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Lokales Kulturamtsleiterin Kucharski-Huniat feiert Dienstjubiläum
Leipzig Lokales Kulturamtsleiterin Kucharski-Huniat feiert Dienstjubiläum
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12:01 31.01.2019
Seit einem Vierteljahrhundert laufen bei Susanne Kucharski-Huniat die Fäden der Leipziger Kultur zusammen – nicht zuletzt auch der Kulturbauten. Bereits 1994 stellte sie sich den Leipzigern in einem LVZ-Interview mit Redakteur Mark Daniel vor, dem sie auch jetzt wieder Rede und Antwort stand. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist ein Vierteljahrhundert her: Im Februar 1994 trat Susanne Kucharski-Huniat, zuvor Stadtverordnete bei den Grünen, ihren neuen Job als Leiterin des Kulturamtes an. Zum Jubiläum sprach – wie damals – Redakteur Mark Daniel mit der 1958 geborenen Leipzigerin über die Entwicklung in Stadt und Amt sowie ihren Abschied in einem Jahr.

Bei Ihrem Amtsantritt war Leipzig noch fixiert auf Etiketten wie Messestadt, Sportstadt, Autostadt oder Buchstadt. Was ist die Stadt aus Ihrer Sicht heute vor allem?

Leipzig war schon immer vor allem Kulturstadt und ist es bis heute. Aus meiner Sicht wäre es am besten, wenn der Name „Leipzig“ allein schon genügen würde, um an eine schöne, aufregende Stadt zu denken, der Name einen Fächer an Assoziationen wachruft.

Wie hat sich die Arbeit im Kulturamt im Lauf der Zeit gewandelt?

Bei meinem Antritt 1994 war Leipzig im Auf- und Umbruch. Es war eine spannende Zeit; jedoch habe ich mindestens fünf Jahre lang umstrukturiert – zu meinem Amt gehörten über 100 Mitarbeiter, auch fast alle städtischen Kultureinrichtungen. Es gab noch keine Eigenbetriebe, und zum Beispiel die Städtischen Bibliotheken oder das Bacharchiv waren noch nicht ausgegründet. Heute sind wir im Kernbereich 24 Personen. Die Hauptaufgaben des Amtes sind gleich geblieben: Kulturförderung, Haushalt, Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Veranstaltungen und natürlich Kulturstrategie. Auch vier Museen und der Thomanerchor gehören zu meinem Verantwortungsbereich.

Vermutlich wissen die wenigsten, dass das Kulturamt auch fürs Bauen zuständig ist.

Das stimmt. Dass die Bauherrenaufgabe einen so breiten Raum einnehmen wird, hatte mich überrascht. In städtische Kulturimmobilien sind seit der Wende fast 400 Millionen Euro investiert worden, das fing für mich mit dem Theaterhaus am Lindenauer Markt an, es folgten das Gohliser Schlösschen, das Grassimuseum, der Neubau des Museums der bildenden Künste, Völkerschlachtdenkmal und Thomas-Alumnat – um nur einige zu nennen – oder zuletzt der Anker und das Alte Rathaus. Von 35 Fachliegenschaften haben wir fast alle grundhaft saniert. Eine riesige Herausforderung.

Lange Jahre hieß es: Leipzig als Halbmillionen-Stadt macht Kultur für eine Million Einwohner. Beides ist gewachsen. Wie viel Kultur verträgt diese Stadt?

Dieses Statement wurde früher oft negativ ausgelegt – sicher, weil ja das Geld hinten und vorn nicht reichte. Heute wissen wir, die hohe Quantität und Qualität der Kultur in Leipzig ist ein Standortvorteil, verschafft internationale Aufmerksamkeit und ist wichtig für den Zuzug wie auch für Tourismus und Wirtschaft.

„Der Diskurs über die Mittelverteilung gehört einfach dazu“

Seit jeher gab es in Sachen Förderung für die freie Szene ein jährliches Ritual: Gerüchte über Kürzungen, Protestaktionen, Reaktionen aus Ihrem Amt. Wie sehr hat Sie das genervt?

Der Diskurs über die Mittelverteilung gehört einfach dazu. Genervt hat mich lange die Tonspur. Da ging es oft ins Persönliche. Inzwischen hat sich das entspannt – sicher auch, weil das Fördermittelbudget angewachsen ist.

Wie fühlen Sie sich im Spannungsfeld zwischen Verwaltung und Kulturmacher-Begehren?

