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Lokales LVB setzen weiter auf Solaris-Bahnen
Leipzig Lokales LVB setzen weiter auf Solaris-Bahnen
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09:16 19.12.2018
38 Meter lang sind die XL-Straßenbahnen des polnischen Herstellers Solaris. Inzwischen fahren sie nicht mehr nur auf der Linie 4 der Leipziger Verkehrsbetriebe.
38 Meter lang sind die XL-Straßenbahnen des polnischen Herstellers Solaris. Inzwischen fahren sie nicht mehr nur auf der Linie 4 der Leipziger Verkehrsbetriebe. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa
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Leipzig

Trotz der Verhaftung eines führenden Solaris-Managers in Polen sehen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) vorerst keinen Grund, ihr Straßenbahn-Beschaffungsprogramm zu ändern. „Was wir bisher gehört haben, ist alles noch sehr unsicher“, erklärte LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg am Dienstag auf Anfrage. „Wir prüfen alle Informationen, die wir erhalten, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Ansonsten können wir das gegenwärtig nicht kommentieren.“

Solaris-Manager in Untersuchungshaft

Wie berichtet, hatte der Leipziger Stadtkonzern am Montag auf polnische Medienberichte hingewiesen, nach denen Zbigniew P. in Untersuchungshaft sitzt. Das Vorstandsmitglied gilt als einer der wichtigsten Manager bei dem europäischen Marktführer für Elektrobusse, er verantwortete bei Solaris Bus & Coach bislang auch das Geschäft mit Schienenfahrzeugen. Angeblich steht die Verhaftung im Zusammenhang mit Vorwürfen der Korruption oder der Geldwäsche.

Die XL-Straßenbahnen aus Polen decken inzwischen die Linie 4 von Gohlis nach Stötteritz komplett ab. Quelle: André Kempner

Seit Anfang 2017 hat Leipzig insgesamt 17 Solaris-Straßenbahnen vom Typ XL erhalten, so LVB-Sprecher Marc Backhaus. „Elf verkehren auf der Linie 4 und decken diese Linie damit komplett ab. Zwei weitere XL setzen wir seit Kurzem auf der Linie 3 ein.“ Ein Fahrzeug diene als Fahrschulwagen, eins befinde sich gerade in der Inbetriebnahme. Eine Tram sei nach einem Unfall am 18. Juni in Gohlis außer Gefecht (wie berichtet, war eine Tatra-Bahn aus dem Gleis gesprungen und hatte die entgegenkommende XL gerammt). Bei Straßenbahn Nummer 17 arbeite der Hersteller an technischen Verbesserungen. „Das ist nicht unüblich bei neuen Modellreihen“, betonte Backhaus. Inzwischen seien die Kinderkrankheiten bei den XL aber weitgehend abgestellt. „Die Solaris-Bahnen haben mittlerweile zusammen eine Ausfallquote, die gleichauf mit unseren anderen Modellen liegt.“

Stückpreis unter drei Millionen Euro

Erst Ende Oktober übergab der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Förderbescheide von 11,4 Millionen Euro an die LVB. Damit ist die Anschaffung von 41 XL-Bahnen bis zum Jahr 2020 finanziell gesichert. Laut Brancheninsidern kosten sie das kommunale Unternehmen – gemäß den Verträgen von 2015 – deutlich unter drei Millionen Euro pro Stück. Aktuell würde der Marktpreis für vergleichbare Modelle etwa eine Million Euro höher liegen. Eine XL soll je zwei alte Tatra-Triebwagen ersetzen.

Solaris gehört nun zu spanischer Gruppe

Wegen des Einwohnerwachstums in Leipzig und immer höheren Fahrgastzahlen hatten sich die LVB in ihrem Vertrag mit der Solaris Bus & Coach eine Option gesichert, außer den 41 noch weitere 20 XL-Fahrzeuge zu denselben Konditionen zu beziehen. Auch dies könnten die Verkehrsbetriebe jedoch nur unter Einsatz erheblicher Fördermittel finanzieren.

Im September 2018 wurde Solaris von der CAF-Gruppe übernommen. Im Oktober bestellte dieser große spanische Hersteller von U-Bahnen und Straßenbahnen einen neuen Chefmanager für das Unternehmen in Bolechowo nahe Poznan.

Von Jens Rometsch