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14:01 05.01.2019
Im „Vermttlungsraum": Nora Hartenstein (l.) und Barbara Häntzschel arbeiten im Projekt KulturLeben mit. Quelle: Mark Daniel
Leipzig

Ehrenamtler bilden das Rückgrat der Gesellschaft. In ihrer Freizeit arbeiten sie als Jugendtrainer, geben Schülern Nachhilfe, unterstützen Senioren oder engagieren sich in Flüchtlings-Unterkünften. Die LVZ-Serie porträtiert diejenigen, die das Leben anderer besser machen. Diesmal: Nora Hartenstein und Barbara Häntzschel vom Projekt „KulturLeben Leipzig & Region“, das kostenlose Eintrittskarten von Veranstaltungen an Menschen mit besonders geringem Einkommen vermittelt,

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Der soziale Unterschied ist suspendiert. Wer sich als Gast von „KulturLeben Leipzig & Region“ an der Abendkasse zu erkennen gibt, darf sich ebenso auf der Liste für kostenlose Karten vermerkt wissen und kostenlos Eintrittskarten erhalten – egal, ob beim Handballspiel, im Varieté oder im Gewandhaus. Und nicht selten bekommt die Initiative danach begeisterte Reaktionen. Besonders berührt ist das „KulturLeben“-Team, wenn sich jemand bedankt, weil er aus der Einsamkeit des Alltags gerissen wurde. „Dann wissen wir wieder, wie wichtig unsere Tätigkeit ist“, sagen Nora Hartenstein und Barbara Häntzschel unisono.

Ungeahnte Türen gehen auf

Sie gehören zu den aktuell 24 Ehrenamtlichen, die für sozial benachteiligte Menschen eine Tür aufstoßen. Eine Tür, die zu einer Kultur- oder Sportveranstaltung führt, die sie aus finanziellen Gründen sonst nicht besuchen könnten. Die Initiative, die vor knapp sieben Jahren im Soziokulturellen Zentrum Die Villa unter dem Namen „Kulturloge“ die Arbeit aufnahm, vermittelt unverkauft gebliebene Tickets für Kultur- und Sportveranstaltungen.

In den Genuss der Angebote kommen alle, die sich bei „KulturLeben“ angemeldet und Nachweise über besonders geringes Einkommen erbracht haben, beispielsweise den Wohn- oder Arbeitslosengeldbescheid oder den Leipzig-Pass. Sie können in der Villa abgegeben, per Post geschickt oder als Scan gemailt werden. Aus den Offerten von inzwischen über 80 Häusern und Veranstaltern stehen den Registrierten Karten für sich und eine Begleitperson zur Verfügung.

Däumchen drehen kommt nicht in Frage

Häntzschel, pensionierte Juristin, engagiert sich für das Projekt, weil es „für mich nicht in Frage kam, zu Hause Däumchen zu drehen“. Die 65-Jährige wurde vor zwei Jahren in der LVZ auf die Möglichkeit aufmerksam und nahm Kontakt zur Villa auf. Dort arbeitet Nora Hartenstein als Ehrenamtskoordinatorin. Hauptamtlich organisiert die 37-Jährige seit 2016 Sprachangebote für Geflüchtete. Die Job-Gelegenheit ergab sich just durch ihre 2013 begonnene Hilfe bei „KulturLeben“. „Natürlich mache ich das weiter“, betont sie, „es ist mir wichtig“. Der entscheidende Impuls für die Absolventin eines International-Business-Studiums, in den sozialen Bereich zu wechseln, kam nicht zuletzt durch Erfahrungen bei Auslandsaufenthalten. Unter anderem arbeitete sie ein eineinhalb Jahre in Indien und erlebte den tiefen Graben zwischen Arm und Reich.

Jeder im Team hat seinen Verantwortungsbereich, einmal pro Monat trifft man sich zur Auswertung. Barbara Häntzschels Aufgabe besteht vor allem in der Kommunikation mit den Veranstaltern, die unverkaufte Tickets zur Verfügung stellen. Der vor Elan und Motivation sprühenden Frau macht ihre Tätigkeit sichtlich Spaß. Der Bedarf an ehrenamtlich Engagierten zur Unterstützung der Initiative ist weiterhin groß. So werden Mithelfer für die Gästewerbung genauso gesucht wie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie zur datenbankgestützten Verwaltung der Gäste.

Gerechte Aufteilung der Freikarten

Schon seit drei Jahren gehört auch „Willkommen im KulturLeben“ zum Projekt zur Initiative. Gemeinsam mit sogenannten Kulturbegleitern wie zum Beispiel Paten oder Deutschlehrern können auch Geflüchtete Veranstaltungen besuchen. Die Frage nach der gerechten Aufteilung der freigegebenen Karten klärt eine spezielle Computersoftware algorithmisch: Sie wertet die von den momentan 1000 Gästen angegebenen Interessenbereiche ebenso aus wie die Position in der Warteschlange, dann kontaktiert das Team die Gäste telefonisch, um die Tickets zu vermitteln.

Dass die Zahl der registrierten Gäste seit einiger Zeit stagniert, „liegt zum einen an der besser werdenden Arbeitsmarktsituation in Leipzig und Umgebung“, erklärt Hartenstein, „zum anderen daran, dass noch zu wenig Leute unser Projekt kennen.“ Dennoch hat „KulturLeben“ bislang knapp 40 000 Eintrittskarten vermittelt. Die Vorteile liegen auf beiden Seiten: Die Kooperationspartner haben ein gut besuchtes Haus und verschaffen sich neues Publikum, das die jeweilige Location weiterempfiehlt. Sozial Benachteiligte können sich Vorstellungen ansehen und ihre Isolation durchbrechen. „Soziale Teilhabe“ heißt der wichtige Stichpunkt – und zwar ohne Bittsteller zu sein.

Bürozeiten immer dienstags von 10 bis 14 sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr, Soziokulturelles Zentrum Die Villa, Lessingstraße 7. Wer Gast werden, sich engagieren oder spenden will, kann sich informieren auf kulturleben-leipzig.de sowie eine Mail an kontakt@kulturleben-leipzig.de schicken; Telefon 0341 35520440.

Von Mark Daniel

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