Das Kulturamt ist auf der einen Seite Lobby für die freie Kunst und Kultur, die Fachmitarbeiterinnen der Kulturförderung sind stets Ansprechpartner und Berater. Auf der anderen Seite gilt die Loyalität zur Verwaltung und zur Politik, zu den Vorgaben und Möglichkeiten, die man bekommt. Das auszutarieren, ist nicht immer leicht.

Nun gibt es die Kampagne Kulturstark, die mehr Geld fordert. Wie sehen Sie das?

Der Stadtrat hat soeben im Zusammenhang mit dem Beschluss zum Doppelhaushalt 2019/2020 das Budget zur Förderung von freier Kunst und Kultur erhöht. Dass es seit 2013 eine jährliche Erhöhung um 2,5 Prozent auf der Basis des Vorjahres gab, war schon ein Erfolg. Die jetzige Erhöhung ist gut, denn bei den Geförderten sind die Ausgaben in der Vergangenheit erheblich angestiegen, und wir sind auch daran interessiert, dass die freien Träger angemessene Honorare und Mindestlohn zahlen können.

„Ich habe einen der besten Posten in der Leipziger Stadtverwaltung“

Sie haben zum Antritt vor 25 Jahren gesagt: „Ich werde kulturelle Einrichtungen mit Klauen und Zähnen verteidigen.“ Können Sie sagen, dass Sie das immer getan haben?

Ja, das habe ich stets getan, allerdings hat es nicht immer geklappt. Vor allem auf Grund von Stellenkürzungen und maroder Bausubstanz mussten wir abgeben, so das Klubhaus Walther Barth im Osten oder das Haus Leipzig und eine eigene Kulturwerkstatt. Die Übergabe in freie Trägerschaft zählt für mich nicht dazu, das subsidiäre Prinzip – dass also die Verwaltung nur einspringt, wenn es nicht anders geht – halte ich nach wie vor für richtig. Gerade haben wir das Komm-Haus an das soziokulturelle Zentrum Die Villa übertragen. Als neuer Träger hat sie so erfolgreich Fördermittel eingeworben, dass jetzt eine dritte Stelle eingerichtet werden konnte. Freie Träger kommen an Töpfe heran, die für die Verwaltung nicht zugänglich sind.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz ist nicht der richtige Ausdruck. Ich bin dankbar für die anspruchsvolle und vielfältige Aufgabe als Leiterin des Kulturamtes. Mit meinem Team habe ich viel geschafft. Ich konnte gestalten, mitwirken, Dinge auf den Weg bringen. Die Entwicklung der Sozio- und Stadtteilkultur und die Umsetzung von Projekten, die mir besonders am Herzen lagen und mit denen wir Fehlstellen in der Erinnerungskultur schließen konnten, wie die Schaffung der Gedenkstätte in der Gottschedstraße für die verfolgten, ausgegrenzten und ermordeten Leipziger Juden oder das Goerdeler-Denkmal gehören dazu. Ich habe einen der besten Posten in der Leipziger Stadtverwaltung.

Welche Fehler haben Sie gemacht?

Fehler gehören dazu, aber gravierende fallen mir für mich nicht ein. Nicht alle Projekte gelingen, wie jüngst die Standortentscheidung für das Naturkundemuseum oder das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal, wo wir nun noch einmal neu Anlauf nehmen.

Pawel Adamowicz, der getötete Danziger Oberbürgermeister, wird mir in Erinnerung bleiben“

Welche Personen, mit denen Sie zu tun hatten, die Sie kennenlernten, sind Ihnen besonders in Erinnerung?

Ich konnte in der Zusammenarbeit viele interessante Menschen und auch bekannte Schriftsteller und Künstler kennenlernen. Als besonderen Menschen werde ich Peter Held in Erinnerung behalten. Ein in den 1930er-Jahren vertriebener Leipziger Jude, der so oft es ging nach Leipzig kam, hier generös Projekte förderte und Menschen zusammenbrachte. 2016 ist er hochbetagt verstorben, ich mochte ihn sehr. Und auch Pawel Adamowicz, der getötete Danziger Oberbürgermeister, wird mir in Erinnerung bleiben.

1994 sagten Sie: „Ich würde den Posten räumen, wenn ich keine Impulse mehr geben könnte.“ Hören Sie deshalb 2020 auf?

Nein, ich habe nach wie vor viel Energie. Es ergab sich die Möglichkeit, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Nach dann 26 Jahren bekommt das Kulturamt eine neue Leitung. Aber Abschied ist erst im nächsten Jahr. Jetzt freue ich mich über das Jubiläum – und weiter geht’s.

Von Mark Daniel

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