien. Die Rahmenbedingungen sind dort schwieriger. Nicht nur, aber auch durch Planungsfehler der Kommunen, wenn diese an den Stadträndern Flächen für Supermärkte ausweisen. 3000 Kunden braucht ein Standort, sagt Faupel. Aber das reicht auch nur, wenn kein weiterer Anbieter im näheren Umkreis ist. Die Standorte Langenleuba und Zwochau müssten deshalb geschlossen werden. Auch wenn eine Genossenschaft nicht das Ziel der Gewinnmaximierung verfolge, so müsse sie eben trotzdem wirtschaftlich arbeiten und ihre Mitarbeiter bezahlen, betonen die Vorstände. Deshalb weitet die Genossenschaft andererseits ihr Geschäftsfeld ins nähere oder weitere Umland aus, wenn es lohnenswert erscheint. So gibt es unter anderem Filialen in Altenburg, Chemnitz, Delitzsch, Großlehna, Großkugel, Merseburg oder Radefeld. Im September geht ein Standort in Halle an den Start. Zusammen mit anderen Anbietern aus der Region soll eine neue Online-Einkaufsplattform aufgebaut werden

Höhere Rückvergütung geplant

„Viele Leute wissen gar nicht, dass wir eine Genossenschaft sind“, stellt Thärichen fest. Und dass damit auch eine gute Möglichkeit zur Wertanlage verbunden sei. Bis zu 5000 Euro könne jeder einbringen; 2017 und 2018 gab es drei Prozent Dividende. Die rund 26 000 Anteilseigner beim Konsum bekommen zudem zwei Prozent Rückvergütung auf ihre Einkäufe. Die funktioniert natürlich nicht mehr wie zu früheren Zeiten, als Konsummarken gesammelt und am Jahresende im Heftchen abgegeben wurden; das Prinzip aber ist geblieben. Und: Die Rückvergütung soll im Jahr des 135. Geburtstags ab 1. Juli auf 3,135 Prozent steigen – wenn die Vertreterversammlung am 25. Mai zustimmt.

Regionales Sortiment wird erweitert

Das Gerücht hält sich hartnäckig, aber: „Wir gehören nicht zur Edeka“, betont Dirk Thärichen. Die Edeka sei zwar Lieferant, das Sortiment bestimme man jedoch selbst. Kein mittelständischer Lebensmittelhändler könne mit Blick auf Preise, Frische und Qualität komplett ohne nationalen Partner auskommen, sagt Michael Faupel. Dennoch sei das Konsum-Sortiment anders; zu 25 Prozent bestehe es aus regionalen Produkten. Auch viele ganz kleine Anbieter kämen zum Zug. Marmelade von Fairgourmet oder Plagwitzer Honig. Man sei mit Landwirten im Gespräch, die jeweils nur fünf oder sechs Filialen beliefern könnten. Faupel will solche lokalen Lieferketten noch deutlich ausbauen.

Mitarbeiterzahl soll weiter wachsen

Derzeit sind rund 900 Beschäftigte beim Konsum Leipzig tätig. „Wenn wir so weiter wachsen, werden wir 100 bis 200 Leute zusätzlich brauchen“, prognostiziert Thärichen. Die seien aber gar nicht mehr so leicht zu bekommen; es gibt auch derzeit unbesetzte Stellen. Faupel rechnet zwar damit, dass sich Selbst-Scanner-Kassen sukzessive durchsetzen, dort also langfristig weniger Personal gebraucht wird. In diesem Zuge werde eine App eingeführt, mit der der Kunde per Handy zahlen kann. Personal werde aber für den Betrieb der Filialen weiter dringend gebraucht.

Ambitionierte Ziele verwirklicht

Thärichen erinnert an das ambitionierte Ziel, mit der Faupel und er 2015 an den Start gegangen seien: „Wir wollten die Löhne erhöhen und die Preise senken.“ Viele hätten nicht geglaubt, dass das geht. „Aber wir haben es hingekriegt“, weil durch niedrigere Preise der Umsatz gestiegen sei. Seit diesem Jahr gilt eine neue Arbeits- und Entgeltordnung mit Verbesserungen für die Mitarbeiter. „Das war ein richtig großer Schritt“, so der Vorstandssprecher. In der neuen Unternehmensstrategie sind mehr Fortbildungsangebote und Führungskräfte-Programme ebenso vorgesehen wie regelmäßige Mitarbeitergespräche. Thärichen verweist auf die jüngste Online-Umfrage des Portals Statista. Deutschlandweit waren darin 16 300 Arbeitnehmer bei über 4500 Arbeitgebern befragt worden. In Leipzig schnitt unter anderem der Konsum mit besten Noten ab.

Konsum-Geschichten gesucht

Küsschen, Knäckebrot und Konsummarken: Welche Erinnerungen und persönlichen Erlebnisse verbinden Sie, liebe Leser, mit dem Konsum? Sind Sie selbst Mitglied oder Nutznießer einer Genossenschaft? Was assoziieren Sie mit der Konsumgenossenschaft Leipzig? Falls Sie Lust und Zeit haben, uns ein paar Zeilen oder ein Foto mit Ihrem vollständigen Namen und Ihren Kontaktdaten zukommen zu lassen, würden wir uns sehr freuen. Der Konsum Leipzig gibt in Zusammenarbeit mit der LVZ im Herbst dieses Jahres ein Buch zu 135 Jahren Konsumgeschichte heraus, das sich nicht nur aus Historischem speist, sondern auch aus Anekdoten von Kunden, Freunden und Förderern. Unser Kontakt: zeitzeugen@lvz.de oder per Post an Leipziger Volkszeitung, Serviceredaktion/Zeitzeugen, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig.

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