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Lokales Kranker Elefant: Kann die Leipziger Uni-Kinderklinik noch helfen?
Leipzig Lokales Kranker Elefant: Kann die Leipziger Uni-Kinderklinik noch helfen?
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17:23 26.09.2019
Da war er noch quietschfidel: Bên Lòng am 11. April im Leipziger Zoo. Jetzt steht es sehr schlecht um den kleinen Elefanten. Quelle: Zoo Leipzig
Leipzig

Kann die Uni-Kinderklinik dem kleinen Baby-Elefanten im Leipziger Zoo noch helfen? Die Abteilung ist in die medizinische Betreuung von Bên Lòng von Geburt an einbezogen. Denn: Es gibt eine seit langem bestehende offizielle Kooperation zwischen dem Zentrallabor der Uniklinik (UKL) und dem Zoo. Dort werden zum Beispiel Blut- und Urinproben der Tiere untersucht. Die Labormethodik ist die selbe. Und es gibt durchaus Parallelen in der Behandlung von Säuglingen und Jungtieren. Die Uni-Kinderklinik hilft aktuell mit Laborbefunden und deren Interpretation. Mit Blick auf ähnlich gelagerte klinische Fälle bei Säuglingen geben die Pädiater aus der Liebigstraße Hinweise zu möglichen Medikationen. „Und unsere Oberärztin liefert Ernährungstipps“, sagt Wieland Kiss, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am UKL.

Wieland Kiess ist in die Behandlung des kranken Babyfanten involviert. Der Chef der Uni-Kinderklinik zeigt sich mit Blick auf einen möglichen Behandlungserfolg sehr skeptisch. Quelle: André Kempner

Wie berichtet, hatte der Zoo am Mittwoch vermeldet, dass sich der kleine Elefantenbulle in einem kritischen Zustand befindet. „Das Jungtier trinkt nicht genug, wirkt matt und weist besorgniserregende Blutwerte auf, die auf ein Problem bei der Leberfunktion schließen lassen“, teilte der Zoo mit.

Chef-Kindermediziner ist äußerst skeptisch

Wieland Kiess zeigt sich mit Blick auf die Zukunft des Babyfanten äußerst skeptisch. Schon vor mehreren Wochen, als er die Laborwerte des acht Monate alten Jungtieres auf den Tisch bekam, sei ihm klar gewesen: Der Elefant ist leberkrank. Anzeichen dafür: ein erhöhter Bilirubin-Wert. Auch bei der anschließenden persönlichen Inaugenscheinnahme habe Bên Lòng einen kranken Eindruck gemacht.

Elf Wochen nach der Geburt kümmert sich seine Tante Don Chung zuverlässig um den kleinen Elefanten im Leipziger Zoo.

Abwehrschwäche durch fehlende Muttermilch

Das Grundproblem ist bekannt – und auch der Chef-Kinderarzt am UKL sieht hier die Hauptursache: Der Elefant wurde nach der Geburt von Mutter Hoa verstoßen. Zwar kümmern sich seine Tanten Don Chung und Rani liebevoll um den Kleinen. Aber es fehlt die Muttermilch. „Wir wissen, dass Säugetiere, die keine Muttermilch bekommen und nur Pflanzen fressen, eigentlich immer eine Abwehrschwäche entwickeln“, sagt Kiess.

Dazu kämen Abstriche bei der Knochendichte – also der Festigkeit des Skeletts. Grundsätzlich gibt es Unterschiede in der Zusammensetzung der Muttermilch. „Beim Menschen enthält sie ganz andere Stoffe als beim Elefanten“, sagt Kiess. Aber für kleine Menschen gilt ebenso wie für Baby-Elefanten: Wichtig ist eine ausreichende Zufuhr an Proteinen, Calcium und Vitamin D.

Medizinisches Weltwunder

Bên Lòng sei trotz der extrem schwierigen Situation ein kleines medizinisches Weltwunder, weil es bislang keinen asiatischen Elefanten gebe, der so lange überlebte, nachdem ihn seine Mutter verstoßen hat. „In der Natur wird so ein Baby vom Löwen gefressen – die jungen Tiere haben eine sehr weiche Haut und keine Chance“, sagt Wieland Kiess. Bên Lòng sei bereits älter als alle anderen Baby-Elefanten unter diesen Umständen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Behandlung

Welche Gemeinsamkeiten gibt es eigentlich zwischen kleinen Elefanten und kleinen Menschen? „Wir haben viele Parallelen in der Laborbefundung und in der Behandlung von Krankheiten, aber natürlich auch einige Unterschiede“, erklärt der Kinderklinik-Chef. Die Anzeichen für eine Lebererkrankung seien mit Blick auf die Laborwerte bei Tier und Mensch ähnlich. Auch die Marker für Knochendichte könnten von einem Humanmediziner beurteilt werden.

Am 25. Januar 2019 wurde im Leipziger Zoo ein Elefant geboren.

Für Infektionen gibt es ähnliche Erreger – allerdings sind manche Bakterien für Elefanten deutlich gefährlicher als für Menschen. Manche Werte sind beim Elefanten unkritisch, die sonst auf eine ernste Erkrankung hindeuten können. So würden Elefanten größere Mengen Phosphat ausscheiden – die Gründe sind weitgehend unerforscht. Anders als beim Dickhäuter deutet so etwas beim Menschen mitunter auf einen bestimmten Diabetes-Typ hin.

Weniger Referenzwerte

Herausfordernd ist generell, dass es für Elefanten weniger Referenzwerte für Blutbefunde gibt, die Auskunft darüber geben könnten, welche Werte normal sind – und welche eben nicht. Bei erwachsenen Menschen gibt es solche Werte. Und auch für Kinder wird die Datenbasis immer besser – maßgeblich durch die Leipziger Lifechild-Studie, die Wieland Kiess betreut. Lifechild verfolgt die Entwicklung von rund 4300 Kindern bis zehn Jahren auf verschiedensten Ebenen.

Von Björn Meine

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