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Lokales Kühne Idee: Leipziger Kita-Neubauten künftig aus dem 3D-Drucker?
Leipzig Lokales Kühne Idee: Leipziger Kita-Neubauten künftig aus dem 3D-Drucker?
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14:50 14.09.2018
Noch keine Kita, aber immer schon mal was in 3D: Impression von der Technik-Messe „Rapid Tech“ in Erfurt.
Noch keine Kita, aber immer schon mal was in 3D: Impression von der Technik-Messe „Rapid Tech“ in Erfurt. Quelle: dpa
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Leipzig

Die Kraft der Innovationen war schon immer auch in Leipzig zu Hause. Auf den Mustermessen an der Pleiße gab es jahrhundertelang bahnbrechende Erfindungen zu bestaunen, in Leipzig wurde die erste Tageszeitung gedruckt, von Leipzig aus fuhr die erste Ferneisenbahn des Landes, Werner Heisenberg legte hier Grundlagen der Kernphysik, der gebürtige Messestädter Johann Christoph Denner erfand die erste Klarinette und der aufklärerische Geist von Gottfried Wilhelm Leibniz hat seinen Ursprung auch zwischen den Schulbänken der Nikolaischule. Nun fordert eine Petition an die Stadt Leipzig, wieder einmal mit Innovationsgeist voranzugehen. Wie es im Ersuchen an Stadtrat und Verwaltung heißt, sollen Kindertagesstätten in Leipzig künftig in Rekordzeit mit 3D-Druckern gebaut werden.

Was auf den ersten Blick wie eine Idee aus einem Science-Fiction-Roman daherkommt, ist tatsächlich nicht gänzlich unwahrscheinlich. Die Technik des 3D-Druckens – also des Verfahrens, bei dem computergesteuert verschiedene Materialien Schicht für Schicht aufgetragen werden und damit dreidimensionale Gegenstände entstehen – ist schon länger keine reine Zukunftsvision mehr. Inzwischen sind 3D-Drucker im Fachhandel sogar für Heimanwender erschwinglich. Darüber hinaus gibt es unter anderem in den USA und in Russland bereits Versuchsreihen, die in größeren Dimensionen denken. Mit Hilfe spezieller Betongemische und meterhoher Roboterkonstruktionen experimentieren Forscher inzwischen auch unter freiem Himmel mit der 3D-Technik, haben Rohbauten für Gebäude in weniger als 48 Stunden quasi ausdrucken lassen.

Export des Verfahrens über Leipzig hinaus

Diese Versuche sind auch in Leipzig nicht unbeobachtet geblieben. In der Petition an die Stadt Leipzig wird für eine bundesweite Ausschreibung geworben, die den Bau von Kitas in der Stadt mit Hilfe des 3D-Druckverfahrens zum Inhalt haben soll – bestenfalls noch in diesem Jahr. „Sollte sich das Projekt bewähren, sollte die Stadt Leipzig dazu eventuell eine eigenständige GmbH gründen, um das Modell ‚Kostengünstiger 3D-Kindergartenneubau‘ dann auch in Sachsen, Mitteldeutschland beziehungsweise ganz Deutschland anbieten zu können“, schreibt der anonyme Petent weiter in seiner Stellungnahme.

Klar ist: Der Bau von Kindertagesstätten gehört seit einigen Jahren in Leipzig zu den Mammutaufgaben der Verwaltung. Jährlich werden Millionen Euro aus der Stadtkasse aufgewendet, um dem Mangel an Betreuungsplätzen abzuhelfen. Mehr als 50 Kitas wurden in den vergangenen vier Jahren saniert oder neueröffnet, zwei Dutzend weitere sind für die kommenden beiden Jahre schon geplant. Jeder Bau kostet enorme Zeit für Planung und Umsetzung, der Bedarf an freien Plätzen wächst parallel aber weiter fort und so ist die Suche nach freien Plätzen immer noch eine Herausforderung. Insofern setzt diese Petition an einer nachvollziehbaren Stelle an. In einer ersten Instanz hat nun bereits das Dezernat von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) Stellung bezogen und rät dem Stadtrat, die Idee abzulehnen.

Kommune: Kaum Zeitersparnis – viele Hürden

Wie es in der Begründung heißt, sei der „3D-Druck eine neuartige Technologie, die in der Zukunft sicherlich auch im Bauprozess verstärkt zum Einsatz kommen wird“. Allerdings sprächen mehrere Gründe dagegen, die Technik schon jetzt in Leipzig einzusetzen. Zum einen sei es eher unwahrscheinlich, dass sich die Realisierungszeit der Bauten tatsächlich erheblich verringern lassen, denn die „planerische Vorbereitung erfordert bereits heute mehr Zeit als der eigentliche Bau.“ Dabei sei auch zu beachten, dass der Rohbau – bei dem die 3D-Technik zum Einsatz kommen könnte – vergleichsweise schnell errichtet sei, während die Ausbauarbeiten im deutlich mehr Zeit in Anspruch nähmen.

Abgesehen von der ungewissen Zeitersparnis müsste das Projekt Kita-3D-Druck in Leipzig vor der Umsetzung auch bürokratische Hürden nehmen – und die haben es zum Teil in sich. „In diesem Zusammenhang ist es nicht ganz unwesentlich, dass Baustoffe und Technologien in Deutschland allgemein zugelassen sein müssen“, heißt es aus dem Dezernat Stadtentwicklung und Bau. Einzelzulassungen müssten aufwändig beantragt werden, „bei denen es Jahre dauern kann, bis sie von den zuständigen Prüfbehörden (keine städtischen Behörden) erteilt werden.“ Soll heißen: Die Idee ist gut, die Welt aber noch nicht bereit.

Dass Innovationen mitunter Jahre bis zur Umsetzung brauchen, ist übrigens auch keine neue Erfahrung. Beim Bau der ersten deutschen Fernbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden wurde bereits 1833 eine entsprechende Petition beim Dresdner Landtag eingereicht. Vier Jahre später konnte dann der erste kurze Abschnitt in Betrieb genommen werden, sechs Jahre später kam der erste Zug in Dresden an. Ausgeschlossen ist nichts, aber manche Dinge brauchen eben Zeit – oder wie es aus dem Neuen Rathaus heißt: „Die Verwaltung wird die weitere Entwicklung und die Markteinführung dieser neuen Technologie aufmerksam beobachten.“

Von Matthias Puppe