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Lokales „Kurze Wege für kurze Beine“ – Eltern lehnen größere Schulbezirke ab
Leipzig Lokales „Kurze Wege für kurze Beine“ – Eltern lehnen größere Schulbezirke ab
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00:31 26.05.2018
Der Schulweg muss für die Kleinsten sicher sein. Quelle: Kempner
Leipzig

Leipzigs Stadtelternrat lehnt die geplante Änderung der Grundschulbezirke vom Schuljahr 2019/20 an ab. „Das Vorhaben ist realitätsfern und bedeutet eine weitere Belastung der größtenteils überbelegten Grundschulen“, sagt Michael Gehrhardt, der Leiter des Arbeitskreises Grundschulen des Stadtelternrates.

Länge des Schulweges entscheidend

Zur Erinnerung: Stadt sowie Landesamt für Schule und Bildung planen, dass ein Schulbezirk – wie vereinzelt bereits üblich – ab 2019/20 generell mehrere Grundschulen einschließen soll. Wer aufgenommen wird, entscheiden die Schulleitungen nach vorgegebenen Kriterien wie Länge und Dauer des Schulweges, Geschwisterkinder oder Härtefälle, wie beispielsweise leichte Hörbehinderungen, für die Räume mit einer besonderen Akustik notwendig sind. So soll der Grundsatz „Kurze Beine – kurze Wege“ gelten und möglichst kein Kind von der elterlichen Wohnung an einer Bildungsstätte vorbeigehen müssen (die LVZ berichtete).

„Die Schulen werden willkürlich in einen gemeinsamen Schulbezirk gelegt“, kritisiert Elternvertreterin Konstanze Beyerodt. So gebe es dann beispielsweise einen gemeinsamen Einzugsbereich, der von Connewitz über die Südvorstadt bis zur Grundschule am Bayerischen Bahnhof reicht. „Die Schulen sind doch schon jetzt alle voll belegt.“

Dass die Stadt einen Wettbewerb unter den Bildungsstätten ankurbeln will, werten die Eltern sogar als „zynisch“. Das sei aufgrund der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen (Sanierungszustand, räumliche Begrenzung, soziales Umfeld) eine keineswegs akzeptable Herangehensweise. Befürchtet werden Klagewellen, wenn Kinder nicht an der nahe gelegenen Schule eingeschult werden können, da die Wunschschule an ihre Aufnahmegrenzen stößt.

Stadt braucht 17 neue Grundschulen

Probleme lösen kann die Stadt aus Sicht der Eltern nur, wenn sie zusätzliche Gebäude errichtet. Fakt ist, dass Leipzig bis 2030 etwa 17 Grundschulen mehr benötigt. Wo die entstehen sollen, ist aber in den meisten Fällen gar nicht bekannt. Das soll Ende 2018 entschieden werden, wenn das Schuldezernat dem Stadtrat den überarbeiteten Schulentwicklungsplan vorlegt und dieser diskutiert wird.

„Auf Grundlage dieser Zahlen kann dann eine exakte Neuregelung vorgelegt werden“, so Gehrhardt. Umgekehrt sei das Vorhaben überstürzt. Benötigt wird aus Sicht des Elternrates ein datenbasiertes Wegesystem der sicheren Schulwege, das auch für alle nachvollziehbar ist. „Gibt es das, können die Eltern selbst nachschauen und es spricht nichts dagegen, aus der ganzen Stadt einen gemeinsamen Schulbezirk zu machen“, so Beyerodt. Das funktioniere bei Freien Schulen oder jenen mit besonderen Bildungsschwerpunkten auch. Ein Beispiel sei die Pablo-Neruda-Grundschule, die schon für die Jüngsten vertieften Französischunterricht anbietet. „Chemnitz hat ebenfalls größere Schulbezirke eingeführt. Weil sie sich dort nicht bewährt haben, macht die Stadt diese aber wieder kleiner“, so Gehrhardt.

Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) sagte auf LVZ-Nachfrage, dass er an dem Plan mit größeren Grundschulbezirken festhalte. „Im August werden wir dies im Stadtrat diskutieren.“

Von Mathias Orbeck

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